- Verlegeort
- Choriner Str. 13
- Bezirk/Ortsteil
- Prenzlauer Berg
- Verlegedatum
-
24. Februar 2025
- Geboren
- 20. November 1908 in Berlin
- Beruf
- Elektroingenieur
- Zwangsarbeit
- Elektroingenieur (Dr. Georg Seibt AG)
- Deportation
- am 01. März 1943 nach Auschwitz
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Ermordet
- 30. März 1943 in Auschwitz
Biografie Paul Feige
Paul Feige kam am 20. November 1908 als Sohn des Kauffmanns Moritz Feige und seiner Frau Johanna Feige geborene Heim in Berlin zur Welt. Neben zwei älteren Brüdern Arthur und Rudolf hatte Paul zudem eine Schwester, deren Name und genaues Schicksal nicht bekannt sind.
Bis zu seiner Eheschließung lebte Paul gemeinsam mit seiner Familie in der Tresckowstraße 8 (der heutigen Knaackstraße), Berlin (Prenzlauer Berg).
Am 16. Oktober 1936 heiratete Paul die am 06. März 1909 in Goldfeld (dem heutigen Trzeciewiec in Polen) geborene Schneiderin Edith Israel. Gemeinsam wohnten sie seit der Eheschließung in einer 1 Zimmer-Wohnung mit Küche in der Choriner Str. 13 (Hof Hochpt., linker Seitenflügel).
Am 31. Januar 1938 wurde ihr gemeinsamer Sohn Klaus Feige geboren, der jedoch am 12. September 1938 verstarb. Als Todesursache wurde eine angeborene Gehirnmissbildung angegeben.
Nach einer ingenieurtechnischen Ausbildung an der Gauß-Schule, der heutigen Beuth Hochschule für Technik Berlin, war Paul als Elektromeister bei der Ort-Schule tätig, eine von der Ort-Union gegründeten Handwerkerschule für junge Juden. Seit Gründung der Ort-Schule im Jahr 1937 war Pauls Bruder Dr. Arthur Feige dort als Leiter der elektrotechnischen Abteilung und Lehrer tätig.
Nach Schließung der Ort-Schule durch die Nationalsozialisten im Jahr 1941, mussten die meisten Schüler und Lehrer als ungelernte Arbeiter in der Industrie Zwangsarbeit leisten. Paul war in seinem bisherigen Beruf als Elektroingenieur bei der Dr. Georg Seibt AG, einem Radiogeräte-Hersteller in der Akazienstr. 28 in Schöneberg, tätig. Mit einem Monatsgehalt in Höhe von 250,- Reichsmark erhielt Paul, im Vergleich zu vielen anderen Juden in Zwangsarbeit zu dieser Zeit, sicherlich ein höheres Gehalt.
Seine Frau Edith musste als Wicklerin im Elektromotorenwerk der Siemens-Schuckert AG zu einem Wochenlohn von ca. 25,- Reichsmark Zwangsarbeit leisten.
Nachdem Pauls Schwester mit ihrem Mann und Sohn zu Beginn des Jahres 1942 nach Riga deportiert wurden, folgte am 07. September 1942 die Deportation der Eltern in das Ghetto Theresienstadt, wo beide Elternteile noch im selben Jahr starben.
Edith und Paul Feige wurden im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion festgenommen. Bei dieser Großrazzia wurden zwischen dem 1. und 12. März 1943 ca. 8.000 bisher von der Deportation verschont gebliebene Berliner Juden, die bis zum 27. Februar 1943 noch in Rüstungsbetrieben zwangsbeschäftigt waren, meist direkt an ihren Arbeitsplätzen, auf offener Straße oder in ihren Wohnungen festgenommen, in Sammellager gebracht und anschließend nach Auschwitz deportiert.
Das Ehepaar musste am 28. Februar 1943 ihre „Vermögenserklärungen“ unterschreiben. Ihr gesamtes Vermögen wurde zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Das Inventar wurde mit 102,- Reichsmark bewertet und verkauft.
Am 1. März 1943 wurden Edith und Paul Feige mit dem 31. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Genaues Schicksal und Todesdatum sind unbekannt.
Von den insgesamt 1.736 Deportierten dieses Transportes wurden lediglich 677 jüdische Häftlinge als arbeitsfähig registriert, davon 292 Männer und 385 Frauen. Die übrigen 1.059 Männer, Frauen und Kinder wurden demnach sofort ermordet.
Pauls Bruder Rudolf Feige gelang die Flucht nach England, in das vom britischen Council for German Jewry initiierte Durchgangslager Kitchener Camp in Richborough (Kent), wo er 1939 registriert wurde. Im Februar 1948 wanderte er mit seiner Frau und zwei Söhnen in die USA aus. Im März 1993 verstarb Rudolf Feige im Alter von 93 Jahren in Montgomery, Ohio.
Dr. Arthur Feige, Pauls ältester Bruder, gelang im November 1942 auf dem Weg nach Auschwitz die Flucht aus dem fahrenden Zug. Nach drei Jahren des Versteckens konnte Dr. Arthur Feige im April 1945 von den Alliierten gerettet werden. Nach Kriegsende wurde er Amtsleiter des Postschulungsamtes Berlin und später Lehrbeauftragter an der TU Berlin. Im August 1984 verstarb Dr. Arthur Feige im Alter von 93 Jahren in Berlin.
Berlin, Januar 2021
Recherchiert und zusammengestellt: Marco Bruns
Quellen:
Berliner Adressbücher
Jüdisches Adressbuch für Gross-Berlin
Ergänzungskarten Volkszählung 1939, Bundesarchiv
Vermögensverwertunsgakten, Landesarchiv Brandenburg
Bundesarchiv Gedenkbuch
Arolsen Archives
Yad Vashem – Internationale Holocaust Gedenkstätte
Angaben des Verwandten Tsur Israel
Heiratsurkunde Paul und Edith Feige
Sterbeurkunde Klaus Feige
Deportationslisten
Liste der Deportationszüge aus Berlin: https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php
Statistik und Deportation: https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot31.html
Opferdatenbank zu Gefangenen des Ghettos Theresienstadt
Biografie Dr. Arthur Feige: https://1000x.berlin/biografien/
ORT-Schule: https://www.ort.org/en/news/the-last-jewish-school-in-berlin/
Brief Dr. Arthur Feige (1946)
Angaben zu Dr. Arthur Feige, Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1961
The National Archives; England; 1939 Register
Geburtsurkunde Rudolf Feige
Index des US-Staatsarchivs, 1950-1993
Listen ankommender Passagier und Besatzungen, New York, 1820-1957
Ohio, USA, Sterberegister, 1938-2018
Heiratsurkunde Johanna und Moritz Feige
Kitchener Camp: http://www.kitchenercamp.co.uk/
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