Bernhard Alexander

Verlegeort
Gritznerstr. 41
Historischer Name
Arndtstr. 12
Bezirk/Ortsteil
Steglitz
Verlegedatum
07. Mai 2024
Geboren
12. Juni 1904 in Berlin-Wilmersdorf
Beruf
Kraftfahrer
Zwangsarbeit
Kohlenträger (Berger & Kulp, Berliner Westhafen)
Interniert
von Mai 1941 bis bis Oktober 1941 im Arbeitserziehungslager Wuhlheide
Deportation
am 26. September 1942 nach Raasiku
Ermordet
1942 in Raasiku
Biografie

Bernhard Alexander wurde am 12. Juni 1904 in Berlin-Wilmersdorf als ältestes von fünf Kindern der jüdischen Eheleute Robert und Martha Alexander geboren. Er hatte zwei jüngere Brüder: René und Klaus, geboren 1905 und 1908, und die Zwillingsschwestern Hansi und Tana Lola, geboren 1907. Vater Robert Alexander war Kaufmann in der Lederbranche. Während Bernhards Kindheit zog die Familie häufig um: Zunächst lebten sie in Wilmersdorf an verschiedenen Adressen,  schließlich in Steglitz.

Im Jahr 1919, als Bernhard 15 Jahre alt war, konnte die Familie eine größere Wohnung im ersten Stock der Grunewaldstr. 18, anmieten. Ein Hinweis darauf, dass die finanzielle Situation der Familie sich gut entwickelt hatte.

Nach dem Schulabschluss absolvierte Bernhard eine kaufmännische Berufsausbildung. Statt jedoch in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, begann Bernhard als Taxifahrer zu arbeiten. Von 1928 bis 1940 war er bei verschiedenen Taxiunternehmen in Berlin beschäftigt. Über sein Leben in seinen Zwanzigern und Dreißigern ist wenig bekannt, nur dass er häufig seine Unterkunft wechselte und unverheiratet blieb.

Im Dezember 1938 wurde allen deutschen Jüdinnen und Juden durch die „Verordnung des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei“ das Führen von Fahrzeugen untersagt. Wie Bernhard nach dem Berufsverbot als Taxifahrer dennoch über die Runden kam, ist unbekannt. Im Mai 1939, zum Zeitpunkt der Volkszählung, war Bernhard als Untermieter in der großzügigen Gartenhauswohnung bei der Witwe Martha Gradenwitz in der Schlossstr. 28 gemeldet. In dieser Wohnung lebten außerdem vier weitere Familienangehörige von Martha Gradenwitz und vier weitere jüdische Untermieter.

Ab Juni 1940 wurde Bernhard zur Zwangsarbeit auf dem Kohlenplatz der Firma Berger & Kulp am Berliner Westhafen verpflichtet. Im Mai 1941 wurde er denunziert – dem Entschädigungsantrag seines Bruders ist zu entnehmen, dass die Anzeige gegen Bernhard auf den Arbeitgeber selbst zurückgegangen sein soll. Bernhard wurde festgenommen und direkt in das KZ-ähnliche  „Arbeitserziehungslager Wuhlheide“ gebracht.

In diesem der Gestapo unterstellten Gefangenenlager wurden Tausende von Menschen inhaftiert, die von den Nationalsozialisten aus rassischen oder politischen Gründen verfolgt wurden. Oftmals handelte es sich bei ihnen um Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die sich schon geringsten „Vergehen“ schuldig gemacht hatten.

Als Häftling musste Bernhard dort unter extrem schlechten Bedingungen lange und harte Arbeit verrichten. Ob durch diese Arbeit oder absichtliche Misshandlung – Bernhard wurde Ende 1941 mit einer massiven Beinverletzung aus dem Gefangenenlager in das Jüdische Krankenhaus im Wedding, Iranische Straße, gebracht. Dort blieb er – unter ständiger Bewachung – etwa ein Jahr lang.

Am 24. September 1942 wurde Bernhard aus seinem Krankenhausbett geholt und zur Sammelstelle für den „20. Osttransport“ gebracht. Dort musste er noch seine „Vermögenserklärung“ ausfüllen. Er bewertete sein Vermögen mit „Null“. Am 26. September fuhr der Zug, an den ein weiterer Deportationszug aus Frankfurt am Main angekoppelt war, mit insgesamt etwa 1040 Menschen vom Güterbahnhof Moabit in Richtung des estländischen Raasiku ab.

Nach der Ankunft am 31. September 1942 in Raasiku wurden nur wenige arbeitsfähige Menschen für die Zwangsarbeit im nahegelegenen Konzentrationslager Jägala selektiert. Alle anderen wurden mit Omnibussen zum nahe gelegenen Kiefernwald von Kalevi-Liiva gebracht. Sie alle wurden erschossen und in Massengräbern verscharrt. Auch Bernhard befand sich unter den Toten.

Bernhards Vater Robert starb am 24. Juni 1941 im Krankenhaus der Adass-Jisroel-Synagogen-Gemeinde in der Elsässer Straße (heute: Torstraße) in Mitte. Bernhards Mutter Martha nahm sich angesichts ihrer bevorstehenden Deportation am 24. Juli 1942 mit einer Überdosis Veronal das Leben.

Die Schwester Hansi wurde am 27. Februar 1943 bei der sogenannten „Fabrikaktion“ verhaftet und am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch sie wurde ermordet. Tana Lola, Hansis Zwillingsschwester, konnte 1943 untertauchen und überlebte mit Hilfe im Versteck.

Die Brüder Rene und Klaus hatten nichtjüdische Ehefrauen, was ihnen einen begrenzten Schutz vor der Deportation bot. Sie wurden enteignet und mussten Zwangsarbeit leisten. René von 1940-1945 und Klaus von 1943-1945. Nach dem Krieg arbeiteten beide wieder als Kraftfahrer in West-Berlin.