Dr. Karl Eisemann

Verlegeort
Dortmunder Straße 13
Bezirk/Ortsteil
Moabit
Verlegedatum
20. September 2013
Geboren
04. Juni 1895
Deportation
am 26. Oktober 1942 nach Riga
Ermordet
29. Oktober 1942 in Riga
  • Stolperstein Karl Eisemann
    Stolperstein Karl Eisemann ©OTFW

    Stolperstein Karl Eisemann ©OTFW

Karl Eisemann kam am 4. Juni 1895 im unterfränkischen Westheim bei Hammelburg als Sohn des Religionslehrers und Leiters einer Volksschule Salomon Eisemann (1853–1930) und dessen Frau Bertha, geb. Grünbaum (1861–1936) zur Welt. Er wuchs im Kreis von zwei Geschwistern auf: Sein älterer Bruder Lazarus war 1891 in Westheim geboren worden; seine jüngere Schwester Lina (Leah) Eisemann kam 1901 zur Welt. Nach dem Besuch der Grundschule und dem Umzug der Familie 1912 nach Würzburg besuchte Karl das dortige Gymnasium und studierte nach seinem Abitur – wie zuvor auch sein Vater – an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg.

1914 legte er sein Examen ab und nahm anschließend eine Lehrtätigkeit an der jüdischen Volksschule in Würzburg auf. Am 1. September 1917 trat Karl Eisemann in die bayerische Armee ein und war während der Ersten Weltkriegs Infanterist beim Ersatzbataillon des 9. königlich-bayerischen Infanterieregiments „Wrede“. Vom 15. Oktober bis 31. Dezember 1917 wurde er für den Schuldienst zurückgestellt. Sein Bruder Lazarus, der an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Medizin studiert hatte, war während des Ersten Weltkriegs Soldat im Sanitätsdienst. Er promovierte 1919 in Würzburg und ging 1920 als Arzt nach Nürnberg, wo er eine Praxis eröffnete. Karl Eisemann legte 1918 seine Lehramtsprüfung ab und nahm nach der Demobilisierung wieder seine Tätigkeit als Lehrer an der jüdischen Volksschule in Würzburg auf. 1919 wurde er zum Schriftführer der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Junglehrer Bayerns“ gewählt. Im Jahr 1921 immatrikulierte sich Karl Eisemann in Berlin und promovierte Mitte der 1920er-Jahre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 1921 unterrichtete er außerdem in Berlin an der Volksschule der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel, die Anfang der 1930er-Jahre in das von der Gemeinde erworbenen Atelierhaus Siegmunds Hof 11 im Hansaviertel zog. Karl Eisemann wohnte in dieser Zeit in Berlin in einer Wohnung in der Niebuhrstraße 6 in Charlottenburg. Am 1. Oktober 1936 heiratete er in Eschwege die Lehrerin Else Katz, zog mit ihr in eine Wohnung in der Dortmunder Straße 13 in Moabit und bekam mit ihr am 27. Dezember 1937 eine Tochter, die den Namen Noemi erhielt.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – hatten auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Karl Eisemann und seine Angehörigen begonnen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 war Karl Eisemann eine Lehrtätigkeit an einer öffentlichen Schule untersagt. Ein Erlass von 1935 sah eine „möglichst vollständige Rassentrennung“ in Schulen vor und nach den Pogromen im November 1938 wurde jüdischen Schülern der Besuch von öffentlichen Schulen grundsätzlich verboten. Private Bildungseinrichtungen – wie die Volksschule, an der er unterrichtete – fungierten jetzt zunehmend als Schutzräume vor antisemitischen Übergriffen und bereiteten die Schülerschaft auf die Emigration und ein Leben im Ausland vor.

Emigration und die Flucht aus Deutschland spielten auch im unmittelbaren Familienkreis von Karl Eisemann eine bestimmende Rolle: Sein Bruder Lazarus war bereits im Sommer 1933 mit seiner Ehefrau Lina, geb. Bacharach, und seinen beiden Kindern Kurt (*1923) und Edith (*1925) nach Frankreich geflüchtet, wo die Familie zeitweise in Lyon lebte. 1935 emigrierte sie in das britische Mandatsgebiet Palästina. Karls Schwester Lina hatte 1928 den Tierarzt Dr. Max Birk geheiratet und war 1936 mit ihm und ihren beiden Kindern Walter (*1930) und Mirjam (*1936) nach Palästina ausgewandert. Ende der 1930er-Jahre/ Anfang der 1940er-Jahre versuchten auch Karl und Else Eisenmann, das Land zu verlassen. In den Dokumenten des späteren Entschädigungsverfahrens befinden sich zwei Briefe von Karl Eisemann an Verwandte, die er wahrscheinlich Ende der 1930er-Jahre oder Anfang der 1940er-Jahre schrieb. Sie zeigen, wie fortgeschritten die Pläne des Ehepaares waren. Die Eisemanns hatten Vereinbarungen mit Spediteuren getroffen, Auswanderungsabgabe und Golddiskont (sogenannte Dego-Abgabe) bezahlt und einen Teil ihrer beweglichen Güter in Liftvans (Transportkisten für den Schiffsverkehr nach Übersee) in Fracht gegeben. Ziel war das britische Mandatsgebiet Palästina. Für dieses galt aber ab Oktober 1939 eine Einreisesperre, auf die sich Karl Eisemann vermutlich bezog, als er schrieb: „Die Meldung über die Sperre hat wie ein Donner hier eingeschlagen und grösste Bestürzung hervorgerufen. Unser Glück wäre umso grösser wenn es für uns trotzdem gelingen würde.“ Konkret wurde eine Einreise über Syrien erwogen. Karl Eisemann schrieb weiter: „Könnten wir nicht, sofern erhältlich ist, bei Fahrt nach Sy. trotzdem die Karte gleich nach Haifa nehmen?? […] Ihr wisst garnicht wie sehnsüchtigst wir auf jede Nachricht warten und sitzen wie auf dem Pulverfass.“ Auch auf die Existenzsicherung im Exil bereitete sich das Ehepaar vor. Karl Eisemann bat, ob man mit dem Landschulheim in Pardes Hanna nahe Haifa Kontakt aufnehmen könne: „Vielleicht könnt ihr einmal Fühlung nehmen, eventuell wegen Musikunterricht oder auch allgemeine Fächer, wenn es zunächst auch nur einige Stunden wären. An und für sich glaube ich ja nicht, dass ich in meinem Berufe dorten unter kommen kann, da es zuviele im Lande gibt, die schon auf Anstellung warten. Else lernt jetzt Büstenhalter nähen und will sich entweder mit Nähen Geld verdienen, oder dort sofort im Haushalt Stellung annehmen. Wir wollen niemanden zur Last fallen […].“ Letztendlich zerschlugen sich die Auswanderungspläne der Eisemanns spätestens mit dem generellen Ausreiseverbot im Oktober 1941.

In ihrer Wohnung in der Dortmunder Straße 13 hatten sie Ende der 1930er-Jahre Karls Schwiegereltern Simon und Nanny (Nannchen) Katz, geborene Heß, aufgenommen. Simon Katz war Ende 1938 im Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 30275) inhaftiert gewesen und mit seiner Frau nach seiner Entlassung aus Eschwege nach Berlin geflohen. Bis 1937/1938 war Karl Eisemann Lehrer an der Volksschule der Synagogengemeinde Adass Jisroel gewesen, die 1939 geschlossen wurde. In den Jahren 1938/1939 war er Schulleiter der Volksschule der jüdischen Gemeinde Rykestraße. Spätestens mit der Schließung der letzten verbliebenen jüdischen Bildungseinrichtungen im Frühjahr 1941 verlor Karl Eisemann seine Stelle. Er übte zuletzt zwangsweise eine Tätigkeit als „Erdarbeiter“ für die Friedhofsverwaltung der Jüdischen Kultusvereinigung aus. Seine Ehefrau war Anfang der 1940er-Jahre Zwangsarbeiterin der Firma „Martin Michalski – Uniformbetrieb“, die ihren Hauptsitz in der Großen Frankfurter Straße 137 hatte.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdischen Gemeinde Berlins informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Karl Eisemann wurde im Rahmen der sogenannten Gemeindeaktion, die auf die Deportation von Mitarbeitern der Jüdischen Gemeinde Berlins abzielte, im Oktober 1942 verhaftet und im Sammellager in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße interniert. Zusammen mit seiner Ehefrau und seiner damals vierjährigen Tochter wurde er wenige Tage später deportiert.

In einem späteren Brief an Max Katz, den Bruder von Else Eisemann, schilderte ein Nachbar aus dem Haus weitere Details: „Als ersten (sic!) wurde Herr Dr. Eisemann von der Gestapo abgeholt, daß war am Freitag und Montag ist Else freiwillig ihrem Manne nachgefolgt und ihr Kind wurde dann ein paar Stunden, da es noch geschlafen hatte von jüdischen Helferinnen abgeholt. Das war am 26. Oktober 1942. – Es war furchtbar! Ich hätte schon längst geschrieben, aber ich wollte an all die furchtbaren Stunden nicht denken. […]. Ihr Schwager war ein herzlicher Mann Aristokrat von Scheitel bis zur Sohle. Und Ihre liebe Schwester Else war eine herzlich liebe gute Frau & Mutter wie man wohl selten eine findet […].“

Karl, Else und Noemi Eisemann wurden am 26. Oktober 1942 mit dem „22. Osttransport“ aus Berlin in das Ghetto Riga deportiert. Die Transportliste dieser Deportation verzeichnet den 47-jährigen Karl Eisemann und seine 34-jährige Ehefrau als „arbeitsfähig“. Die Eheleute sind möglicherweise in Riga noch zu Zwangsarbeit selektiert worden, bevor sie im Ghetto, in einem Arbeitskommando oder einem der NS-Vernichtungslager ermordet wurden. In jedem Fall gehörten weder Karl, noch Else, noch Noemi Eisemann zu den wenigen Überlebenden des Rigaer Ghettos.

Die Eltern von Else Eisemann, offiziell waren sie Untermieter, verblieben nach der Deportation ihrer Tochter zunächst in der Wohnung in der Dortmunder Straße 13. Sie wurden im Rahmen der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, im Frühjahr 1943 verhaftet und getrennt voneinander am 3. und 4. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Karls Geschwister überlebten die NS-Verfolgung mit ihren Familien im Exil. Elses Bruder Max Katz konnte sich mit seiner Ehefrau und seiner Tochter Anfang 1939 nach Brasilien retten und von dort 1940 in die USA einreisen. Er überlebte die NS-Verfolgung in den USA.

Karl Eisemann kam am 4. Juni 1895 im unterfränkischen Westheim bei Hammelburg als Sohn des Religionslehrers und Leiters einer Volksschule Salomon Eisemann (1853–1930) und dessen Frau Bertha, geb. Grünbaum (1861–1936) zur Welt. Er wuchs im Kreis von zwei Geschwistern auf: Sein älterer Bruder Lazarus war 1891 in Westheim geboren worden; seine jüngere Schwester Lina (Leah) Eisemann kam 1901 zur Welt. Nach dem Besuch der Grundschule und dem Umzug der Familie 1912 nach Würzburg besuchte Karl das dortige Gymnasium und studierte nach seinem Abitur – wie zuvor auch sein Vater – an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg.

1914 legte er sein Examen ab und nahm anschließend eine Lehrtätigkeit an der jüdischen Volksschule in Würzburg auf. Am 1. September 1917 trat Karl Eisemann in die bayerische Armee ein und war während der Ersten Weltkriegs Infanterist beim Ersatzbataillon des 9. königlich-bayerischen Infanterieregiments „Wrede“. Vom 15. Oktober bis 31. Dezember 1917 wurde er für den Schuldienst zurückgestellt. Sein Bruder Lazarus, der an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Medizin studiert hatte, war während des Ersten Weltkriegs Soldat im Sanitätsdienst. Er promovierte 1919 in Würzburg und ging 1920 als Arzt nach Nürnberg, wo er eine Praxis eröffnete. Karl Eisemann legte 1918 seine Lehramtsprüfung ab und nahm nach der Demobilisierung wieder seine Tätigkeit als Lehrer an der jüdischen Volksschule in Würzburg auf. 1919 wurde er zum Schriftführer der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Junglehrer Bayerns“ gewählt. Im Jahr 1921 immatrikulierte sich Karl Eisemann in Berlin und promovierte Mitte der 1920er-Jahre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 1921 unterrichtete er außerdem in Berlin an der Volksschule der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel, die Anfang der 1930er-Jahre in das von der Gemeinde erworbenen Atelierhaus Siegmunds Hof 11 im Hansaviertel zog. Karl Eisemann wohnte in dieser Zeit in Berlin in einer Wohnung in der Niebuhrstraße 6 in Charlottenburg. Am 1. Oktober 1936 heiratete er in Eschwege die Lehrerin Else Katz, zog mit ihr in eine Wohnung in der Dortmunder Straße 13 in Moabit und bekam mit ihr am 27. Dezember 1937 eine Tochter, die den Namen Noemi erhielt.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – hatten auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Karl Eisemann und seine Angehörigen begonnen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 war Karl Eisemann eine Lehrtätigkeit an einer öffentlichen Schule untersagt. Ein Erlass von 1935 sah eine „möglichst vollständige Rassentrennung“ in Schulen vor und nach den Pogromen im November 1938 wurde jüdischen Schülern der Besuch von öffentlichen Schulen grundsätzlich verboten. Private Bildungseinrichtungen – wie die Volksschule, an der er unterrichtete – fungierten jetzt zunehmend als Schutzräume vor antisemitischen Übergriffen und bereiteten die Schülerschaft auf die Emigration und ein Leben im Ausland vor.

Emigration und die Flucht aus Deutschland spielten auch im unmittelbaren Familienkreis von Karl Eisemann eine bestimmende Rolle: Sein Bruder Lazarus war bereits im Sommer 1933 mit seiner Ehefrau Lina, geb. Bacharach, und seinen beiden Kindern Kurt (*1923) und Edith (*1925) nach Frankreich geflüchtet, wo die Familie zeitweise in Lyon lebte. 1935 emigrierte sie in das britische Mandatsgebiet Palästina. Karls Schwester Lina hatte 1928 den Tierarzt Dr. Max Birk geheiratet und war 1936 mit ihm und ihren beiden Kindern Walter (*1930) und Mirjam (*1936) nach Palästina ausgewandert. Ende der 1930er-Jahre/ Anfang der 1940er-Jahre versuchten auch Karl und Else Eisenmann, das Land zu verlassen. In den Dokumenten des späteren Entschädigungsverfahrens befinden sich zwei Briefe von Karl Eisemann an Verwandte, die er wahrscheinlich Ende der 1930er-Jahre oder Anfang der 1940er-Jahre schrieb. Sie zeigen, wie fortgeschritten die Pläne des Ehepaares waren. Die Eisemanns hatten Vereinbarungen mit Spediteuren getroffen, Auswanderungsabgabe und Golddiskont (sogenannte Dego-Abgabe) bezahlt und einen Teil ihrer beweglichen Güter in Liftvans (Transportkisten für den Schiffsverkehr nach Übersee) in Fracht gegeben. Ziel war das britische Mandatsgebiet Palästina. Für dieses galt aber ab Oktober 1939 eine Einreisesperre, auf die sich Karl Eisemann vermutlich bezog, als er schrieb: „Die Meldung über die Sperre hat wie ein Donner hier eingeschlagen und grösste Bestürzung hervorgerufen. Unser Glück wäre umso grösser wenn es für uns trotzdem gelingen würde.“ Konkret wurde eine Einreise über Syrien erwogen. Karl Eisemann schrieb weiter: „Könnten wir nicht, sofern erhältlich ist, bei Fahrt nach Sy. trotzdem die Karte gleich nach Haifa nehmen?? […] Ihr wisst garnicht wie sehnsüchtigst wir auf jede Nachricht warten und sitzen wie auf dem Pulverfass.“ Auch auf die Existenzsicherung im Exil bereitete sich das Ehepaar vor. Karl Eisemann bat, ob man mit dem Landschulheim in Pardes Hanna nahe Haifa Kontakt aufnehmen könne: „Vielleicht könnt ihr einmal Fühlung nehmen, eventuell wegen Musikunterricht oder auch allgemeine Fächer, wenn es zunächst auch nur einige Stunden wären. An und für sich glaube ich ja nicht, dass ich in meinem Berufe dorten unter kommen kann, da es zuviele im Lande gibt, die schon auf Anstellung warten. Else lernt jetzt Büstenhalter nähen und will sich entweder mit Nähen Geld verdienen, oder dort sofort im Haushalt Stellung annehmen. Wir wollen niemanden zur Last fallen […].“ Letztendlich zerschlugen sich die Auswanderungspläne der Eisemanns spätestens mit dem generellen Ausreiseverbot im Oktober 1941.

In ihrer Wohnung in der Dortmunder Straße 13 hatten sie Ende der 1930er-Jahre Karls Schwiegereltern Simon und Nanny (Nannchen) Katz, geborene Heß, aufgenommen. Simon Katz war Ende 1938 im Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 30275) inhaftiert gewesen und mit seiner Frau nach seiner Entlassung aus Eschwege nach Berlin geflohen. Bis 1937/1938 war Karl Eisemann Lehrer an der Volksschule der Synagogengemeinde Adass Jisroel gewesen, die 1939 geschlossen wurde. In den Jahren 1938/1939 war er Schulleiter der Volksschule der jüdischen Gemeinde Rykestraße. Spätestens mit der Schließung der letzten verbliebenen jüdischen Bildungseinrichtungen im Frühjahr 1941 verlor Karl Eisemann seine Stelle. Er übte zuletzt zwangsweise eine Tätigkeit als „Erdarbeiter“ für die Friedhofsverwaltung der Jüdischen Kultusvereinigung aus. Seine Ehefrau war Anfang der 1940er-Jahre Zwangsarbeiterin der Firma „Martin Michalski – Uniformbetrieb“, die ihren Hauptsitz in der Großen Frankfurter Straße 137 hatte.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdischen Gemeinde Berlins informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Karl Eisemann wurde im Rahmen der sogenannten Gemeindeaktion, die auf die Deportation von Mitarbeitern der Jüdischen Gemeinde Berlins abzielte, im Oktober 1942 verhaftet und im Sammellager in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße interniert. Zusammen mit seiner Ehefrau und seiner damals vierjährigen Tochter wurde er wenige Tage später deportiert.

In einem späteren Brief an Max Katz, den Bruder von Else Eisemann, schilderte ein Nachbar aus dem Haus weitere Details: „Als ersten (sic!) wurde Herr Dr. Eisemann von der Gestapo abgeholt, daß war am Freitag und Montag ist Else freiwillig ihrem Manne nachgefolgt und ihr Kind wurde dann ein paar Stunden, da es noch geschlafen hatte von jüdischen Helferinnen abgeholt. Das war am 26. Oktober 1942. – Es war furchtbar! Ich hätte schon längst geschrieben, aber ich wollte an all die furchtbaren Stunden nicht denken. […]. Ihr Schwager war ein herzlicher Mann Aristokrat von Scheitel bis zur Sohle. Und Ihre liebe Schwester Else war eine herzlich liebe gute Frau & Mutter wie man wohl selten eine findet […].“

Karl, Else und Noemi Eisemann wurden am 26. Oktober 1942 mit dem „22. Osttransport“ aus Berlin in das Ghetto Riga deportiert. Die Transportliste dieser Deportation verzeichnet den 47-jährigen Karl Eisemann und seine 34-jährige Ehefrau als „arbeitsfähig“. Die Eheleute sind möglicherweise in Riga noch zu Zwangsarbeit selektiert worden, bevor sie im Ghetto, in einem Arbeitskommando oder einem der NS-Vernichtungslager ermordet wurden. In jedem Fall gehörten weder Karl, noch Else, noch Noemi Eisemann zu den wenigen Überlebenden des Rigaer Ghettos.

Die Eltern von Else Eisemann, offiziell waren sie Untermieter, verblieben nach der Deportation ihrer Tochter zunächst in der Wohnung in der Dortmunder Straße 13. Sie wurden im Rahmen der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, im Frühjahr 1943 verhaftet und getrennt voneinander am 3. und 4. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Karls Geschwister überlebten die NS-Verfolgung mit ihren Familien im Exil. Elses Bruder Max Katz konnte sich mit seiner Ehefrau und seiner Tochter Anfang 1939 nach Brasilien retten und von dort 1940 in die USA einreisen. Er überlebte die NS-Verfolgung in den USA.