- Verlegeort
- Griechische Allee 13
- Bezirk/Ortsteil
- Oberschöneweide
- Verlegedatum
-
26. April 2024
- Geboren
- 18. April 1905 in Berlin
- Beruf
- Händlerin
- Flucht
- 1939 Vilnius
-
Ermordet
- in Vilnius, Litauen
Elfriede Schindler wurde am 19. April 1905 in der Ohmstr.4, Berlin-Oberschöneweide als erstes Kind von Hans Hermann und Rosalie Schindler geboren.
Ihr Vater, geboren 1874 in Orzech/Schlesien, war von Beruf Schlosser, erarbeitete sich aber über die Jahre andere Arbeitsgebiete. Insbesondere die neuentstehende Welt des Rundfunks bot Geschäfte mit Radios und gab der Familie ein ausreichendes Einkommen.
Die aus Posen stammende Mutter Rosalie geb. Wagner (Jg. 1879) war von Beruf Buchhalterin. Sicherlich übernahm sie - wie damals üblich - die gesamte Sorgearbeit. Elfriedes Bruder Fritz wurde am 13. Mai 1907 geboren. Die Kinder wohnten den größten Teil ihres Lebens mit den Eltern in der Rathausstr.46. In welche Schulen der Umgebung die Kinder gingen, ist nicht bekannt.
Tragischerweise starb Elfriedes Bruder Fritz bereits mit 12 Jahren im nahegelegenen Königin-Elisabeth-Hospital.
Elfriede wuchs wahrscheinlich in einem großen Familienverband auf. Da gab es mütterlicherseits die Tanten Amalie, Zerline und Selma, die in der Charlottenburger Waitzstr.20 in den verschiedensten Konstellationen wohnten und sich ihren Lebensunterhalt als Geschäftsfrauen verdienten. Zumindest von einer zeitweiligen Fleischhandlung in der Dahlmannstr.6 zeugen Branchenbucheinträge. Die Großmutter Blume Wagner wohnte seit 1913 bei ihren Töchtern.
Auch hatte Elfriede einige Cousins und Cousinen in Berlin sowohl von väterlicher als auch von mütterlicher Seite her.
Vater Hans kam ursprünglich aus einer Gastwirtsfamilie. Als Orzech als Folge des Ersten Weltkriegs in polnischen Besitz überging, verließ sein Bruder Alfred Schindler den Ort und siedelte nach Berlin-Oberschöneweide, Wilhelminenhofstr.35 um. Elfriedes Großvater Wilhelm Schindler zog zu Vaters Schwester Martha nach Erkner.
Die Schindler-Brüder Hans und Alfred waren im Jüdischen Adressbuch aufgelistet und vermutlich damit auch Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, ebenso Tanten und Onkel der Familie Wagner.
In der Heiratsurkunde gab Elfriede als Beruf Händlerin an.
Der Vater betrieb zehn Jahre lang eine Radiohandlung an der Wohnadresse. Möglicherweise halfen Mutter und Tochter dort aus.
Die Rathausstr. wurde 1937 in Griechische Allee umbenannt und auch die Nummerierung geändert. So wohnte Elfriede nun in der Griechischen Allee 13.
Elfriede heiratete am 23. März 1933 in Berlin-Niederschöneweide Abram Laznik (Jg.1896) aus Wilna (Vilnius), damals zu Polen gehörend. Trauzeugen waren Elfriedes Onkel Louis und Alfred Schindler.
Abram war Händler von Rauchwaren und Fellen. Darunter versteht man den Handel von sowohl gegerbten als auch ungegerbten Tierhäuten. Er war geschäftlich bereits seit Jahren in Berlin tätig. Der letzte Geschäftseintrag von 1932: Neue Grünstraße 23 am Spittelmarkt.
Ihr Sohn Ralph wurde am 27. Februar 1938 geboren. Die Familie wohnte auch in der Griechischen Allee 13.
Es ist anzunehmen, dass Abrams Geschäfte unter den zahlreichen Repressalien für Juden in Deutschland stark litten. Auch war er als polnischer Staatsbürger von den nahenden Zeichen des Krieges gegen Polen direkt betroffen. Es gab also starke Gründe für die Lazniks Deutschland zu verlassen. Zwischen Juni 1939 und 1940 zogen sie nach Wilna zurück.
Die Stadt beherbergte damals eine der größten jüdischen Gemeinden Osteuropas (53% Polen, 41% Juden, 0,2% Litauer) und war bis August 1939 Hauptstadt einer polnische Wojewodschaft.
Die Familie wohnte dort in der Straschunostr.10/2.
Infolge des Hitler-Stalin-Pakts besetzte die Sowjetunion ab September 1939 diesen Teil Polens und übergab ihn einige Zeit später an eine litauische Regierung. Aus dieser Zeit ist eine Liste Geflüchteter in Vilnius vom 1.3.1940 erhalten geblieben, in der alle drei Namen der Lazniks aufgeführt sind.
Am 15.6.1940 überfiel dann die Sowjetunion erneut das Nachbarland und integrierte es in seinen Staatsverband.
Dann erreichte der Zweite Weltkrieg die Stadt. Die Deutschen besetzten die Stadt am 23.6.1941. Die jüdische Bevölkerung wurde bis Ende Oktober 1941 in zwei Ghettos, das sog. Kleine und das Große, verteilt. Die Straschuno-/Straszuna-Straße gehörte zum Großen Ghetto mit etwa 40 000 Menschen. Während die Bewohner des Kleinen Ghettos - meist Alte und Kranke - innerhalb weniger Tage vor den Toren der Stadt erschossen wurden, zog man die übrigen Juden zu Zwangsarbeiten heran. Es gab eine jüdische Selbstverwaltung, die sich bemühte das Leben der Ghettobewohner zu erhalten. Mehr als 14 000 Juden arbeiteten in Fabriken, Handwerksbetrieben und Arbeitslagern für die deutsche Rüstung. Aufgrund der Lebensumstände und der täglichen Gewalt schrumpfte die Zahl der Menschen stark. Im September 1943 wurde das Ghetto aufgelöst. Die meisten arbeitsfähigen Juden wurden in andere Arbeits- oder Konzentrationslager deportiert. Einige 1000 blieben zurück und wurden vor dem Eintreffen der Roten Armee im Juli 1944 ermordet.
Höchstwahrscheinlich wurde Elfriede Laznik in Wilna ermordet. Als Mutter eines Kleinkindes waren ihre Überlebenschancen sehr gering.
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