- Verlegeort
- Ilsensteinweg 18 a
- Historischer Name
- Hoensbroechstraße
- Bezirk/Ortsteil
- Schlachtensee
- Verlegedatum
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09. Februar 2025
- Geboren
- 09. Februar 1871 in Berlin
- Beruf
- Richter
- Verhaftet
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14. Dezember 1942 bis 09. Januar 1943 im Gefängnis Lehrter Straße
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Ermordet
- 09. Januar 1943 in der Strafanstalt Moabit
Franz Behrend wurde am 9. Februar 1871 in Berlin geboren. Über seine Familie und Jugend war leider nur wenig herauszufinden. Sein Vater war Jacob Friedrich Behrend (1833-1907). Er hatte zwei Brüder und zwei Schwestern: Anna Rosalie Behrend (*1869 in Berlin), Paul Martin Behrend (1872-1901), Richard Behrend (1874-1913) und Margarethe Pauline Behrend (*1880). Franz stammte aus einer Juristenfamilie, sein Vater war Reichsgerichtsrat, sein Bruder Richard Regierungsrat. Er selbst war zum Zeitpunkt seiner 1933 erzwungenen Entlassung seit zehn Jahren Landgerichtsrat beim Landgericht II in Berlin.
Seine Laufbahn als Richter begann er am 23. Juli 1891 als Referendar in Finsterwalde. Stationen seiner Tätigkeit waren u.a. Marburg, Trebbin, Crossen a.d. Oder, wo er 1908 zum Amtsrichter und 1913 zum Amtsgerichtsrat ernannt wurde. Seinen Doktorgrad hatte er schon vorher am 10.03.1892 an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin erworben.
Im Ersten Weltkrieg meldete er sich als Freiwilliger bei der kämpfenden Truppe, wurde aber aus Altersgründen abgewiesen. Von Oktober 1914 bis August 1915 war er allerdings als Kriegsgerichtsrat an der Westfront eingesetzt, bis er nach Erkrankung ausschied. Für seinen Einsatz wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
In der ursprünglich handschriftlich geführten Personalakte aus Crossen war unter Religion (Bekenntnis) nur „evangelisch“ aufgeführt. Dies wurde in einer späteren (um 1920) maschinenschriftlich erstellten Fassung abgeändert in: „evangelisch (seit 1885, vorher jüdisch)“. Für die Nazis war Franz Behrend damit ein sogenannter „Nichtarier“.
Er heiratete 1927 Martha Maria Camp (1893-1943). Die Ehe blieb kinderlos und wurde 1940 geschieden.
Ab April 1933 wurde Franz Behrend zwangsweise beurlaubt. Im Juli 1933 wurde ihm die Versetzung in den Ruhestand nach § 5 des sogenannten „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in Aussicht gestellt, die im September vollzogen wurde. Behrend wehrte sich in zahlreichen Schreiben gegen das drohende Berufsverbot und betonte – erfolglos – seine deutsch-nationale, christlich-evangelische Einstellung.
Seit 1935 lebte er mit seiner Ehefrau in einem neu erbauten Haus in Berlin-Schlachtensee, Ilsensteinweg 18a (damals Hoensbroechstraße). Er blieb zunächst von den Deportationen verschont, vermutlich weil er als ehemaliger Kriegsgerichtsrat im Ersten Weltkrieg einen gewissen Schutz genoss. Auch mag seine erst 1940 geschiedene „Mischehe“ Einfluss auf den vorläufigen Aufschub der Verschleppung „nach Osten“ gehabt haben. Nach den Erinnerungen einer Zeitzeugin wurde Franz Behrend am 14.12.1942 von der Gestapo festgenommen, weil er den „Judenstern“ an seiner Kleidung verdeckt haben soll. Er wurde in die Strafanstalt (Zellengefängnis) Moabit, Invalidenstraße 54 (Lehrter Straße 1-5) eingeliefert und kam dort am 9.1.1943 zu Tode. Auf dem amtlichen Totenschein wird als Todesursache vermerkt: Herzleiden, Herzmuskelschwäche.
Seine Schwester Anna Rosalie heiratete den Rittergutsbesitzer Georg Jacob Josephy, und lebte seit 1905 in Jena in der Sedanstraße 4 (heute Ebertstraße) mit ihrer Familie. Ihr Sohn Berthold studierte in Jena Landwirtschaftswissenschaften. 1929 erhielt er eine außerordentliche Professur für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Auch er wurde im April 1933 auf der Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ beurlaubt. Um seiner Entlassung zuvorzukommen, kündigte er sein Arbeitsverhältnis und emigrierte 1934 nach Schweden.
Das Wohnhaus der Josephys wurde von den Nazis als ein Zwangshaus in Jena missbraucht. Anna Rosalie Josephy und ihre beiden Kinder Elisabeth und Hedwig wurden von dort 1943 nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Vor ihrem Haus wurden 2008 drei Stolpersteine für sie verlegt.
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