Franz Joseph Unger

Verlegeort
Friedbergstr. 7
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Verlegedatum
10. November 2013
Geboren
27. April 1899
Deportation
am 03. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Franz Joseph Unger © OTFW

    Franz Joseph Unger © OTFW

Franz Joseph Unger kam als jüngster Sohn von Siegmund Unger und seiner Frau Johanna, geb. Silberstein, am 27. April 1899 in Schrimm (preußische Provinz Posen) zur Welt. Nach Abschluss des Gymnasiums und der Maschinenbauschule in Bochum ließ er sich 1924 als Teilhaber eines Engros-Handels in Berlin nieder. Er heiratete Therese Felicia Rothholz, die als jüngstes Kind von Martha und Dr. Julius Rothholz am 23. März 1906 in Berlin geboren wurde. Am 26. September 1928 kam ihr einziges Kind, Heinz Joachim, zur Welt.<br />
<br />
1930 machten sich Therese und Franz Joseph Unger mit Wäschereibetrieben in Charlottenburg, Leonhardtstraße 20, und in Halensee, Johann-Georgstraße 10, selbständig. Beide Geschäfte wurden in der Reichspogromnacht 1938 völlig zerstört und konnten nicht wieder eröffnet werden. Franz Joseph Unger arbeitete danach als Verkäufer bei Karstadt in Neukölln und seine Frau im Kaufhaus des Westens.<br />
<br />
Sie wollten nach Chile oder Bolivien emigrieren und erhielten Einreisevisa. Franz Joseph Unger bezahlte den Mittelsmann mit Aktien und Devisen, die er in der für alle Juden verpflichtenden Vermögenserklärung nicht angegeben hatte. Deswegen verhaftete man ihn Anfang 1939. Das Urteil lautete: Acht Monate Gefängnis. Nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt Plötzensee am 30. September 1939 wurde er gezwungen, im Straßenbau als Schweißer zu arbeiten und seine Frau musste Zwangsarbeit in einer Fabrik leisten.<br />
<br />
Die Ausreise nach Bolivien oder Chile scheiterte, da beide Länder in der Zwischenzeit Einreisestopps für Juden erlassen hatten. Die Eltern entschlossen sich, ihren elfjährigen Sohn Heinz Joachim mit einem Kindertransport nach Holland zu schicken und zogen zu Thereses Ungers Mutter, Martha Rothholz, in die Friedbergstraße 7. Nach der Deportation von Martha Rothholz Ende 1941 wurde das Haus enteignet, die Wohnung „geräumt“ und die Ungers in die Spandauer Straße 17 (heute Spandauer Damm) eingewiesen.<br />
<br />
Am 13. Januar 1943 schrieben Franz Joseph Unger und Gertrud Aronsfeld, geb. Unger, an ihre Schwester Herta Platschek in Stockholm, dass sie täglich mit ihrer Deportation rechneten. Bei der sog. „Fabrikaktion“ am 27.2.1943, als die letzten noch in Berlin lebenden etwa 11.000 Juden – vornehmlich Zwangsarbeiter in Rüstungsbetrieben aber auch bis dahin „verschonte“ jüdische Ehepartner von „Ariern“ - in einer Großrazzia von ihren Arbeitsplätzen verschleppt wurden, war auch das Ehepaar Unger unter den Opfern.<br />
<br />
Franz Joseph Unger wurde am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ zusammen mit 1725 weiteren Menschen vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße nach Auschwitz deportiert.<br />
<br />
Seine Frau hatte dasselbe Schicksal bereits einen Tag früher erlitten.<br />
<br />
Ein letztes Lebenszeichen von Franz Joseph Unger erhielt seine Schwester Frieda Flüchter, die in Westfalen mit einem nicht-jüdischen Mann verheiratet und somit noch relativ „geschützt“ war, im April 1943 aus dem Arbeitslager Monowitz bei Auschwitz. Er schrieb, er sei aus Berlin „verzogen“, es gehe ihm gut, er sei gesund und munter und könne in seinem Beruf arbeiten.<br />
<br />
Franz Joseph Unger überlebte – wie seine Frau - das Vernichtungslager Auschwitz nicht.

Franz Joseph Unger kam als jüngster Sohn von Siegmund Unger und seiner Frau Johanna, geb. Silberstein, am 27. April 1899 in Schrimm (preußische Provinz Posen) zur Welt. Nach Abschluss des Gymnasiums und der Maschinenbauschule in Bochum ließ er sich 1924 als Teilhaber eines Engros-Handels in Berlin nieder. Er heiratete Therese Felicia Rothholz, die als jüngstes Kind von Martha und Dr. Julius Rothholz am 23. März 1906 in Berlin geboren wurde. Am 26. September 1928 kam ihr einziges Kind, Heinz Joachim, zur Welt.

1930 machten sich Therese und Franz Joseph Unger mit Wäschereibetrieben in Charlottenburg, Leonhardtstraße 20, und in Halensee, Johann-Georgstraße 10, selbständig. Beide Geschäfte wurden in der Reichspogromnacht 1938 völlig zerstört und konnten nicht wieder eröffnet werden. Franz Joseph Unger arbeitete danach als Verkäufer bei Karstadt in Neukölln und seine Frau im Kaufhaus des Westens.

Sie wollten nach Chile oder Bolivien emigrieren und erhielten Einreisevisa. Franz Joseph Unger bezahlte den Mittelsmann mit Aktien und Devisen, die er in der für alle Juden verpflichtenden Vermögenserklärung nicht angegeben hatte. Deswegen verhaftete man ihn Anfang 1939. Das Urteil lautete: Acht Monate Gefängnis. Nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt Plötzensee am 30. September 1939 wurde er gezwungen, im Straßenbau als Schweißer zu arbeiten und seine Frau musste Zwangsarbeit in einer Fabrik leisten.

Die Ausreise nach Bolivien oder Chile scheiterte, da beide Länder in der Zwischenzeit Einreisestopps für Juden erlassen hatten. Die Eltern entschlossen sich, ihren elfjährigen Sohn Heinz Joachim mit einem Kindertransport nach Holland zu schicken und zogen zu Thereses Ungers Mutter, Martha Rothholz, in die Friedbergstraße 7. Nach der Deportation von Martha Rothholz Ende 1941 wurde das Haus enteignet, die Wohnung „geräumt“ und die Ungers in die Spandauer Straße 17 (heute Spandauer Damm) eingewiesen.

Am 13. Januar 1943 schrieben Franz Joseph Unger und Gertrud Aronsfeld, geb. Unger, an ihre Schwester Herta Platschek in Stockholm, dass sie täglich mit ihrer Deportation rechneten. Bei der sog. „Fabrikaktion“ am 27.2.1943, als die letzten noch in Berlin lebenden etwa 11.000 Juden – vornehmlich Zwangsarbeiter in Rüstungsbetrieben aber auch bis dahin „verschonte“ jüdische Ehepartner von „Ariern“ - in einer Großrazzia von ihren Arbeitsplätzen verschleppt wurden, war auch das Ehepaar Unger unter den Opfern.

Franz Joseph Unger wurde am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ zusammen mit 1725 weiteren Menschen vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße nach Auschwitz deportiert.

Seine Frau hatte dasselbe Schicksal bereits einen Tag früher erlitten.

Ein letztes Lebenszeichen von Franz Joseph Unger erhielt seine Schwester Frieda Flüchter, die in Westfalen mit einem nicht-jüdischen Mann verheiratet und somit noch relativ „geschützt“ war, im April 1943 aus dem Arbeitslager Monowitz bei Auschwitz. Er schrieb, er sei aus Berlin „verzogen“, es gehe ihm gut, er sei gesund und munter und könne in seinem Beruf arbeiten.

Franz Joseph Unger überlebte – wie seine Frau - das Vernichtungslager Auschwitz nicht.