Abraham Rosenrauch

Verlegeort
Heinz-Bartsch-Straße 5
Historischer Name
Schneidemühler Straße
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
02. April 2025
Geboren
10. Mai 1890 in Kuczurmik (Bukowina)
Beruf
Kaufmann
Deportation
am 29. Oktober 1941 von Berlin nach Litzmannstadt / Łódź
Später deportiert
am 04. Mai 1942 von Litzmannstadt / Łódź nach Kulmhof / Chełmno
Ermordet
04. Mai 1942 in Kulmhof / Chełmno
Biografie

Abraham Rosenrauch, Kaufmann von Beruf, wurde am 10. Mai 1890 in Kuczurmik in der Bukowina, damals Kronland der Österreich-Ungarischen Monarchie, geboren. Seine Eltern waren Osias Rosenrauch, geb. in Kuczurmik und Sara Rosenrauch, geborene Rubinstein, geboren in Grzymalov bei Tarnopol, damals zu Russland gehörend, heute Ukraine. Er hatte zwei Brüder, Zallel und Markus.

Die Familie Rosenrauch zog vor 1913 nach Berlin. Erstmals 1913 finden wir im Berliner Adreßbuch den Eintrag „Osias Rosenrauch, Handelsmann“ mit der Adresse Linienstraße 244 a, H. II. Wie viele ostjüdische Familien, die in dieser Zeit nach Berlin kamen, siedelten sie sich im sogenannten Scheunenviertel an. 

Am 15. März 1921 heiratete Abraham Rosenrauch, der in der Linienstraße 244 wohnhaft war, Blime Rosenrauch, geborene Schlemowicz. Sie wohnte in der Elbinger Straße 76, heute Danziger Straße. Blime Schlemowicz war Handlungsgehilfin von Beruf. Sie wurde am 3. November 1890 in Tysmienica bei Lublin, damals zu Russland gehörend, heute Polen, geboren. 

Am 23. Februar 1924 wurde die Tochter Melanie und am 8. März 1927 wurde der Sohn Manfred in Berlin geboren. 

In den Jahren 1913 bis zu ihrer Deportation unterhielt die Familie Rosenrauch mit wechselnden Adressen eine Weiß- und Wollwarenhandlung / Strumpf- und Wollwarenhandlung. Zuerst mit Sitz in der Linienstraße 244 a, später und die meiste Zeit über war das Geschäft in der Elbinger Straße 82.1, der heutigen Danziger Straße 144. In den Jahren 1922 – 1924 führte Abraham Rosenrauch in der Dolziger Staße 18 im Erdgeschoss eine Posamentierwaren-Handlung mit schmückenden Geflechten, Zierbändern, Borden, Kordeln und Spitzen. Vermutlich lief das Geschäft nicht erfolgreich. Es wurde nicht weitergeführt. Die Strumpf- und Wollwarenhandlung wurde von verschiedenen Familienmitgliedern geführt:

1913  war der Inhaber Osias Rosenrauch, 1918 seine Ehefrau Sara Rosenrauch, 1921 war es Adolf Rosenrauch. Hinter dem Namen Adolf verbirgt sich der Name Abraham. Ab 1922 wurde die Firma mit dem Namen Abraham Rosenrauch geführt. Im Jahr 1939 war das Geschäft in der Kniprodestraße 114.  Vermutlich mussten sie aufgrund der immer stärker werdenden repressiven, antijüdischen Politik einen kleineren Laden mieten. 

Die Familie Rosenrauch wohnte von 1925 – 1927 in der Dolziger Straße 18. Im Jahr 1928 zogen sie in die Ebertystraße 53. Hier lebten sie bis 1932. 1932 zog die Familie an ihren letzten frei gewählten Wohnort, die Schneidemühler Straße 6, heute Heinz-Bartsch-Straße 5, in die Parterrewohnung rechts. Das Haus wurde 1926-1927 nach Entwürfen von Bruno Taut erbaut. Im Jahr 1937 wohnte die Familie jedoch bis zu ihrer Deportation in der Braunsberger Straße 42. Dort wohnte auch der Bruder Markus Rosenrauch. Am 29. Oktober 1941 wurde die Familie mit dem III. Transport von Berlin in das Ghetto Litzmannstadt / Lodz deportiert. Lodz war nach dem Warschauer Ghetto das größte jüdische Ghetto mit ca. 70.000 Menschen. Die Menschen mussten Zwangsarbeit leisten, meist für kriegsnotwendige Dinge wie Soldatenuniformen, Stiefel, Waffen und Munition. So vermutlich auch die Familie Rosenrauch. Viele Menschen im Ghetto hofften aus diesem Grund, überleben zu können. Am 4. Mai 1942 wurde Abraham Rosenrauch mit seiner Familie von Lodz in das Vernichtungslager Kulmhof / Chelmno deportiert und dort am gleichen Tag in Gaswagen ermordet. Kulmhof war vom Dezember 1941 bis März 1943 als Vernichtungsstätte genutzt worden und wurde im März 1943 geräumt und erst 1944, als man das Ghetto Litzmannstadt/Lodz aufgelöst hatte, wieder „in Betrieb genommen.“

Abraham Rosenrauch wurde im Alter von 52 ermordet.

Weitere Angehörige der Familie, die ermordet wurden, waren Markus und Zallel

Rosenrauch, beides Brüder von Abraham Rosenrauch.

Sara Rosenrauch starb am 3. November 1939 und Osias Rosenrauch starb am 4. Dezember 1941. Sie sind auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beerdigt. 

Das Grab von Osias Rosenrauch befindet sich im Gräberfeld B4, in der Reihe 4, ohne Grabplatte.

Das Grab von Sara Rosenrauch, geb. Rubinstein, befindet sich im Gräberfeld G7, in der Reihe 19, ohne Grabplatte.