Martha Freundlich geb. Bernhardt

Verlegeort
Heinrich-Roller-Straße 6
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
03. Oktober 2025
Geboren
08. Juli 1886 in Straßfurt
Überlebt
Biografie

Martha  Freundlich geb. Bernhardt

Martha wurde am 8. Juli 1886 in Staßfurt geboren. Ihre Eltern waren Wilhelm Bernhardt und  Elisabeth Bernhardt, geborene Rieck. Die Familie war evangelisch.

In Staßfurt besuchte sie die Volksschule bis zu ihrem 14. Lebensjahr, danach zog sie ca. 1902 nach Berlin und ging in „Stellung“.

Am 22. Mai 1905 heiratete Martha Bernhardt den fünf Jahre älteren Kaufmann Max Freundlich.

1916 wurde in einer Urkunde als Wohnadresse die Jablonskistraße 19 genannt.

Bereits 1933 wohnte die junge Familie in der Heinrich-Roller-Str. 6, das Umzugsdatum von der Jablonskistraße 19 in die Rollerstraße 6 ist nicht bekannt.

Max und Martha bekommen neun Kinder:

- Hans Max Freundlich; Er wurde am 16. Juli 1906 geboren und starb 1971, ca. 1933 emigrierte er nach Bogota/Kolumbien. Später zog er nach Philadelphia/USA. Er hatte zwei Söhne. 

- Edith Johanna Mayer, geb. Freundlich; Sie wurde am 10. Mai 1908 geboren und wohnte mit Mann und Sohn in der Greifswalder Str. 219 - bei Moses.

Mit ihrem Mann, Alfred Mayer und dem 1935 geborenen Sohn Manfred wurde sie am 29. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert, von dort am 10. Mai 1942 in das Nebenlager von Auschwitz, Kulmhof (Chelmno). Edith, Alfred und Sohn Manfred Mayer wurden mit dem Datum 8. Mai 1945 für Tod erklärt.

- Kurt Willy Freundlich, er wurde am 19. November 1909 geboren. Er floh erst nach Shanghai und  zog später nach Philadelphia/USA.

- Johanna Bubholz, geb. Freundlich; Sie wurde am 6. Februar 1911 geboren. Sie heiratete Willi Buckenauer und bekam den Sohn Lothar. In zweiter Ehe wurde ihr Sohn Bodo geboren. Sie wohnte bis zu ihrem Tod 1959 in Berlin.

- Frieda Freundlich; Sie wurde am 12. August 1912 geboren und sie starb mit 12 Jahren 1924 durch einen Verkehrsunfall mit dem Fahrrad.

- Willi Freundlich; Er wurde am 21. Juni 1914 geboren. Anfang der 1930er Jahre emigrierte er nach Bogota/Kolumbien. Ca. 1965 kehrte er nach Deutschland zurück. Er starb ca. 1993.

- Dora Goldschmidt, geb. Freundlich; Sie wurde am 1. Juli 1915 geboren.

Ihr Sohn Wolfgang Gerhard Gustav (Isaac?) wurde am 10. Februar 1937 in Berlin geboren. Er war unehelich, sein Vater Gerhard Backs nicht jüdisch. Dora emigrierte ca. 1939 mit ihrem Sohn nach Holland. Die Hochzeit der Eltern war wegen der Nürnberger Gesetze in Deutschland nicht möglich.

Am 30. März 1939 wohnten sie Quarantine Beneden Heijplaat, Quarantainestraat 1, Rotterdam und ab 2. Mai 1939 in Achterklooster, Hoogstraat 79, Rotterdam.

1952 wurde Freddy Adolf Max Goldschmidt geboren. Sein Vater ist Isidor Goldschmidt, geboren am 11. Januar 1903. Vermutlich lebten sie nach dem Krieg in Amsterdam, wo sie ca. 1965 starb.

- Margot Else Freundlich wurde am 12. September 1916 geboren. Sie wurde nur drei Monate alt, sie starb 1916.

- Ruth Jacoby, geb. Freundlich; Sie wurde am 19. Januar 1918 geboren. Ca. 1942 kam sie in das KZ Theresienstadt, dort überlebte sie, bis sie von russischen Truppen 1945 befreit worden war. Wieder in Berlin heiratete sie am 6. Oktober 1945 Heinz Jacoby. Am 6. Juni 1946 wurde Tochter Brigitte geboren. Bis zu ihrem Tod 1988 wohnte sie in Berlin, in der Glaßbrennerstraße 7.  

Vier ihrer Kinder gelang die Emigration (Niederlande, USA, Kolumbien), eine Tochter (Edith Mayer) wurde mit Mann und Sohn deportiert und mit dem 8. Mai 1945 für Tod erklärt.

Ihr Ehemann Max Freundlich wurde durch diese Verordnung über die sogenannte „Mischehe“ nicht deportiert. Ohne die Denunziation am 28. April 1945 hätte er den Naziterror überlebt.

Aus der „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ vom 1.9.1941:

„..  Juden ist es verboten, sich öffentlich ohne gelben Stern zu zeigen.“ … „den Bereich ihrer Wohngemeinde zu verlassen ohne schriftliche Erlaubnis…“

„…das findet keine Anwendung auf den in Mischehe lebenden Ehegatten… auf die jüdische Ehefrau bei kinderloser Mischehe während der Dauer der Ehe“

Nach dem Krieg zog sie in die Ermländische Str. 24a.

Sie bekam eine monatliche Rente als VdN bzw. OdF.

Martha starb am 12. November 1964.