Majer Trattner wurde am 6. Januar 1892 in Wapowic (heute Wapowce in Polen) geboren.
Über seine Eltern und eventuelle Geschwister wissen wir leider nichts. Auch wann er nach Berlin kam, ist nicht bekannt.
Der Kaufmann Majer heiratete am 26. Oktober 1921 in Berlin-Prenzlauer Berg die 1899 in Jaskowicz, Galizien geborene Keila Katz. Sie war die zweite Tochter des Schneiders Juda Leib Katz, der um 1900 mit seiner Familie nach Berlin gezogen war.
Zum Zeitpunkt der Eheschließung wohnte Majer in der Kastanienallee 66 und Keila bei ihrer verwitweten Mutter in derselben Straße, Hausnummer 73. Das Paar bekam in den Folgejahren zwei Kinder: 1926 den Sohn Leo und 1927 die Tochter Margot.
Ab 1933 firmierte die Firma „Katz & Trattner“-Möbelhandlung in der Kastanienallee 74. Die Schwiegermutter Helene/Laja Katz hatte ihr Geschäft, das sie seit 1918 in der Kastanienallee 73 betrieb, mit dem Schwiegersohn zusammengelegt und war ins Nebenhaus gezogen. Vermutlich wohnten auch Majer, Keila und die Kinder bei ihr, denn Majer Trattner taucht in den Berliner Adressbüchern nie als selbstständiger Haushaltsvorstand auf.
Im Zuge der antisemitischen Maßnahmen in Deutschland musste das Familienunternehmen Katz/Trattner 1938 schließen.
Da Majer Trattner polnischer Staatsbürger war, wurde er vermutlich im Herbst 1938 im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ aus Deutschland ausgewiesen. In der im Mai 1939 in Deutschland durchgeführten Volkszählung wurden Keila und die Kinder Leo und Margot noch unter der Anschrift Kastanienallee 74 erfasst. Keila Trattner war also mit den Kindern bei der Mutter geblieben.
Nachdem vor allem männliche Personen im Oktober/November 1938 von den deutschen Behörden verhaftet und in der Folge nach Polen abgeschoben wurden, stellte Deutschland die Ausweisungen nach polnischen Protesten wieder ein. Im Januar 1939 schlossen beide Länder eine Vereinbarung, die es rund 6000 Angehörigen der Abgeschobenen ermöglichte, diesen nachzufolgen. Im Juni 1939 wurden beide Kinder von der Schule abgemeldet, mit dem Vermerk: Abmeldung nach Polen. Die in Berlin verbliebene Familie folgte dem Vater damit im Sommer 1939 nach Polen.
Nach Angaben von Majers Schwägerin Mincza Neutuch hatte die Familie Trattner im polnischen Przemyśl ihren letzten Wohnsitz.
Man muss davon ausgehen, dass die Trattners nach dem deutschen Überfall auf Polen ab 1940 in einem der von den Besatzern eingerichteten jüdischen Ghettos interniert wurden und dort unter den menschenunwürdigen Lebensumständen umkamen oder ermordet wurden.
Majers Schwägerin Mincza und ihr Bruder Abraham haben den Holocaust überlebt.
Sie stellten 1959 aus Israel Wiedergutmachungsanträge bei den westdeutschen Behörden und versuchten, über das Internationale Rote Kreuz etwas über das Schicksal ihrer Schwester Keila und deren Familie zu ermitteln.
1977 beschied das ITS Arolsen Ihnen abschließend, dass das Schicksal der Trattners nicht geklärt werden konnte.
Für Majer, Keila, Leo und Margot Trattner wurden in der Kastanienallee 74 auf Initiative des Eigentümers Stolpersteine verlegt.
Helene/Laja und ihre Tochter, Majers Schwägerin Frieda Katz wurden am 15. August 1942 mit dem „18. Osttransport“ nach Riga deportiert und am 18. August 1942 in den Wäldern von Rumbula, einem Stadtteil Rigas, in einer Massenerschießung ermordet.
Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.