Marta Finkelstein geb. Balschowski

Verlegeort
Hussitenstr. 6
Bezirk/Ortsteil
Gesundbrunnen
Verlegedatum
2011
Geboren
22. Dezember 1875
Deportation
am 25. Januar 1942 nach Riga
Ermordet
im Ghetto Riga
  • Stolpersteine für Max Meyer, Hermann und Marta Finkelstein
    Stolpersteine für Max Meyer, Hermann und Marta Finkelstein © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

    Stolpersteine für Max Meyer, Hermann und Marta Finkelstein © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

Marta Finkelstein wurde als Marta Balschowski am 22. Dezember 1875 im ostpreußischen Luschen (heute: Furmanowo / Russland) im Kreis Gumbinnen (Gussew) geboren. In vielen Quellen ist die Schreibweise ihres Vornamens Martha, doch ihrer Enkelin zufolge ist die Variante ohne ‚h‘ korrekt. Sie war die Tochter des jüdischen Ehepaares Johanna und Mayer Balschowski. Sie und ihr Ehemann Max (Meyer) Finkelstein betrieben einen Pferdehandel, der sich vor dem Ersten Weltkrieg in Ellernthal (Bobrowo / Russland) im Landkreis Pillkallen befand, bevor sie nach Gumbinnen umzogen.<br />
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Im Alter von 23 Jahren brachte Marta Finkelstein 1899 in Ellernthal ihren Sohn Hermann zur Welt. Auch ihre Tochter Lina wurde drei Jahre später dort geboren. Die jüngste Tochter Meta kam 1908 im ostpreußischen Birkenau (heute ein Teil der Ortschaft Kokoszewo in Polen) zur Welt. Im Ersten Weltkrieg wurde Marta Finkelsteins Mann eingezogen und war mehrere Jahre an der Front. Auch ihr noch minderjähriger Sohn meldete sich freiwillig zum Militärdienst. <br />
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Alle drei Kinder heirateten, doch Hermann ließ sich bereits ein halbes Jahr nach der Hochzeit wieder scheiden. Er blieb bei seinen Eltern wohnen und stieg Mitte der 1920er-Jahre mit in den Familienbetrieb ein. Vom Pferdehandel konnte die Familie gut leben, auch wenn es während der Weltwirtschaftskrise schwieriger wurde.<br />
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Bereits kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde Marta Finkelsteins Mann die Ausübung der Gewerbetätigkeit verboten. 1938 musste die Familie Gumbinnen verlassen und ging nach Berlin. Den Töchtern gelang die Flucht aus Deutschland. Beide ließen sich später in Los Angeles nieder, wo sie ihre Namen zu Lea (verheiratete Sosnowicz) und Miriam (verheiratete Cohn) änderten. Marta Finkelstein zog zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn in den Wedding in eine kleine Wohnung im Hofparterre der Hussitenstraße 6 (heute Gesundbrunnen). Die Lebensverhältnisse dort waren sehr schwierig, es gab keine Arbeit, kaum zu essen und aufgrund der Verfolgungsmaßnahmen trauten sich Marta und Max Finkelstein kaum, ihre Wohnung zu verlassen.<br />
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Die damals 68-jährige Marta Finkelstein wurde am 25. Januar 1942 zusammen mit ihrem Mann nach Riga deportiert und ermordet. Ihr Sohn Hermann wurde am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch er wurde ermordet.<br />
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Marta Finkelstein wurde als Marta Balschowski am 22. Dezember 1875 im ostpreußischen Luschen (heute: Furmanowo / Russland) im Kreis Gumbinnen (Gussew) geboren. In vielen Quellen ist die Schreibweise ihres Vornamens Martha, doch ihrer Enkelin zufolge ist die Variante ohne ‚h‘ korrekt. Sie war die Tochter des jüdischen Ehepaares Johanna und Mayer Balschowski. Sie und ihr Ehemann Max (Meyer) Finkelstein betrieben einen Pferdehandel, der sich vor dem Ersten Weltkrieg in Ellernthal (Bobrowo / Russland) im Landkreis Pillkallen befand, bevor sie nach Gumbinnen umzogen.

Im Alter von 23 Jahren brachte Marta Finkelstein 1899 in Ellernthal ihren Sohn Hermann zur Welt. Auch ihre Tochter Lina wurde drei Jahre später dort geboren. Die jüngste Tochter Meta kam 1908 im ostpreußischen Birkenau (heute ein Teil der Ortschaft Kokoszewo in Polen) zur Welt. Im Ersten Weltkrieg wurde Marta Finkelsteins Mann eingezogen und war mehrere Jahre an der Front. Auch ihr noch minderjähriger Sohn meldete sich freiwillig zum Militärdienst.

Alle drei Kinder heirateten, doch Hermann ließ sich bereits ein halbes Jahr nach der Hochzeit wieder scheiden. Er blieb bei seinen Eltern wohnen und stieg Mitte der 1920er-Jahre mit in den Familienbetrieb ein. Vom Pferdehandel konnte die Familie gut leben, auch wenn es während der Weltwirtschaftskrise schwieriger wurde.

Bereits kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde Marta Finkelsteins Mann die Ausübung der Gewerbetätigkeit verboten. 1938 musste die Familie Gumbinnen verlassen und ging nach Berlin. Den Töchtern gelang die Flucht aus Deutschland. Beide ließen sich später in Los Angeles nieder, wo sie ihre Namen zu Lea (verheiratete Sosnowicz) und Miriam (verheiratete Cohn) änderten. Marta Finkelstein zog zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn in den Wedding in eine kleine Wohnung im Hofparterre der Hussitenstraße 6 (heute Gesundbrunnen). Die Lebensverhältnisse dort waren sehr schwierig, es gab keine Arbeit, kaum zu essen und aufgrund der Verfolgungsmaßnahmen trauten sich Marta und Max Finkelstein kaum, ihre Wohnung zu verlassen.

Die damals 68-jährige Marta Finkelstein wurde am 25. Januar 1942 zusammen mit ihrem Mann nach Riga deportiert und ermordet. Ihr Sohn Hermann wurde am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch er wurde ermordet.