Margarete Heim geb. Bloch

Verlegeort
Königin-Elisabeth-Straße 58
Bezirk/Ortsteil
Westend
Verlegedatum
04. Oktober 2010
Geboren
31. Dezember 1865 in Leobschütz / Głubczyce
Deportation
am 28. Mai 1943 nach Theresienstadt
Ermordet
07. März 1944 im Ghetto Theresienstadt
Biografie

Margarete Bloch wurde am 31. Dezember 1865 in Leobschütz (Głubczyce), Schlesien geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Leopold Bloch. Ihre Mutter hieß Johanna Bloch geborene Goldstein. Margarete war das fünfte von insgesamt sechs Kindern. Ihr ältester Bruder Richard (*1856) war Gerichtsreferendar, als er mit 30 Jahren am 18. Dezember 1886 in Berlin starb. Wie der Sterbeurkunde zu entnehmen ist, war ihr Vater zu der Zeit bereits verstorben. Ihre Mutter zog nach dem Tod ihres Ehemannes mit ihren Kindern von Leobschütz nach Berlin in die Auguststraße 50 in Mitte. Am 31. Mai 1888 heiratete ihre älteste Schwester Marie mit 31 Jahren Meyer (später Emanuel) Schindler. 

 

Wann und wo Margarete ihren späteren Ehemann Dr. Max Heim (*14. Februar 1865) kennenlernte, ist nicht bekannt. Max hatte an der Universität Berlin Philosophie und Chemie studiert und in Philosophie promoviert. Er wohnte auf Schloss Chodzież im Kreis Colmar in Posen, wo sein Vater eine Fayence Fabrik besaß. Als sie am 15. November 1894 in Berlin heirateten, wohnte Margarete am Belle-Alliance-Platz 7 (heute Mehringplatz) in Berlin-Kreuzberg. Ihre Mutter Johanna Bloch war wie Max' Mutter Ottilie eine geborene Goldstein, vielleicht waren Margarete und Max Cousine und Cousin. Max' Großmutter Rosalie, die Mutter seines Vaters, war eine geborene Bloch, auch hier sind verwandtschaftliche Beziehungen zu Margaretes Vater Leopold Bloch möglich. 

 

Ein Jahr nach der Hochzeit, am 10. Dezember 1895, wurden Max und Margarete in Chodziez Eltern ihrer ersten Tochter Alice. Am 2. November 1897 wurde ihre zweite Tochter Susanne ebenfalls in Chodzież geboren. Max' Mutter Ottilie war zwei Wochen vor Susannes Geburt, am 18. Oktober 1897, mit 51 Jahren in Berlin gestorben.

 

Ihr älterer Bruder Friedrich, der Apotheker von Beruf war, nahm am 29. Dezember 1898 Max' Schwester Margarete Heim zur Frau. Margaretes Mutter Johanna war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben. Anfang der 1900er- Jahre hatte Margaretes Schwiegervater Hermann vermutlich seine Porzellanfabrik auf Schloss Chodzież verkauft und sich als Privatier zur Ruhe gesetzt. 1902 heiratete er in zweiter Ehe Johanna Heymann (*19. August 1849) aus Chelmce. Margarete, ihr Ehemann Max und die zwei Töchter kamen in dieser Zeit zurück nach Berlin. Max führte ein chemisches und metallurgisches Laboratorium. 

Margaretes Bruder Arthur starb mit 40 Jahren ledig am 20. Juni 1903. Ihre jüngste Schwester Martha war 1905 Geschäftsinhaberin einer Posamentenwaren- (Kurzwaren-) Handlung in der Schönhauser Allee 156 in Berlin-Prenzlauer Berg. 1913 heiratete sie in London Rafael Barth.

1920 war Margaretes Ehemann Geschäftsführer der „Dr. M. Heim, chemische Auskunftei und Verwertungsgesellschaft m.b.H.“ in der Spandauer Straße 20 in Berlin-Charlottenburg.

Seit 1921 wohnte die Familie dort in der Königin-Elisabeth-Straße 53.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 brachte nichts Gutes für die Geschäfte ihres Mannes. 1934 starb ihre Schwester Marie mit 76 Jahren. Maries Sohn, der Landgerichtsrat Ernst Leopold Schindler (*25. Dezember 1890), meldete ihren Tod beim Standesamt. Die Nationalsozialisten hatten ihn nach der Machtergreifung mit 43 Jahren in den Ruhestand versetzt.

1938 gab es das chemische Laboratorium von Dr. Max Heim nicht mehr. Im Berliner Adressbuch stand Dr. Max Heim nur noch als Besitzer der Marks-Drogerie in der Bismarckstraße 103, wohnhaft in der III. Etage des Hauses in der Königin-Elisabeth-Straße 53.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung" am 17. Mai 1939 waren Margarete, ihr Ehemann Dr. Max Heim, ihre beiden unverheirateten Töchter, die 43-jährige Alice und die 41-jährige Susanne sowie die 89-jährige Johanna Heim und Margaretes Schwester Martha Barth geborene Bloch in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiert, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden. 

Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 in der Königin-Elisabeth-Straße 58, danach wurde die gesamte Familie bis auf Susanne in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Margaretes jüngste Tochter Susanne hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte, An der Spandauer Brücke 1b, gezogen. 

Im November 1942 erhielten Johanna Heim und Margaretes Schwester Martha den Deportationsbefehl. Sie wurden nach Theresienstadt deportiert, wo Johanna im Ghetto schon nach 11 Tagen mit 93 Jahren und Martha Barth nach drei Monaten mit 76 Jahren starb.

Wann genau Margarete und ihr Ehemann Dr. Max Heim von der Wielandstraße 17 in das „Siechenheim" in der Auguststraße 14/16 in Berlin-Mitte noch einmal zwangsumgesiedelt wurden, ist nicht bekannt. Ihre Tochter Alice gab in ihrer Vermögenserklärung, die sie am 26. Januar 1943 ausfüllte und unterschrieb, an, dass ihr Haushalt aus einer Person bestehe.

Ihre Tochter Susanne war zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Lewinski schon am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Eine Woche später, am 26. Februar 1943, wurde auch Alice deportiert und vermutlich direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau einer Gaskammer ermordet. 

Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo Margarete und Max Heim zusammen mit 326 weiteren gelisteten Personen mit dem 90. Alterstransport nach Theresienstadt. Margaretes Ehemann Dr. Max Heim starb mit 79 Jahren am 28. Februar 1944 im Ghetto. Eine Woche später, am 7. März 1944, starb auch Margarete mit 78 Jahren. Eine Familie wurde ausgelöscht.

Ihre Nichte Käthe Kraus, Tochter ihres Bruders Friedrich, überlebte, weil sie im Dezember 1939 mit ihrer Familie nach New York emigriert war. Ihr Neffe Ernst Leopold Schindler, Sohn ihrer Schwester Marie, überlebte aufgrund seiner Ehe mit einer nicht-jüdischen Frau.