Flora Käthe Milchner geb. Oppenheimer

Verlegeort
Fechnerstr. 5
Historischer Name
Walter Fischer Straße 5
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
13. Juni 2019
Geboren
21. November 1888
Beruf
Masseurin, Beraterin in Schönheitspflege
Deportation
am 18. Oktober 1941 nach Lódź (Litzmannstadt)
Später deportiert
in 1942 nach Chełmno / Kulmhof
Ermordet
08. Mai 1942 in Chełmno / Kulmhof
  • Stolperstein Flora Milchner (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)
    Stolperstein Flora Milchner (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

    Stolperstein Flora Milchner (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

  • "Der Zugangsweg des Buches in den Bestand der Zentral- und Landesbibliothek ist unklar und konnte nicht nachvollzogen werden. Das Objekt wurde in unbearbeiteten Depotbeständen der Berliner Stadtbibliothek gefunden."
    "Der Zugangsweg des Buches in den Bestand der Zentral- und Landesbibliothek ist unklar und konnte nicht nachvollzogen werden. Das Objekt wurde in unbearbeiteten Depotbeständen der Berliner Stadtbibliothek gefunden."

    "Der Zugangsweg des Buches in den Bestand der Zentral- und Landesbibliothek ist unklar und konnte nicht nachvollzogen werden. Das Objekt wurde in unbearbeiteten Depotbeständen der Berliner Stadtbibliothek gefunden."

Flora Käthe Oppenheimer kam am 21. November 1888 in Berlin auf die Welt. Ihre Mutter war Elsbeth Rosa (Else) Oppenheimer, ihr Vater war der Fabrikbesitzer Gustav Oppenheimer. Flora hatte noch eine Schwester, Lilly Rosine. Sie wurde am 10. April 1891 geboren.Vor ihrer Eheschließung lebte Flora bei ihren Eltern in der Bayreuther Straße 41. Sie war offenbar bildungshungrig und belesen und ging regelmäßig in die Bücherei. 2018 fand man ein Buch in der Berliner Stadtbibliothek das Wörterbuch „Dictionnaire Francais-Allemand et Allemand-Francais“ von 1887, das Flora Oppenheimers Namen trug.<br />
<br />
Am 9. April 1910 heiratete Flora Dr. med. Richard Joseph Milchner, der Oberarzt an der Charité war. Mit ihm hatte sie zwei Söhne: Am 21. Juni 1911 wurde Hans Heinz geboren und fünf Jahre später, am 5. Mai 1916, Kurt Gustav. Die Familie wohnte in einer 3-Zimmer-Wohnung in der Walter-Fischer-Straße 5, der heutigen Fechnerstraße. Die Einrichtung bestand aus wertvollen Mahagonimöbeln und Perserteppichen. Ein Bechsteinflügel gehörte ebenfalls zum Inventar.<br />
<br />
Heinz war zwölf und Kurt gerade sieben Jahre alt, als ihr Vater 1923 verstarb. Flora ernährte sich und die Kinder als Masseurin, Atemtherapeutin, Beraterin in Schönheitspflege und Gymnastiklehrerin. Sie machte Hausbesuche und behandelte ihre Patienten zu deren vollster Zufriedenheit, wie ein damaliger Kunde versicherte. Dabei kam sie auf ein monatliches Einkommen von etwa 600 RM. Nach 1933 lehnten viele antisemitisch eingestellte Patienten eine weitere Behandlung durch Flora ab, wodurch sie erhebliche finanzielle Einbußen hatte.<br />
<br />
Floras Mutter Else Oppenheimer verfügte nach dem Tod ihres Mannes Gustav über ein beträchtliches Aktienpaket und erhebliches Barvermögen und besaß das Grundstück Ohlauer Straße 27. Somit ist zu vermuten, dass sie Flora über finanzielle Engpässe hinweghelfen konnte.<br />
Ihre Söhne verließen 1933 und 1935 das Land und Flora blieb allein in der Berliner Wohnung zurück.<br />
<br />
Ihre Schwester Lilly, seit 1913 verheiratet mit dem Fabrikbesitzer Martin Joachimcyk und seit 1936 verwitwet, wohnte in einer 3-Zimmer-Wohnung in der Knesebeckstraße 33 zusammen mit ihrer Mutter Else Oppenheimer.<br />
<br />
Mit dem ersten von vier Transporten wurde Flora Milchner zusammen mit ihren Nachbarn, der Familie Arndtheim, am 18. Oktober 1941 vom Berliner Bahnhof Grunewald ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. In dem Ghetto registrierte man sie als „Masseurin“ und wies sie in eine der primitiven Unterkünfte in der Alexanderhofstraße 35, später in die Rauchgasse 31, ein.<br />
Das Ghetto erwies sich in der kommenden Zeit für viele Menschen als Durchgangsstation auf dem Weg zur Ermordung in einem der Gaswagen in dem etwa 60 km entfernten Chelmno (Kulmhof).<br />
Am 8. Mai 1942 widerfuhr Flora Milchner eben dieses Schicksal. Ihr Leichnam wurde vermutlich in einem Massengrab verscharrt.<br />
<br />
Ihre Mutter Else Oppenheimer und ihre Schwester Lilly Joachimcyk wurden am 3. Oktober 1942 mit dem sogenannten 3. großen Alterstransport, der 1022 Menschen umfasste, in das böhmische Ghetto Theresienstadt deportiert. Else erlag dort am 3. März 1943 einer schweren Krebserkrankung, zusätzlich geschwächt durch die unmenschlichen Lebensbedingungen. <br />
Lilly wurde am 16. Mai 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und vermutlich gleich nach Ankunft ermordet.<br />
<br />
Floras Sohn Kurt hinterlegte für Mutter, Großmutter und Tante Gedenkblätter in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem.<br />

Flora Käthe Oppenheimer kam am 21. November 1888 in Berlin auf die Welt. Ihre Mutter war Elsbeth Rosa (Else) Oppenheimer, ihr Vater war der Fabrikbesitzer Gustav Oppenheimer. Flora hatte noch eine Schwester, Lilly Rosine. Sie wurde am 10. April 1891 geboren.Vor ihrer Eheschließung lebte Flora bei ihren Eltern in der Bayreuther Straße 41. Sie war offenbar bildungshungrig und belesen und ging regelmäßig in die Bücherei. 2018 fand man ein Buch in der Berliner Stadtbibliothek das Wörterbuch „Dictionnaire Francais-Allemand et Allemand-Francais“ von 1887, das Flora Oppenheimers Namen trug.

Am 9. April 1910 heiratete Flora Dr. med. Richard Joseph Milchner, der Oberarzt an der Charité war. Mit ihm hatte sie zwei Söhne: Am 21. Juni 1911 wurde Hans Heinz geboren und fünf Jahre später, am 5. Mai 1916, Kurt Gustav. Die Familie wohnte in einer 3-Zimmer-Wohnung in der Walter-Fischer-Straße 5, der heutigen Fechnerstraße. Die Einrichtung bestand aus wertvollen Mahagonimöbeln und Perserteppichen. Ein Bechsteinflügel gehörte ebenfalls zum Inventar.

Heinz war zwölf und Kurt gerade sieben Jahre alt, als ihr Vater 1923 verstarb. Flora ernährte sich und die Kinder als Masseurin, Atemtherapeutin, Beraterin in Schönheitspflege und Gymnastiklehrerin. Sie machte Hausbesuche und behandelte ihre Patienten zu deren vollster Zufriedenheit, wie ein damaliger Kunde versicherte. Dabei kam sie auf ein monatliches Einkommen von etwa 600 RM. Nach 1933 lehnten viele antisemitisch eingestellte Patienten eine weitere Behandlung durch Flora ab, wodurch sie erhebliche finanzielle Einbußen hatte.

Floras Mutter Else Oppenheimer verfügte nach dem Tod ihres Mannes Gustav über ein beträchtliches Aktienpaket und erhebliches Barvermögen und besaß das Grundstück Ohlauer Straße 27. Somit ist zu vermuten, dass sie Flora über finanzielle Engpässe hinweghelfen konnte.
Ihre Söhne verließen 1933 und 1935 das Land und Flora blieb allein in der Berliner Wohnung zurück.

Ihre Schwester Lilly, seit 1913 verheiratet mit dem Fabrikbesitzer Martin Joachimcyk und seit 1936 verwitwet, wohnte in einer 3-Zimmer-Wohnung in der Knesebeckstraße 33 zusammen mit ihrer Mutter Else Oppenheimer.

Mit dem ersten von vier Transporten wurde Flora Milchner zusammen mit ihren Nachbarn, der Familie Arndtheim, am 18. Oktober 1941 vom Berliner Bahnhof Grunewald ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. In dem Ghetto registrierte man sie als „Masseurin“ und wies sie in eine der primitiven Unterkünfte in der Alexanderhofstraße 35, später in die Rauchgasse 31, ein.
Das Ghetto erwies sich in der kommenden Zeit für viele Menschen als Durchgangsstation auf dem Weg zur Ermordung in einem der Gaswagen in dem etwa 60 km entfernten Chelmno (Kulmhof).
Am 8. Mai 1942 widerfuhr Flora Milchner eben dieses Schicksal. Ihr Leichnam wurde vermutlich in einem Massengrab verscharrt.

Ihre Mutter Else Oppenheimer und ihre Schwester Lilly Joachimcyk wurden am 3. Oktober 1942 mit dem sogenannten 3. großen Alterstransport, der 1022 Menschen umfasste, in das böhmische Ghetto Theresienstadt deportiert. Else erlag dort am 3. März 1943 einer schweren Krebserkrankung, zusätzlich geschwächt durch die unmenschlichen Lebensbedingungen.
Lilly wurde am 16. Mai 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und vermutlich gleich nach Ankunft ermordet.

Floras Sohn Kurt hinterlegte für Mutter, Großmutter und Tante Gedenkblätter in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem.