- Verlegeort
- Griechische Allee 13
- Bezirk/Ortsteil
- Oberschöneweide
- Verlegedatum
-
26. April 2024
- Geboren
- 27. Februar 1938 in Berlin
- Beruf
- kein
- Flucht
- 1939 Vilnius, Litauen
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Ermordet
- in Vilnius, Litauen
Ralph Laznik wurde am 27. Februar 1938 in Berlin-Oberschöneweide als erstes Kind von Elfriede und Abram Laznik geboren.
Sein Vater Abram wurde 1896 in Wilna, dass damals zum russischen Zarenreich gehörte, in eine dort schon lange ansässige jüdische Familie geboren. Er war Händler von Rauchwaren und Fellen. Darunter versteht man den Handel von sowohl gegerbten als auch ungegerbten Tierhäuten.
Ralphs Mutter war Elfriede Wagner, geb. 1905 in Berlin. Ihre Familie war eng verbunden mit Berlin-Oberschöneweide. Der Vater war Schlosser. Später handelte er mit Radioapparaten.
Elfriede und Abram heirateten am 23. März 1933 in Berlin-Niederschöneweide.
Trauzeugen waren Elfriedes Onkels: Louis und Alfred Schindler.
Geschäftlich war Ralphs Vater, der durch den polnisch-litauischen Krieg 1920 polnischer Staatsbürger geworden war, bereits mindestens seit 1928 in Berlin tätig. Der letzte Geschäftseintrag ist von 1932: in der Neuen Grünstraße 23 am Spittelmarkt.
In der Heiratsurkunde gab Elfriede als Beruf Händlerin an. Der Großvater von Ralph, Hans Schindler betrieb zehn Jahre lang eine Radiohandlung in der Rathausstr.46. Diese Adresse war auch Wohnadresse der Schindlers. Möglicherweise unterstützte Elfriede vor ihrer Heirat ihre Familie im Geschäft.
Ralph lebte mit seinen Eltern an der gleichen Wohnadresse wie seine Großeltern. Da aber die Rathausstr. 1937 in Griechische Allee umbenannt und auch die Nummerierung geändert wurde, wohnten sie nun in der Griechischen Allee 13.
Inwiefern die jüdische Religion bei den Schindlers und Lazniks von Bedeutung war, kann nicht beurteilt werden. Die Großeltern Schindler in Oberschöneweide waren auf jeden Fall im Jüdischen Adressbuch eingetragen. Da Wilna damals eine sehr große jüdische Gemeinde hatte, deren kultureller Einfluß weit über die Stadt hinausreichte, ist anzunehmen, dass Abram in ostjüdischer Tradition aufwuchs.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Geschäfte von Ralphs Vater unter den zahlreichen Repressalien für Juden in Deutschland stark litten. Auch war er als polnischer Staatsbürger von den nahenden Zeichen des Krieges gegen Polen direkt betroffen. Es gab also starke Gründe für die Lazniks Deutschland zu verlassen. Zwischen Juni 1939 und 1940 zogen sie nach Wilna.
Die Stadt beherbergte damals eine der größten jüdischen Gemeinden Osteuropas (53% Polen, 41% Juden, 0,2% Litauer) und war bis August 1939 Hauptstadt einer polnischen Wojewodschaft.
Die Familie wohnte dort in der Straschunostr.10/2. Wahrscheinlich suchten die Lazniks Anschluß an die Familie Abrams. Die Großeltern waren damals bereits verstorben, aber die Onkels Noahk und Meir lebten dort mit ihren Familien sowie Ralphs Tante Freida.
Ralph konnte höchstwahrscheinlich bis 1941 wie ein normales Kind im Schutz seiner Großfamilie aufwachsen.
Dann änderte sich die politische Lage rasant. Infolge des Hitler-Stalin-Pakts besetzte die Sowjetunion ab September 1939 diesen Teil Polens und übergab ihn einige Zeit später an eine litauische Regierung. Aus dieser Zeit ist eine Liste Geflüchteter in Vilnius vom 1.3.1940 erhalten geblieben, in der auch Ralph neben seinen Eltern namentlich aufgeführt ist.
Der Zweite Weltkrieg erreichte schließlich auch Wilna, das heutige Vilnius. Die Deutschen besetzten die Stadt am 23.6.1941. Die jüdische Bevölkerung wurde bis Ende Oktober 1941 in zwei Ghettos, das sog. Kleine und das Große, verteilt. Die Straschuno-/Straszuna-Straße gehörte zum Großen Ghetto mit etwa 40 000 Menschen. Während die Bewohner des Kleinen Ghettos - meist Alte und Kranke - innerhalb weniger Tage vor den Toren der Stadt erschossen wurden, zog man die übrigen Juden zu Zwangsarbeiten heran. Es gab eine jüdische Selbstverwaltung, die sich darum bemühte das Leben der Ghettobewohner zu erhalten. Mehr als 14 000 Juden arbeiteten in Fabriken, Handwerksbetrieben und Arbeitslagern für die deutsche Rüstung. Aufgrund der Lebensumstände und der täglichen Gewalt schrumpfte die Zahl der Menschen stark. Im September 1943 wurde das Ghetto aufgelöst. Die meisten arbeitsfähigen Juden wurden in andere Arbeits- oder Konzentrationslager deportiert. Einige 1000 blieben zurück und wurden vor dem Eintreffen der Roten Armee im Juli 1944 ermordet.
Wie es den Lazniks mit ihrem kleinen Sohn in dieser Zeit erging, ist nicht bekannt.
Höchstwahrscheinlich wurde Ralph Laznik in Wilna ermordet. Als 5- oder 6-jähriges Kind waren seine Überlebenschancen besonders gering.
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