Antonie Plattring geb. Sommer

Verlegeort
Kirchstr. 84
Bezirk/Ortsteil
Marienfelde
Verlegedatum
25. November 2011
Geboren
05. September 1883
Deportation
am 13. Januar 1942 nach Riga
Ermordet
in Riga
  • Stolperstein für Antonie Plattring. Copyright: MTS
    Stolperstein für Antonie Plattring. Copyright: MTS

    Stolperstein für Antonie Plattring. Copyright: MTS

Antonie Sommer, genannt Toni, wurde am 5. September 1883 in Czernowitz (heute: Tscherniwzi/Ukraine), der Hauptstadt der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Bukowina geboren. Vor der Jahrhundertwende zog sie mit ihrem Mann, dem Kaufmann Naftalin Plattring, den sie in Österreich kennengelernt hatte, auf die philippinische Insel Cebu. Dort wollte er sich eine Existenz als Perlenhändler aufbauen. Auf Cebu kamen ihre fünf Kinder zur Welt: 1902 und 1904 die Söhne Friedrich und Adolf, 1911, 1913 und 1915 die Töchter Fanny, Flora und Jeanette.<br />
<br />
Um 1922 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und wohnte in Berlin-Tempelhof im Ortsteil Marienfelde. Dort erwarb Naftalin Plattring 1925 das Grundstück Kirchstraße 85, zwei Jahre später baute er auf dem gegenüberliegenden Grundstück Kirchstraße 84 ein Haus. Außerdem besaßen Plattrings ein Grundstück in Schöneiche bei Berlin.<br />
<br />
Naftalin Plattring gründete 1922 zusammen mit seinem Geschäftspartner Rudolf Stern eine Fabrik zur Herstellung von Flaschenverschlüssen, die er jedoch 1936 zwangsweise verkaufen musste. Zwischen 1936 und 1939 konnten ihre fünf Kinder nach Übersee auswandern. Um sich selbst eine neue Existenz im Ausland aufzubauen, fühlten Antonie und Naftalin Plattring sich wohl zu alt.<br />
<br />
1938 musste das Ehepaar das Haus in der Kirchstraße 84 an den Fabrikanten Wilhelm Brösel verkaufen, der auch das gegenüberliegende Haus erwarb. Das Grundstück in Schöneiche mussten sie ebenfalls veräußern. Im Dezember 1940 waren sie gezwungen, das Haus in der Kirchstraße 84, in dem sie nun zur Miete wohnten, für den Handelsvertreter Otto Ebert zu räumen. Sie lebten dann zur Untermiete in einem Zimmer in der Charlottenburger Uhlandstraße 182.<br />
<br />
Am 20. Dezember 1941 erhielten Plattrings, zusammen mit ihrer Vermieterin Ella Rosenbaum, den Befehl zur Deportation. Wie aus der Vermögenserklärung, die vor der Verschleppung ausgefüllt werden musste, hervorgeht, besaß Antonie Plattring damals lediglich noch 1 Tischdecke, 2 Servietten, 2 Handtücher, 2 Paar Strümpfe und 2 Garnituren Damenwäsche. Mit dem 8. Transport vom 13. Januar 1942 wurden Antonie Plattring und ihr Mann, zusammen mit 1.032 Menschen, ins Ghetto Riga überführt. Es gibt kein weiteres Lebenszeichen von ihnen.

Antonie Sommer, genannt Toni, wurde am 5. September 1883 in Czernowitz (heute: Tscherniwzi/Ukraine), der Hauptstadt der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Bukowina geboren. Vor der Jahrhundertwende zog sie mit ihrem Mann, dem Kaufmann Naftalin Plattring, den sie in Österreich kennengelernt hatte, auf die philippinische Insel Cebu. Dort wollte er sich eine Existenz als Perlenhändler aufbauen. Auf Cebu kamen ihre fünf Kinder zur Welt: 1902 und 1904 die Söhne Friedrich und Adolf, 1911, 1913 und 1915 die Töchter Fanny, Flora und Jeanette.

Um 1922 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und wohnte in Berlin-Tempelhof im Ortsteil Marienfelde. Dort erwarb Naftalin Plattring 1925 das Grundstück Kirchstraße 85, zwei Jahre später baute er auf dem gegenüberliegenden Grundstück Kirchstraße 84 ein Haus. Außerdem besaßen Plattrings ein Grundstück in Schöneiche bei Berlin.

Naftalin Plattring gründete 1922 zusammen mit seinem Geschäftspartner Rudolf Stern eine Fabrik zur Herstellung von Flaschenverschlüssen, die er jedoch 1936 zwangsweise verkaufen musste. Zwischen 1936 und 1939 konnten ihre fünf Kinder nach Übersee auswandern. Um sich selbst eine neue Existenz im Ausland aufzubauen, fühlten Antonie und Naftalin Plattring sich wohl zu alt.

1938 musste das Ehepaar das Haus in der Kirchstraße 84 an den Fabrikanten Wilhelm Brösel verkaufen, der auch das gegenüberliegende Haus erwarb. Das Grundstück in Schöneiche mussten sie ebenfalls veräußern. Im Dezember 1940 waren sie gezwungen, das Haus in der Kirchstraße 84, in dem sie nun zur Miete wohnten, für den Handelsvertreter Otto Ebert zu räumen. Sie lebten dann zur Untermiete in einem Zimmer in der Charlottenburger Uhlandstraße 182.

Am 20. Dezember 1941 erhielten Plattrings, zusammen mit ihrer Vermieterin Ella Rosenbaum, den Befehl zur Deportation. Wie aus der Vermögenserklärung, die vor der Verschleppung ausgefüllt werden musste, hervorgeht, besaß Antonie Plattring damals lediglich noch 1 Tischdecke, 2 Servietten, 2 Handtücher, 2 Paar Strümpfe und 2 Garnituren Damenwäsche. Mit dem 8. Transport vom 13. Januar 1942 wurden Antonie Plattring und ihr Mann, zusammen mit 1.032 Menschen, ins Ghetto Riga überführt. Es gibt kein weiteres Lebenszeichen von ihnen.