Johanna Heim geb. Heimann

Verlegeort
Königin-Elisabeth-Straße 58
Bezirk/Ortsteil
Westend
Verlegedatum
04. Oktober 2010
Geboren
14. August 1849 in Culmsee (Westpreußen) / Chełmża
Deportation
am 20. November 1942 nach Theresienstadt
Ermordet
01. Dezember 1942 im Ghetto Theresienstadt
Biografie

Johanna Heymann wurde am 19. August 1849 in Chelmce (Chełmiczki, Polen) im damaligen Kreis Strelno, Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen in Preußen geboren. Ihr Vater hieß Leyser Heymann und ihre Mutter war Lene Heymann geborene Latte. 1871 wurde Chelmce Bestandteil des Deutschen Reiches, Johanna war damals 22 Jahre alt.

Wann und warum sie nach Berlin ging, konnte nicht recherchiert werden. 1902 lebte die 53-jährige Johanna zusammen mit ihrem 35-jährigen Neffen Salo Josephson, Sohn ihrer verstorbenen Schwester Golde, in der Weberstraße 49 in Berlin-Lichtenrade. 

Ihr späterer Ehemann, der Kaufmann Hermann Heim (*6. Januar 1842), stammte aus Pleschen (Pleszew) ungefähr 38 km von Johannas Geburtsort Chelmce entfernt. Schon sehr jung hatte er in erster Ehe Ottilie Goldstein (*1846) geheiratet und wurde mit 23 Jahren Vater seines ersten Sohnes Max. Insgesamt bekam das Ehepaar fünf Kinder. Am 18. Oktober 1897 starb Hermanns Ehefrau Ottilie mit 51 Jahren in Berlin. Hermann Heim wurde mit 55 Jahren Witwer.

Fünf Jahre später, am 23. September 1902, heirateten die 53-jährige Johanna Heymann und der 60-jährige Witwer Hermann Heim. Trauzeugen waren Josef Goldstein und Salo Josephson. Hermann Heim wohnte damals in der Winsstraße 34 in Berlin-Prenzlauer Berg. Schon 1903 waren sie im Berliner Adressbuch in der Augsburger Straße 42 in Wilmersdorf zu finden. Hermanns Schwiegersohn Friedrich Bloch arbeitete in der Apotheke im gleichen Haus.

Am 22. Oktober 1910 starb Hermann Heim mit 68 Jahren. Sein damals 32-jähriger Sohn Georg meldete den Tod beim Standesamt Charlottenburg. Johanna wurde nach acht Jahren Ehe mit 61 Jahren Witwe.

Ihr Neffe Salo Josephson starb mit 71 Jahren am 22. Mai 1938, seine Ehefrau, die er 1904 geheiratet hatte, folgte ihm am 30. Dezember 1938. 

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war die 89-jährige Johanna bei ihrem Stiefsohn Dr. Max Heim zusammen mit seiner Ehefrau und seinen zwei erwachsenen Töchtern Alice und Susanne in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiere, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden. Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 hier, danach wurde die gesamte Familie, bis auf Susanne, in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Die jüngste Tochter der Heims, Susanne, hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte An der Spandauer Brücke 1b gezogen. 

Im November 1942 erhielten Johanna Heim und Martha Barth geborene Bloch den Deportationsbefehl. Die Gestapo forderte sie auf, eine 16-seitige Vermögenserklärung auszufüllen. Mit 98 weiteren Menschen fuhren sie am 20. November 1942 vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt. Johanna starb schon nach 11 Tagen mit 93 Jahren am 1. Dezember 1942. In der Todesfallanzeige wurde als Todesursache Alters- und Herzschwäche angegeben.

Gut drei Monate später, am 13. April 1943, starb auch Martha Barth geborene Bloch mit 76 Jahren im Ghetto Theresienstadt.

Dr. Max Heim und seine Ehefrau Margarete wurden von der Gestapo in das „Siechenheim“ in der Auguststraße 14/16 zwangseingewiesen. Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo sie mit dem 90. Alterstransport mit 328 gelisteten Namen nach Theresienstadt, wo sie aufgrund der Verhältnisse 1944 starben. Ihre Töchter Alice und Susanne wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.