Abram Laznik

Verlegeort
Griechische Allee 13
Bezirk/Ortsteil
Oberschöneweide
Verlegedatum
26. April 2024
Geboren
26. Juli 1896 in Wilna / Vilnius
Beruf
Rauchwarenhändler
Flucht
1939 Vilnius, Litauen
Ermordet
in Vilnius, Litauen
Biografie

Abram Laznik wurde am 26. Juli 1896 als sechstes Kind der Familie Laznik in der Provinzhauptstadt des russischen Gouvernements Wilna geboren. Die Stadt war damals Zentrum belorussischen nationalen Lebens und beherbergte eine der damals größten jüdischen Gemeinden (41% der Bevölkerung).

Sein Vater, Khaim  Nakhmann Laznik (Jg. 1860), arbeitete als Kesselflicker, ein Handwerk, das in der vorindustriellen Zeit benötigte wurde, um Risse in Kochkesseln zu reparieren.

Seine Mutter Buna Liba Grinsztein (1864 - 1937) war wie ihr Ehemann, in Wilna gebürtig. Abram hatte vier Brüder und eine Schwester.

Sein beruflicher Werdegang ist nicht genau bekannt, aber in den Adressbüchern Berlins taucht Abram Laznik 1928 als Händler von Fellen und Rauchwaren in der Schmidstr.21 in Berlin-Mitte auf. Auch in den späteren Jahren scheint diese Ecke der Stadt seine bevorzugte Geschäftsgegend gewesen zu sein. 1930 ist der Händler mit seinem Unternehmen in der Neuen Grünstr.32 registriert. Das Geschäftsfeld umfasste sowohl den Handel mit gegerbten als auch mit ungegerbten Tierhäuten.

Von seiner Familie ist nur bekannt, dass seine Schwester Freida, eine Lehrerin, 1923 zusammen mit dem Vater nach Deutschland fuhr. Seine Geschwister Noakh und Meir lebten mit ihren Familien ebenfalls in Wilna.

Abram und Elfriede Schindler heirateten am 23. März 1937 in Berlin-Oberschöneweide. Trauzeugen waren Elfriedes Onkel Louis und Alfred Schindler.

Das Ehepaar lebte bei Abrams Schwiegereltern in der Griechischen Allee 13.

Ihr Sohn Ralph wurde am 27. Februar 1938 geboren.

Es ist anzunehmen, dass Abrams Geschäfte nach 1933 stark unter den zahlreichen Repressalien für Juden in Deutschland litten. Auch war er durch die politischen Veränderungen in seiner Heimat inzwischen polnischer Staatsbürger und daher von den nahenden Zeichen des Krieges gegen Polen direkt betroffen. Ob die Ausweisung polnischer Bürger im Herbst 1938 (‚Polenaktion’) ihn direkt betraf, ist nicht bekannt. Es gab aber sicherlich starke Gründe für die Lazniks Deutschland zu verlassen. Zwischen Juni 1939 und 1940 zogen sie nach Wilna(Wilno/heute: Vilnius).

Die Familie wohnte dort in der Straschunostr.10/2. Ganz in der Nähe war die größte jüdische Bibliothek Europas, genannt nach dem Gelehrten Mattityahu Strashun, untergebracht.

Infolge des Hitler-Stalin-Pakts besetzte die Sowjetunion ab September 1939 diesen Teil Polens und übergab ihn einige Zeit später an eine litauische Regierung. Aus dieser Zeit ist eine Liste Geflüchteter in Vilnius vom 1. März 1940 erhalten geblieben, in der alle drei Namen der Lazniks aufgeführt sind.

Am 15. Juni 1940 überfiel dann die Sowjetunion erneut das Nachbarland und integrierte es in seinen Staatsverband. 

Dann erreichte der Zweite Weltkrieg die Stadt. Die Deutschen besetzten Wilno am 23. Juni 1941. Die jüdische Bevölkerung wurde bis Ende Oktober 1941 in zwei Ghettos, das sog. Kleine und das Große, verteilt. Die Straschuno-/Straszuna-Straße gehörte zum Großen Ghetto mit etwa 40 000 Menschen. Während die Alten und Kranken beider Stadtbereiche innerhalb weniger Tage vor den Toren der Stadt in Ponary erschossen wurden, zog man die übrigen Juden zu Zwangsarbeiten heran. Es gab eine jüdische Selbstverwaltung, die sich bemühte das Leben der Ghettobewohner zu erhalten. Mehr als 14 000 Juden arbeiteten in Fabriken wie der Pelzfabrik Kailis, Handwerksbetrieben und Arbeitslagern für die deutsche Rüstung. Da Abram mit Leder und Pelzen sicherlich sehr erfahren war, könnte er möglicherweise dort eingesetzt worden sein. Kailis spielte damals eine große Rolle in Litauen und wurde von den deutschen Besatzern sofort übernommen.

Aufgrund der Lebensumstände, regelmäßiger Selektionen und der täglichen Gewalt schrumpfte die Zahl der Menschen stark. Im September 1943 wurde das Ghetto aufgelöst. Die meisten arbeitsfähigen Juden wurden in andere Arbeits- oder Konzentrationslager deportiert. Einige 1000 Menschen blieben zurück und wurden vor dem Eintreffen der Roten Armee im Juli 1944 ermordet.

Höchstwahrscheinlich wurde Abram Laznik wie auch seine Frau und sein Sohn in Wilna ermordet.