Friedrich Nothmann

Verlegeort
Elßholzstr. 30 -33
Bezirk/Ortsteil
Schöneberg
Verlegedatum
11. November 2010
Geboren
18. Oktober 1887
Beruf
Jurist
Flucht
1939 in die Niederlande
Inhaftiert (t.b.d.)
1944 in Westerbork
Deportation
am 04. September 1944 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz
Ermordet
18. Oktober 1944 in Auschwitz
  • Stolperstein für Friedrich Nothmann.
    Stolperstein für Friedrich Nothmann. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Friedrich Nothmann. Foto: OTFW.

Friedrich Nothmann wurde am 18. Oktober 1887 im oberschlesischen Gleiwitz (heute: Gliwice / Polen) als Sohn von Adolf Nothmann und seiner Frau Alwine, geb. Lustig, geboren. 1914 schloss er das Jura-Studium mit dem 2. Staatsexamen ab und war 1914–1918 Soldat. Er heiratete – wahrscheinlich nach Kriegsende – die 1897 in Berlin geborene Gertrud Bernhard; die Söhne kamen 1920, 1926 und 1932 auf die Welt. Seit Mai 1921 war Friedrich Nothmann Landgerichtsrat beim Landgericht I Berlin. Die Familie wohnte in der Moltkestraße 10 in Berlin-Lichterfelde. Bekannt wurde sein Einsatz beim „Barmat-Prozess“ 1927, in dem zwei Brüder wegen Bestechung und betrügerischer Kreditbeschaffung angeklagt wurden, die 1919 nach Berlin gekommen waren. Wegen der ostjüdischen Herkunft der Beschuldigten floss der Skandal in die antisemitische Propaganda der NSDAP ein, Nothmann wurde deshalb bereits vor der Machtübernahme zu einer Zielscheibe von Verunglimpfungen wegen seiner jüdischen Herkunft. Seit 1929 Kammergerichtsrat, wurden ihm in einer Beurteilung aus dem Jahr 1932 noch eine „überragende Befähigung“ zum Richteramt und „Leistungen erheblich über dem Durchschnitt“ bescheinigt. Deshalb wurde er für Anfang 1933 in den 2. Strafsenat berufen.<br />
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Mit der Besetzung des Kammergerichts durch die SA am 31. März 1933 begann Friedrich Nothmanns Verfolgung: Er wurde auf die Straße gezerrt und misshandelt, aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im April beurlaubt und erhielt am 13. Juli 1933 die Entlassung mit Ruhegehalt. Nach der Pogromnacht 1938 verhaftete man ihn und verschleppte ihn in das KZ Buchenwald. Nachdem die Familie eine Ausreise in die Niederlande zum 21. Januar 1939 erreicht hatte, kam der Vater am 16. Dezember 1938 wieder frei. Die Familie übersiedelte nach Den Haag. Anfang September 1943 wurde die ganze Familie verhaftet und über das Durchgangslager Westerbork am 4. September 1944 zunächst nach Theresienstadt und am 16. Oktober 1944 mit 1.500 Menschen weiter nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich am 18. Oktober 1944 ermordet wurden. Nur 18 überlebten den Transport.<br />
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Ein in die Vereinigten Staaten ausgewanderter Neffe, Gerhard Nothmann, recherchierte in den 1960er Jahren das Schicksal der Familie und informierte das New Yorker Leo-Baeck-Institut. Am 11. November 2010 wurden für Friedrich Nothmann und vier weitere jüdische Richter des Kammergerichtes, die deportiert und ermordet wurden, die Stolpersteine verlegt.

Friedrich Nothmann wurde am 18. Oktober 1887 im oberschlesischen Gleiwitz (heute: Gliwice / Polen) als Sohn von Adolf Nothmann und seiner Frau Alwine, geb. Lustig, geboren. 1914 schloss er das Jura-Studium mit dem 2. Staatsexamen ab und war 1914–1918 Soldat. Er heiratete – wahrscheinlich nach Kriegsende – die 1897 in Berlin geborene Gertrud Bernhard; die Söhne kamen 1920, 1926 und 1932 auf die Welt. Seit Mai 1921 war Friedrich Nothmann Landgerichtsrat beim Landgericht I Berlin. Die Familie wohnte in der Moltkestraße 10 in Berlin-Lichterfelde. Bekannt wurde sein Einsatz beim „Barmat-Prozess“ 1927, in dem zwei Brüder wegen Bestechung und betrügerischer Kreditbeschaffung angeklagt wurden, die 1919 nach Berlin gekommen waren. Wegen der ostjüdischen Herkunft der Beschuldigten floss der Skandal in die antisemitische Propaganda der NSDAP ein, Nothmann wurde deshalb bereits vor der Machtübernahme zu einer Zielscheibe von Verunglimpfungen wegen seiner jüdischen Herkunft. Seit 1929 Kammergerichtsrat, wurden ihm in einer Beurteilung aus dem Jahr 1932 noch eine „überragende Befähigung“ zum Richteramt und „Leistungen erheblich über dem Durchschnitt“ bescheinigt. Deshalb wurde er für Anfang 1933 in den 2. Strafsenat berufen.

Mit der Besetzung des Kammergerichts durch die SA am 31. März 1933 begann Friedrich Nothmanns Verfolgung: Er wurde auf die Straße gezerrt und misshandelt, aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im April beurlaubt und erhielt am 13. Juli 1933 die Entlassung mit Ruhegehalt. Nach der Pogromnacht 1938 verhaftete man ihn und verschleppte ihn in das KZ Buchenwald. Nachdem die Familie eine Ausreise in die Niederlande zum 21. Januar 1939 erreicht hatte, kam der Vater am 16. Dezember 1938 wieder frei. Die Familie übersiedelte nach Den Haag. Anfang September 1943 wurde die ganze Familie verhaftet und über das Durchgangslager Westerbork am 4. September 1944 zunächst nach Theresienstadt und am 16. Oktober 1944 mit 1.500 Menschen weiter nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich am 18. Oktober 1944 ermordet wurden. Nur 18 überlebten den Transport.

Ein in die Vereinigten Staaten ausgewanderter Neffe, Gerhard Nothmann, recherchierte in den 1960er Jahren das Schicksal der Familie und informierte das New Yorker Leo-Baeck-Institut. Am 11. November 2010 wurden für Friedrich Nothmann und vier weitere jüdische Richter des Kammergerichtes, die deportiert und ermordet wurden, die Stolpersteine verlegt.