Erich Michelsen

Verlegeort
Jenaer Str. 19
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
05. Oktober 2021
Geboren
13. Juni 1879
Beruf
Jurist im Auswärtigen Amt
Flucht
1939 China
Inhaftiert (t.b.d.)
1938 in KZ Sachsenhausen
Überlebt
  • Stolperstein Erich Michelsen - Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
    Stolperstein Erich Michelsen - Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

    Stolperstein Erich Michelsen - Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Erich Enoch Michelsen wurde am 13. Juni 1879 als jüngster Sohn des Apothekers Oskar Michelsen und seiner Frau Rosalie geb. Baschwitz in Danzig geboren, legte dort das Abitur ab und studierte zwischen 1897 und 1901 Jura an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Zugleich belegte er Türkisch am dortigen Seminar für Orientalische Sprachen und wechselte 1898 in die Chinesische Abteilung. Nach der ersten juristischen Staatsprüfung und dem Diplom für Chinesisch arbeitete er von 1901 bis 1914 für das Reichsmarineamt in Kiautschou als Dolmetscher und Amtmann.<br />
<br />
Im Jahre 1907 heiratet Erich Michelsen Katharina (lt. Geburtsurkunde Catharina) Baschwitz, sie war ebenfalls jüdischer Herkunft. Beide konvertierten zum Christentum. Katharina Baschwitz war am 10. Februar 1881 in Berlin geboren worden. Ihre Eltern waren der Kaufmann Hermann Baschwitz und Magdalena Baschwitz geb. Sucrow.<br />
<br />
1908 kam in Tsingtao der Sohn Niklas auf die Welt. Er starb 1924 im Alter von 16 Jahren in der Berliner Wohnung der Familie an Diabetes.<br />
<br />
Ab 1910 unterrichtete Erich Michelsen neben seiner Tätigkeit für das Reichsmarineamt an der Deutsch-chinesischen Hochschule in Tsingtao die Fächer Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft und Staatsrecht und arbeitete daneben als Fachübersetzer.<br />
<br />
1919 kehrten die Michelsens nach Deutschland zurück und Erich begann seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt – zunächst in Berlin, dann von 1920 bis 1925 an der Gesandtschaft in Tokio. Dort war er zuständig für die Abwicklung der Angelegenheiten der ehemals deutschen Kolonie Kiautschou. <br />
<br />
Ab 1926 war Erich Michelsen wieder im Auswärtigen Amt in Berlin tätig, er wurde 1932 Leiter der Unterabteilung Ostasien und 1933 Stellvertretender Leiter der Abteilung 4, zu der auch China gehörte.<br />
<br />
Im September 1933 erfolgte seine Ernennung zum Generalkonsul in Shanghai. die aber aufgrund des Widerstandes von NSDAP und SS nicht realisiert wurde. Stattdessen wurde Erich Michelsen im Januar 1934 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er arbeitete in den folgenden Jahren für das Chinageschäft der Firma Otto Wolff in Köln. In dieser Zeit lebte er mit seiner Frau in der Jenaer Straße 19 in Wilmersdorf.<br />
<br />
Während der Novemberpogrome 1938 wurde er ins KZ Sachsenhausen verschleppt und nach mehrwöchiger Inhaftierung nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes entlassen.<br />
Er konnte mit seiner Frau nach China entkommen. Nach kurzer Zeit in der nationalchinesischen Hauptstadt Chongqing übersiedelten sie nach Kunming. Dort überlebte das Ehepaar Michelsen unter prekären Umständen: Während der zahllosen japanischen Bombenangriffe lebten sie längere Zeit außerhalb der Stadt in einem kleinen Bergdorf, was für die herzkranke Katharina Michelsen eine gesundheitliche Herausforderung darstellte. <br />
<br />
Erich Michelsen überlebte die Kriegszeit, starb aber im März 1948 nach einer Darmkrebsoperation. Seine Witwe hielt sich mit privaten Deutsch- und Englischstunden über Wasser. 1949 gelang es ihr, nach Deutschland zurückzukehren, wo in Berlin noch zwei unverheiratete Schwestern leben. Sie wurde als politisch und rassisch Verfolgte anerkannt und erhielt – nach langwierigen Antragsstellungen – finanzielle Entschädigung. Auch ihr Mann wurde vom Auswärtigen Amt vollständig rehabilitiert. <br />
<br />
Katharina Michelsen starb im Juni 1966 in einem Seniorenheim in Berlin-Zehlendorf. Der letzte Bescheid über die Zuerkennung von Entschädigung wegen Hausrats wurde im Dezember 1967, eineinhalb Jahre nach ihrem Tod, an sie versandt.

Erich Enoch Michelsen wurde am 13. Juni 1879 als jüngster Sohn des Apothekers Oskar Michelsen und seiner Frau Rosalie geb. Baschwitz in Danzig geboren, legte dort das Abitur ab und studierte zwischen 1897 und 1901 Jura an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Zugleich belegte er Türkisch am dortigen Seminar für Orientalische Sprachen und wechselte 1898 in die Chinesische Abteilung. Nach der ersten juristischen Staatsprüfung und dem Diplom für Chinesisch arbeitete er von 1901 bis 1914 für das Reichsmarineamt in Kiautschou als Dolmetscher und Amtmann.

Im Jahre 1907 heiratet Erich Michelsen Katharina (lt. Geburtsurkunde Catharina) Baschwitz, sie war ebenfalls jüdischer Herkunft. Beide konvertierten zum Christentum. Katharina Baschwitz war am 10. Februar 1881 in Berlin geboren worden. Ihre Eltern waren der Kaufmann Hermann Baschwitz und Magdalena Baschwitz geb. Sucrow.

1908 kam in Tsingtao der Sohn Niklas auf die Welt. Er starb 1924 im Alter von 16 Jahren in der Berliner Wohnung der Familie an Diabetes.

Ab 1910 unterrichtete Erich Michelsen neben seiner Tätigkeit für das Reichsmarineamt an der Deutsch-chinesischen Hochschule in Tsingtao die Fächer Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft und Staatsrecht und arbeitete daneben als Fachübersetzer.

1919 kehrten die Michelsens nach Deutschland zurück und Erich begann seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt – zunächst in Berlin, dann von 1920 bis 1925 an der Gesandtschaft in Tokio. Dort war er zuständig für die Abwicklung der Angelegenheiten der ehemals deutschen Kolonie Kiautschou.

Ab 1926 war Erich Michelsen wieder im Auswärtigen Amt in Berlin tätig, er wurde 1932 Leiter der Unterabteilung Ostasien und 1933 Stellvertretender Leiter der Abteilung 4, zu der auch China gehörte.

Im September 1933 erfolgte seine Ernennung zum Generalkonsul in Shanghai. die aber aufgrund des Widerstandes von NSDAP und SS nicht realisiert wurde. Stattdessen wurde Erich Michelsen im Januar 1934 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er arbeitete in den folgenden Jahren für das Chinageschäft der Firma Otto Wolff in Köln. In dieser Zeit lebte er mit seiner Frau in der Jenaer Straße 19 in Wilmersdorf.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde er ins KZ Sachsenhausen verschleppt und nach mehrwöchiger Inhaftierung nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes entlassen.
Er konnte mit seiner Frau nach China entkommen. Nach kurzer Zeit in der nationalchinesischen Hauptstadt Chongqing übersiedelten sie nach Kunming. Dort überlebte das Ehepaar Michelsen unter prekären Umständen: Während der zahllosen japanischen Bombenangriffe lebten sie längere Zeit außerhalb der Stadt in einem kleinen Bergdorf, was für die herzkranke Katharina Michelsen eine gesundheitliche Herausforderung darstellte.

Erich Michelsen überlebte die Kriegszeit, starb aber im März 1948 nach einer Darmkrebsoperation. Seine Witwe hielt sich mit privaten Deutsch- und Englischstunden über Wasser. 1949 gelang es ihr, nach Deutschland zurückzukehren, wo in Berlin noch zwei unverheiratete Schwestern leben. Sie wurde als politisch und rassisch Verfolgte anerkannt und erhielt – nach langwierigen Antragsstellungen – finanzielle Entschädigung. Auch ihr Mann wurde vom Auswärtigen Amt vollständig rehabilitiert.

Katharina Michelsen starb im Juni 1966 in einem Seniorenheim in Berlin-Zehlendorf. Der letzte Bescheid über die Zuerkennung von Entschädigung wegen Hausrats wurde im Dezember 1967, eineinhalb Jahre nach ihrem Tod, an sie versandt.