Edith Feige geb. Israel

Verlegeort
Choriner Str. 13
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
24. Februar 2025
Geboren
06. März 1909 in Goldfeld (Posen) / Trzeciewiec
Beruf
Schneiderin
Zwangsarbeit
Wicklerin (Siemens-Schuckert AG )
Deportation
am 01. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
Biografie

Biografie Edith Feige, geb. Israel

Edith Feige kam am 06. März 1909 in Goldfeld (dem heutigen Trzeciewiec in Polen) als Edith Israel zur Welt. Ihr Vater war der Schuhmacher Israel Israel. Ihre Mutter verstarb sehr wahrscheinlich bereits in ihrer Kindheit. Edith war die zweitjüngste von insgesamt fünf Geschwistern. Neben ihrer Schwester Herta hatte sie mit Herbert, Simon und Oscar auch drei Brüder.

Leider haben sich so gut wie keine Quellen dazu erhalten, wann genau die Familie Israel nach Berlin gezogen ist. Neben dem Vater Israel Israel sind auch seine vier Brüder Isidor, Hermann, Leopold und Samuel aus ihrer Heimat, der ehemaligen preußische Bezirke Marienwerder / Bromberg, nach Berlin gezogen. In den Berliner Adressbüchern ist der Vater Israel Israel erstmalig im Jahr 1927 mit der Adresse Friedrichstr. 17 (der heutigen Börnestr.) in Berlin (Weißensee) verzeichnet. 

Am 16. Oktober 1936 heiratete Edith den am 20. November 1908 in Berlin geborenen Elektroingenieur Paul Feige. Gemeinsam wohnten sie seit der Eheschließung in einer 1 Zimmer-Wohnung mit Küche in der Choriner Str. 13 (Hof Hochpt., linker Seitenflügel).

Am 31. Januar 1938 wurde ihr gemeinsamer Sohn Klaus Feige geboren, der jedoch am 12. September 1938 verstarb. Als Todesursache wurde eine angeborene Gehirnmissbildung angegeben.

Edith, die von Beruf Schneiderin war, musste als Wicklerin im Elektromotorenwerk der Siemens-Schuckert AG zu einem Wochenlohn von ca. 25,- Reichsmark Zwangsarbeit leisten.

Ihr Ehemann Paul war in seinem bisherigen Beruf als Elektroingenieur bei der Dr. Georg Seibt AG, einem Radiogeräte-Hersteller in der Akazienstr. 28 in Schöneberg, tätig. Mit einem Monatsgehalt in Höhe von 250,- Reichsmark erhielt Paul, im Vergleich zu vielen anderen Juden in Zwangsarbeit zu dieser Zeit, sicherlich ein höheres Gehalt.

Nachdem im Oktober 1941 Ediths Onkel Leopold nach Litzmannstadt und im November 1941 ihr Onkel Samuel mit Familie nach Riga deportiert wurden, erfolgte dieses schreckliche Schicksal im September 1942 auch Ediths Schwester Herta, die mit ihren 2 Kindern nach Raasiku bei Reval (Tallinn) in Estland deportiert wurden sowie ihrem letzten verbliebenen Onkel Isidor mit Familie, die im Oktober 1942 nach Theresienstadt und Riga deportiert wurden. Keiner hat die Deportation überlebt.

Edith und Paul Feige wurden im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion festgenommen. Bei dieser Großrazzia wurden zwischen dem 1. und 12. März 1943 ca. 8.000 bisher von der Deportation verschont gebliebene Berliner Juden, die bis zum 27. Februar 1943 noch in Rüstungsbetrieben zwangsbeschäftigt waren, meist direkt an ihren Arbeitsplätzen, auf offener Straße oder in ihren Wohnungen festgenommen, in Sammellager gebracht und anschließend nach Auschwitz deportiert.

Das Ehepaar musste am 28. Februar 1943 ihre „Vermögenserklärungen“ unterschreiben. Ihr gesamtes Vermögen wurde zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Das Inventar wurde mit 102,- Reichsmark bewertet und verkauft.

Am 1. März 1943 wurden Edith und Paul Feige mit dem 31. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Genaues Schicksal und Todesdatum sind unbekannt.

Von den insgesamt 1.736 Deportierten dieses Transportes wurden lediglich 677 jüdische Häftlinge als arbeitsfähig registriert, davon 292 Männer und 385 Frauen. Die übrigen 1.059 Männer, Frauen und Kinder wurden demnach sofort ermordet.

Am 2. März 1943 wurde auch Ediths Vater Israel Israel nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Ediths drei Brüdern gelang rechtzeitig die Auswanderung. Herbert und Simon emigrierten nach Palästina, Oscar nach Argentinien.

 

Berlin, Januar 2021

Recherchiert und zusammengestellt: Marco Bruns

Quellen:

Berliner Adressbücher

Jüdisches Adressbuch für Gross-Berlin

Ergänzungskarten Volkszählung 1939, Bundesarchiv

Vermögensverwertunsgakten, Landesarchiv Brandenburg

Bundesarchiv Gedenkbuch

Arolsen Archives

Yad Vashem – Internationale Holocaust Gedenkstätte

Angaben des Verwandten Tsur Israel

Heiratsurkunde Paul und Edith Feige

Sterbeurkunde Klaus Feige

Heiratsurkunde Herta und Ludwig Cohn

Deportationslisten

Liste der Deportationszüge aus Berlin: https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php

Statistik und Deportation: https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot31.html