Sophie Happ

Verlegeort
Chausseestr. 6
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2007
Geboren
17. Juni 1892
Beruf
Krankenschwester
Deportation
am 04. März 1943
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolperstein Sophie Happ © OTFW
    Stolperstein Sophie Happ © OTFW

    Stolperstein Sophie Happ © OTFW

Sophie Johanna Irmgard Bach wurde am 17. Juni 1892 als Tochter einer jüdischen, gutbürgerlichen Familie in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Wilhelm und Clara Bach. Sie besaßen ein Mehrfamilienhaus in der Chausseestraße 6 in Berlin-Mitte. Dort wuchs Sophie mit ihren beiden Geschwistern Kurt und Edith auf.<br />
<br />
Nach Abschluss der Schule erlernte Sophie Bach den Beruf der Krankenschwester. Im Jahr 1915 heiratete sie den sechs Jahre älteren Rechtsanwalt Dr. Martin Happ aus Pleschen (Pleszew) und zog mit ihm nach Hohensalza (Inowrocław) in die Provinz Posen, wo er eine eigene Kanzlei eröffnete. <br />
Am 2. August 1919 wurde ihr erster Sohn Wolfgang Wilhelm geboren.<br />
<br />
Infolge des Posener Aufstands (1918–1919) trat die deutsche Regierung die Provinz Posen an Polen ab. Die junge Familie wurde aufgrund ihrer deutschen Staatsbürgerschaft ausgewiesen. Sie musste die Stadt verlassen und sich in Schönebeck an der Elbe eine neue Existenz aufbauen. Dort eröffnete Sophie Happs Ehemann eine neue Anwaltspraxis in der Friedrichstraße 23, die er zusammen mit dem Rechtsanwalt Dr. Brauer führte. Die Familie wohnte in der Tolbergstraße 4a. Der Sohn Wolfgang besuchte in Schönebeck erst vier Jahre lang die Volksschule und anschließend das Realgymnasium. Am 1. September 1926 brachte Sophie Happ in Schönebeck an der Elbe ihr zweites Kind Vera zur Welt.<br />
<br />
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 verlor Martin Happ noch im selben Jahr seine Zulassung als Notar. Im Jahr darauf durfte er auch nicht mehr als Rechtsanwalt praktizieren. Zudem hatte er infolge einer Erkrankung das Gehör verloren und litt an Gleichgewichtsstörungen. Die Familie verließ daraufhin die Stadt und zog nach Berlin in das Elternhaus von Sophie Happ. Ihr Vater Wilhelm Bach war bereits 1908 verstorben. Nachdem auch die Mutter Clara Bach 1935 gestorben war, erbte Sophie Happ mit ihren beiden Geschwistern das Haus in der Chausseestraße 6. Zwischenzeitlich wohnte das Ehepaar Happ verschiedenen Quellen zufolge in der Jagowstraße 1–3 in Berlin-Grunewald. Aus der Vermögenserklärung, die Martin und Sophie Happ 1943 ausfüllen mussten, geht hervor, dass sie ab etwa 1941 wieder in der Chausseestraße 6 in einer 3-Zimmer-Wohnung lebten, in der sie noch zwei jüdische Untermieter aufgenommen hatten. Das Haus hatte die Erbengemeinschaft allerdings bereits 1940 unter Wert verkaufen müssen. Sophie Happ wurde zur Zwangsarbeit als Maschinen-Presserin in einem Betrieb am Kottbusser Ufer 41 verpflichtet.<br />
<br />
Um der wachsenden Bedrohung zu entgehen, bemühten sich Sophie und Martin Happ um Visa für eine Ausreise nach England. Sophies Bruder, der Arzt Kurt Bach, war bereits 1934 nach England ausgewandert. Auch ihrer Schwester Edith, inzwischen verheiratete Kaczynski, gelang es, mit ihrem Mann und den beiden Söhnen nach England zu gehen. Doch ohne entsprechende Sprachkenntnisse und ohne Aussicht auf eine Anstellung für Martin Happ bekamen Sophie und Martin Happ die Genehmigung zur Einreise nicht. Sie konnten aber ihre beiden Kinder außer Landes bringen. Die Tochter Vera kam 1939 mit einem Kindertransport nach England. 1940 verstarb sie in Cardiff an einer Meningitis-Erkrankung. Der Sohn Wolfgang gelangte über Italien nach England. Dort wurde er 1941 als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Kanada gebracht, wo er den Krieg überlebte. Das Ehepaar Happ blieb postalisch mit ihrem Sohn und mit Sophies Geschwistern Edith und Kurt in Kontakt. Sie schickten sich Briefe über das Rote Kreuz. Vom Tod ihrer Tochter Vera erfuhren sie allerdings anscheinend erst einige Zeit später. Am 3. Februar 1942 schrieb Sophie Happ ihrer Schwester: „Hoch erfreute erstes Lebenszeichen, ohne Adressangabe. Sind gesund, nur schwer erschüttert – unfaßbar Veraleins Tod. Wart ihr zugegen? Bleibt Alle gesund. Schreibt. Letzte Novembernachricht vom Jungen. Herzinnigst!“ Die letzte erhaltene Nachricht von Sophie Happ an ihre Schwester Edith Kaczinsky ist auf den 31. Oktober 1942 datiert. Sie schrieb: „Beglückt über gute Nachrichten. Weiter alles Gute, Glück, Gesundheit. Martins Befinden gebessert. Sophie sehr fleißig. Vergeßt Wolfgang und Weras Grab nicht zum 12.12. Grüßt Alle. Sophie.“<br />
<br />
Wenige Monate später, am 4. März 1943, wurden Sophie und Martin Happ von der Gestapo mit dem „34. Osttransport“ in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Der genaue Todestag ist nicht bekannt.<br />

Sophie Johanna Irmgard Bach wurde am 17. Juni 1892 als Tochter einer jüdischen, gutbürgerlichen Familie in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Wilhelm und Clara Bach. Sie besaßen ein Mehrfamilienhaus in der Chausseestraße 6 in Berlin-Mitte. Dort wuchs Sophie mit ihren beiden Geschwistern Kurt und Edith auf.

Nach Abschluss der Schule erlernte Sophie Bach den Beruf der Krankenschwester. Im Jahr 1915 heiratete sie den sechs Jahre älteren Rechtsanwalt Dr. Martin Happ aus Pleschen (Pleszew) und zog mit ihm nach Hohensalza (Inowrocław) in die Provinz Posen, wo er eine eigene Kanzlei eröffnete.
Am 2. August 1919 wurde ihr erster Sohn Wolfgang Wilhelm geboren.

Infolge des Posener Aufstands (1918–1919) trat die deutsche Regierung die Provinz Posen an Polen ab. Die junge Familie wurde aufgrund ihrer deutschen Staatsbürgerschaft ausgewiesen. Sie musste die Stadt verlassen und sich in Schönebeck an der Elbe eine neue Existenz aufbauen. Dort eröffnete Sophie Happs Ehemann eine neue Anwaltspraxis in der Friedrichstraße 23, die er zusammen mit dem Rechtsanwalt Dr. Brauer führte. Die Familie wohnte in der Tolbergstraße 4a. Der Sohn Wolfgang besuchte in Schönebeck erst vier Jahre lang die Volksschule und anschließend das Realgymnasium. Am 1. September 1926 brachte Sophie Happ in Schönebeck an der Elbe ihr zweites Kind Vera zur Welt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 verlor Martin Happ noch im selben Jahr seine Zulassung als Notar. Im Jahr darauf durfte er auch nicht mehr als Rechtsanwalt praktizieren. Zudem hatte er infolge einer Erkrankung das Gehör verloren und litt an Gleichgewichtsstörungen. Die Familie verließ daraufhin die Stadt und zog nach Berlin in das Elternhaus von Sophie Happ. Ihr Vater Wilhelm Bach war bereits 1908 verstorben. Nachdem auch die Mutter Clara Bach 1935 gestorben war, erbte Sophie Happ mit ihren beiden Geschwistern das Haus in der Chausseestraße 6. Zwischenzeitlich wohnte das Ehepaar Happ verschiedenen Quellen zufolge in der Jagowstraße 1–3 in Berlin-Grunewald. Aus der Vermögenserklärung, die Martin und Sophie Happ 1943 ausfüllen mussten, geht hervor, dass sie ab etwa 1941 wieder in der Chausseestraße 6 in einer 3-Zimmer-Wohnung lebten, in der sie noch zwei jüdische Untermieter aufgenommen hatten. Das Haus hatte die Erbengemeinschaft allerdings bereits 1940 unter Wert verkaufen müssen. Sophie Happ wurde zur Zwangsarbeit als Maschinen-Presserin in einem Betrieb am Kottbusser Ufer 41 verpflichtet.

Um der wachsenden Bedrohung zu entgehen, bemühten sich Sophie und Martin Happ um Visa für eine Ausreise nach England. Sophies Bruder, der Arzt Kurt Bach, war bereits 1934 nach England ausgewandert. Auch ihrer Schwester Edith, inzwischen verheiratete Kaczynski, gelang es, mit ihrem Mann und den beiden Söhnen nach England zu gehen. Doch ohne entsprechende Sprachkenntnisse und ohne Aussicht auf eine Anstellung für Martin Happ bekamen Sophie und Martin Happ die Genehmigung zur Einreise nicht. Sie konnten aber ihre beiden Kinder außer Landes bringen. Die Tochter Vera kam 1939 mit einem Kindertransport nach England. 1940 verstarb sie in Cardiff an einer Meningitis-Erkrankung. Der Sohn Wolfgang gelangte über Italien nach England. Dort wurde er 1941 als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Kanada gebracht, wo er den Krieg überlebte. Das Ehepaar Happ blieb postalisch mit ihrem Sohn und mit Sophies Geschwistern Edith und Kurt in Kontakt. Sie schickten sich Briefe über das Rote Kreuz. Vom Tod ihrer Tochter Vera erfuhren sie allerdings anscheinend erst einige Zeit später. Am 3. Februar 1942 schrieb Sophie Happ ihrer Schwester: „Hoch erfreute erstes Lebenszeichen, ohne Adressangabe. Sind gesund, nur schwer erschüttert – unfaßbar Veraleins Tod. Wart ihr zugegen? Bleibt Alle gesund. Schreibt. Letzte Novembernachricht vom Jungen. Herzinnigst!“ Die letzte erhaltene Nachricht von Sophie Happ an ihre Schwester Edith Kaczinsky ist auf den 31. Oktober 1942 datiert. Sie schrieb: „Beglückt über gute Nachrichten. Weiter alles Gute, Glück, Gesundheit. Martins Befinden gebessert. Sophie sehr fleißig. Vergeßt Wolfgang und Weras Grab nicht zum 12.12. Grüßt Alle. Sophie.“

Wenige Monate später, am 4. März 1943, wurden Sophie und Martin Happ von der Gestapo mit dem „34. Osttransport“ in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Der genaue Todestag ist nicht bekannt.