Alice Heim

Verlegeort
Königin-Elisabeth-Straße 58
Bezirk/Ortsteil
Westend
Verlegedatum
04. Oktober 2010
Geboren
10. Dezember 1895 in Kolmar (Posen) / Chodzież
Deportation
am 26. Februar 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
Biografie

Alice Heim wurde am 10. Dezember 1895 in Chodziez (Chodzież), zwischen 1878 und 1920 auch Colmar genannt, im Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen im Deutschen Reich geboren. Ihre Eltern Dr. Max Heim (*14. Februar 1865) und Margarete Bloch (*31. Dezember 1865) heirateten am 15. November 1894 in Berlin. Zwei Jahre nach Alice kam am 2. November 1897 ihre Schwester Susanne ebenfalls in Chodzież zur Welt.

Ihr Vater hatte an der Universität Berlin Philosophie und Chemie studiert und in Philosophie promoviert. Die Familie wohnte auf Schloss Chodzież, wo Alices Großvater Hermann Heim die Fayencefabrik (Feine Keramikware) von Chodzież 1883 übernommen und unter dem Namen „HM & Co. Schloss Chodziesen“ modernisiert hatte.1896 gelang ihm mit der Porzellanproduktion, in der zeitweise 2000 Mitarbeiter angestellt waren, ein echter Durchbruch. Vermutlich verkaufte Hermann Heim um die Jahrhundertwende die Porzellanfabrik und setzte sich mit 60 Jahren als Privatier zur Ruhe.

Die Familie Heim ging in dieser Zeit zurück nach Berlin. Ihr Vater führte ein chemisches und metallurgisches Laboratorium und wohnte mit seiner Familie in der Lynarstraße 14 in Spandau. Seit 1921 wohnte die Familie in der Königin-Elisabeth-Straße 53 in Berlin-Charlottenburg. Alice war damals 25 Jahre alt. Es ist anzunehmen, dass auch sie in der Firma ihres Vaters arbeitete.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung" am 17. Mai 1939 waren Alice und ihre Familie sowie die zweite Ehefrau ihres Großvaters, die 89-jährige Johanna Heim, und ihre Tante Martha Barth geborene Bloch in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiert, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden. 

Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 in der Königin-Elisabeth-Straße 58, danach wurde die gesamte Familie bis auf Alices jüngere Schwester Susanne in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Susanne hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte, An der Spandauer Brücke 1b, gezogen. 

Alice leistete seit 1941 für 22 RM in der Woche Zwangsarbeit bei der Firma Osram in der Helmholtzstraße in Berlin-Charlottenburg.  Am 26. Januar 1943 musste sie vor ihrer Deportation die 16-seitige Vermögenserklärung ausfüllen und unterschreiben. Wann genau ihre Eltern von der Gestapo von der Wielandstraße 17 in das „Siechenheim" in der Auguststraße 14/15 zwangsumgesiedelt wurden, ist nicht bekannt. In der Vermögenserklärung gab sie an, dass ihr Haushalt nur aus einer Person bestehe. Die Witwe ihres Großvaters, Johanna Heim, und ihre Tante Martha Barth waren schon am 20. November 1942 nach Theresienstadt deportiert worden.

Ihre Schwester Susanne war zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Lewinski eine Woche vor ihr, am 19. Februar 1943, nach Auschwitz deportiert und ermordet worden.

Erst am 24. Februar 1943 wurde ihr die Zustellungsurkunde im Sammellager in der Großen Hamburger Str. 26 übergeben. Ihr Vermögen von 1.500 RM wurde hiermit dem Deutschen Reich überschrieben. Am 26. Februar 1943 wurde Alice zusammen mit 1.099 weiteren Personen mit dem 30. Osttransport nach Auschwitz deportiert und vermutlich direkt nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Alice Heim starb mit 47 Jahren als Opfer der Verfolgung durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. 

Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo Margarete und Max Heim zusammen mit 326 weiteren gelisteten Personen mit dem 90. Alterstransport nach Theresienstadt. Alices Vater Dr. Max Heim starb mit 79 Jahren, am 28. Februar 1944, aufgrund der katastrophalen Verhältnisse im Ghetto. Eine Woche später, am 7. März 1944, starb auch ihre Mutter Margarete mit 78 Jahren. Eine Familie wurde von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ausgelöscht.