Berthold Ascher

Verlegeort
Johanniterstr. 3
Historischer Name
Planufer 26
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
19. November 2008
Geboren
12. Februar 1906
Deportation
am 02. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Berthold Ascher © OTFW

    Berthold Ascher © OTFW

Berthold Ascher wurde am 12. Februar 1906 in Berlin geboren. Er war der Sohn des aus Bromberg (Bydgoszcz) stammenden Handlungsreisenden und Kaufmanns Julius Ascher und der gebürtigen Potsdamerin Emma Ascher, geborene Joachim. Seine Eltern hatten 1890 in Berlin geheiratet. Berthold wuchs im Kreis von zwei Geschwistern auf: Seine älteren Brüder Eduard und Fritz Ascher waren 1892 und 1897 in Berlin zur Welt gekommen. Zum Zeitpunkt der Geburt von Berthold lebte die Familie in einer Wohnung in der Kreuzbergstraße 12. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Berthold Ascher und seinen Brüdern haben sich keine Informationen erhalten. Seine Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jüdischen Gemeinde Berlins.<br />
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Nach seinem Schulabschluss war Berthold wie sein Bruder Fritz als kaufmännischer Angestellter tätig. Der älteste Bruder Eduard Ascher hatte studiert und arbeitete als Ingenieur in Berlin. Alle drei Brüder teilten sich eine gemeinsame Wohnung in der Lichterfelder Straße 4 (heute Methfesselstraße 10) in Kreuzberg. Nachdem Fritz Ascher 1929 geheiratet hatte, zog seine Ehefrau, die gebürtige Dortmunderin Charlotte Anna Louisa Kühn, ebenfalls mit in die Wohnung ein.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Berthold Ascher und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Am 27. Dezember 1935 heiratete Berthold die zwei Jahre ältere, aus Neumark in Westpreußen (dem heutigen Nowe Miasto Lubawskie) stammende Lilli Weinberg. Die als Heimarbeiterin tätige Lilli war die Tochter des Kaufmanns Lesser Weinberg und der Martha Weinberg, geborene Littmann, und lebte mit ihrem Bruder, dem Rechtsanwalt Herbert Weinberg in einer gemeinsamen Wohnung am Planufer 26 (der heutigen Johanniterstraße 3) in Kreuzberg. Ihre Eltern hatten in Zossen ein Textilgeschäft geführt, waren aber im Mai 1933 ebenfalls nach Berlin gezogen und lebten seitdem zur Untermiete bei ihrem Sohn Herbert. Nach der Hochzeit zog auch Berthold Ascher in die Wohnung am Planufer.<br />
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Nicht lange nach den Pogromen im Mai und November 1938 mussten sowohl Berthold als auch seine Ehefrau Zwangsarbeit leisten – zuletzt gemeinsam in der Berliner „Iris Type GmbH“. In der Spezialfabrik mit Standorten in der Grünauer Straße und am Kottbusser Ufer 41 in Kreuzberg wurden Schreib- und Rechenmaschinenteile hergestellt. Mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ konnten sich Berthold und Lilli Ascher sowie ihre Angehörigen nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Im Spätsommer 1942 erhielten zunächst Bertholds Schwiegereltern den Deportationsbescheid. Sie wurden am 24. September 1942 mit dem „66. Alterstransport“ aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Lesser Weinberg überlebte die katastrophalen Zustände im Ghetto nur wenige Wochen; Martha Weinberg lebte noch fast zwei Jahre, bevor sie am 16. August 1944 den unmenschlichen Bedingungen im Lager zum Opfer fiel. Der 36-jährige Berthold Ascher wurde Ende Februar 1943 mit seiner Ehefrau im Rahmen der sogenannten Fabrik-Aktion, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, verhaftet und in das Sammellager im Tattersall der Rathenower Kaserne in der Feldzeugmeisterstraße in Moabit verschleppt. Von dort wurden sie gemeinsam am 2. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Im gleichen Transport befand sich auch Bertholds Bruder Eduard. Zumindest Berthold Ascher wurde nicht unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz ermordet, sondern mit der Häftlingsnummer 105179 ins Stammlager selektiert. Sein Name findet sich auf einer Liste zum „Häftlingskrankenbau“, wo er am 5. April 1943 erfasst wurde. In regelmäßigen Abständen führte die SS in den Krankenblocks „Selektionen“ durch, bei denen sie Häftlinge für den Tod bestimmte. Die Betroffenen wurden entweder in den Gaskammern oder mit einer Giftinjektion ermordet. Ob auch Lilli Ascher in das Stammlager selektiert wurde, ist nicht bekannt. Weder sie noch ihr Ehemann oder Eduard Ascher gehörten zu den wenigen Überlebenden von Auschwitz. Genauso wenig wie Bertholds Schwager Herbert, der am 3. März 1943, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Aus Bertholds Familie überlebte einzig sein Bruder Fritz Ascher – der nach NS-Terminologie eine „Mischehe“ führte – die Verfolgung.

Berthold Ascher wurde am 12. Februar 1906 in Berlin geboren. Er war der Sohn des aus Bromberg (Bydgoszcz) stammenden Handlungsreisenden und Kaufmanns Julius Ascher und der gebürtigen Potsdamerin Emma Ascher, geborene Joachim. Seine Eltern hatten 1890 in Berlin geheiratet. Berthold wuchs im Kreis von zwei Geschwistern auf: Seine älteren Brüder Eduard und Fritz Ascher waren 1892 und 1897 in Berlin zur Welt gekommen. Zum Zeitpunkt der Geburt von Berthold lebte die Familie in einer Wohnung in der Kreuzbergstraße 12. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Berthold Ascher und seinen Brüdern haben sich keine Informationen erhalten. Seine Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jüdischen Gemeinde Berlins.

Nach seinem Schulabschluss war Berthold wie sein Bruder Fritz als kaufmännischer Angestellter tätig. Der älteste Bruder Eduard Ascher hatte studiert und arbeitete als Ingenieur in Berlin. Alle drei Brüder teilten sich eine gemeinsame Wohnung in der Lichterfelder Straße 4 (heute Methfesselstraße 10) in Kreuzberg. Nachdem Fritz Ascher 1929 geheiratet hatte, zog seine Ehefrau, die gebürtige Dortmunderin Charlotte Anna Louisa Kühn, ebenfalls mit in die Wohnung ein.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Berthold Ascher und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Am 27. Dezember 1935 heiratete Berthold die zwei Jahre ältere, aus Neumark in Westpreußen (dem heutigen Nowe Miasto Lubawskie) stammende Lilli Weinberg. Die als Heimarbeiterin tätige Lilli war die Tochter des Kaufmanns Lesser Weinberg und der Martha Weinberg, geborene Littmann, und lebte mit ihrem Bruder, dem Rechtsanwalt Herbert Weinberg in einer gemeinsamen Wohnung am Planufer 26 (der heutigen Johanniterstraße 3) in Kreuzberg. Ihre Eltern hatten in Zossen ein Textilgeschäft geführt, waren aber im Mai 1933 ebenfalls nach Berlin gezogen und lebten seitdem zur Untermiete bei ihrem Sohn Herbert. Nach der Hochzeit zog auch Berthold Ascher in die Wohnung am Planufer.

Nicht lange nach den Pogromen im Mai und November 1938 mussten sowohl Berthold als auch seine Ehefrau Zwangsarbeit leisten – zuletzt gemeinsam in der Berliner „Iris Type GmbH“. In der Spezialfabrik mit Standorten in der Grünauer Straße und am Kottbusser Ufer 41 in Kreuzberg wurden Schreib- und Rechenmaschinenteile hergestellt. Mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ konnten sich Berthold und Lilli Ascher sowie ihre Angehörigen nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Im Spätsommer 1942 erhielten zunächst Bertholds Schwiegereltern den Deportationsbescheid. Sie wurden am 24. September 1942 mit dem „66. Alterstransport“ aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Lesser Weinberg überlebte die katastrophalen Zustände im Ghetto nur wenige Wochen; Martha Weinberg lebte noch fast zwei Jahre, bevor sie am 16. August 1944 den unmenschlichen Bedingungen im Lager zum Opfer fiel. Der 36-jährige Berthold Ascher wurde Ende Februar 1943 mit seiner Ehefrau im Rahmen der sogenannten Fabrik-Aktion, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, verhaftet und in das Sammellager im Tattersall der Rathenower Kaserne in der Feldzeugmeisterstraße in Moabit verschleppt. Von dort wurden sie gemeinsam am 2. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Im gleichen Transport befand sich auch Bertholds Bruder Eduard. Zumindest Berthold Ascher wurde nicht unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz ermordet, sondern mit der Häftlingsnummer 105179 ins Stammlager selektiert. Sein Name findet sich auf einer Liste zum „Häftlingskrankenbau“, wo er am 5. April 1943 erfasst wurde. In regelmäßigen Abständen führte die SS in den Krankenblocks „Selektionen“ durch, bei denen sie Häftlinge für den Tod bestimmte. Die Betroffenen wurden entweder in den Gaskammern oder mit einer Giftinjektion ermordet. Ob auch Lilli Ascher in das Stammlager selektiert wurde, ist nicht bekannt. Weder sie noch ihr Ehemann oder Eduard Ascher gehörten zu den wenigen Überlebenden von Auschwitz. Genauso wenig wie Bertholds Schwager Herbert, der am 3. März 1943, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Aus Bertholds Familie überlebte einzig sein Bruder Fritz Ascher – der nach NS-Terminologie eine „Mischehe“ führte – die Verfolgung.