- Verlegeort
- Kantstraße 59
- Bezirk/Ortsteil
- Charlottenburg
- Verlegedatum
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27. März 2015
- Geboren
- 05. Oktober 1887 in Woldenberg (Brandenburg) / Dobiegniew
- Deportation
- am 18. Oktober 1941 nach Łódź / Litzmannstadt
- Später deportiert
- am 08. Mai 1942 nach Chełmno / Kulmhof
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Ermordet
- 1942 in Chełmno / Kulmhof
Martha Jacobi wurde am 5. Oktober 1887 in Woldenberg/Neumark im preußischen Kreis Friedeberg in der Provinz Brandenburg (Powiat Strzelecko-Drezdenecki, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Otto Jacobi und dessen Ehefrau Clara Jacobi geborene Blumenfeld, war sie das zweite Kind von insgesamt vier Kindern. Katharina (*1885), genannt Käthe, war ihre zwei Jahre ältere Schwester. Margarethe (*1887) war zwei Jahre und Louis (*1895) zehn Jahre jünger als Käthe. Die jüngeren Geschwister kamen in Beeskow zur Welt. Wann die Familie nach Berlin zog, ist nicht bekannt.
Marthas Neffe Harry Jacobi (früher Heinz Martin Hirschberg), Sohn ihrer Schwester Margarethe, erzählte 1998 in einem Interview der USC Shoa Foundation, dass Martha behindert war und deshalb nicht arbeiten konnte. Sie blieb ledig und lebte bis zu ihrem 53. Lebensjahr bei ihren Eltern in einer 103 qm großen Wohnung in der 3. Etage der Kantstraße 59 in Berlin-Charlottenburg.
Als ihre Eltern im März 1939 in die Niederlande zu ihrem jüngsten Sohn Louis, Marthas Bruder, flüchteten, zog sie zusammen mit ihrer jüngeren geschiedenen Schwester Margarethe zu ihrer ältesten Schwester Käthe, die zusammen mit ihrem Ehemann Leo in einer 2 ½ Zimmer-Wohnung in der Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt (heute Berlin-Friedrichshain) wohnte. Hier war sie am 17. Mai 1939 bei der „Minderheiten-Volkszählung“ gemeldet. Ihre Schwester Margarethe zog am 1. Juli 1940 als Hausangestellte nach Berlin-Wilmersdorf. Martha blieb bei Käthe in der Boxhagener Straße 28.
Am 16. Oktober 1941 erhielten Martha, ihre Schwester Käthe und ihr Schwager Leo Salomon einen der ersten Deportationsbefehle aus Berlin. In der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 hatten sie sich im Sammellager einzufinden. Dort wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.
Zwei Tage später, am 18. Oktober, ging es zu Fuß in strömenden Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für alle sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug insgesamt 1.251 Personen in den Osten transportierte. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann, in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Hier wurden Martha, Käthe und Leo einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie den Winter und das Frühjahr 1942.
Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielten auch Martha, Käthe und Leo einen „Ausreisebefehl“ für den 8. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurden sie in einem Gaswagen ermordet. Martha Jacobi musste aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien mit 56 Jahren sterben.
Ihre Schwester Käthe starb mit 58 und ihr Schwager Leo Salomon mit 66 Jahren. An sie erinnern Stolpersteine in der Boxhagener Straße 28 in Berlin-Friedrichshain.
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