Martha Barth geb. Bloch

Verlegeort
Königin-Elisabeth-Straße 58
Bezirk/Ortsteil
Westend
Verlegedatum
04. Oktober 2010
Geboren
06. Juli 1867 in Leobschütz / Głubczyce
Deportation
am 20. November 1942 nach Theresienstadt
Ermordet
13. April 1943 im Ghetto Theresienstadt
Biografie

Martha Bloch wurde am 6. Juli 1867 in Leobschütz (Głubczyce), Schlesien geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Leopold Bloch. Ihre Mutter hieß Johanna Bloch geborene Goldstein.

Martha war das jüngste von insgesamt sechs Kindern. Ihr ältester Bruder Richard (*1856) war Gerichtsreferendar, als er mit 30 Jahren am 18. Dezember 1886 in Berlin starb. Ihr Vater war zu der Zeit bereits verstorben. Ihre Mutter zog nach dem Tod ihres Ehemannes mit ihren Kindern von Leobschütz in die Auguststraße 50 in Berlin-Mitte.  

Am 31. Mai 1888 heiratete Marthas älteste Schwester Marie mit 31 Jahren Meyer (später Emanuel) Schindler. Sechs Jahre später, 1894, heiratete ihre Schwester Margarete mit 28 Jahren Dr. Max Heim, der ebenfalls aus Schlesien stammte. Seine Mutter war wie Marthas Mutter eine geborene Goldstein, sodass verwandtschaftliche Beziehungen zu vermuten sind.

Ihr Bruder Friedrich, der Apotheker von Beruf wurde, nahm am 29. Dezember 1898 die Schwester von Max Heim, Margarete Heim, zur Frau. Ihre Mutter Johanna war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben. Ihr Bruder Arthur starb mit 40 Jahren ledig am 20. Juni 1903.

Martha war 1905 Geschäftsinhaberin, als sie zusammen mit Julius Jonas das Heiratsaufgebot bestellte. In der Schönhauser Allee 156 betrieb sie eine Posamentenwaren- (Kurzwaren-) Handlung in Berlin-Prenzlauer Berg. Da die Verlobten am 16. Mai 1905 nicht beim Standesamt erschienen, konnte die Trauung nicht stattfinden. Auch die geplante Eheschließung mit Richard Eisner am 21. Oktober 1910 fand aus gleichen Gründen nicht statt. 1913 heiratete Martha mit 46 Jahren im Londoner Stadtbezirk Holborn Rafael Barth und  hieß fortan Martha Barth.

Wann genau sie nach Berlin zurückkam, ist unbekannt. 1934 starb ihre Schwester Marie mit 76 Jahren. Maries Sohn, der Landgerichtsrat Ernst Leopold Schindler (*25. Dezember 1890), der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit 43 Jahren in den Ruhestand versetzt wurde, meldete den Tod seiner Mutter beim Standesamt. 

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Martha in der Königin-Elisabeth-Straße 58 in Berlin-Charlottenburg gemeldet. Im gleichen Haus wohnte auch ihre Schwester Margarete mit ihrer Familie. Ungefähr 1941 wurden Martha, ihre Schwester Margarete, ihr Schwager Dr. Max Heim, ihre Nichte Alice und Johanna Heim geborene Heymann, Stiefmutter von Dr. Max Heim, in den IV. Stock der Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen.

Im November 1942 erhielten Martha Barth geborene Bloch und Johanna Heim den Deportationsbefehl. Die Gestapo forderte sie auf, ihre 16-seitige Vermögenserklärung auszufüllen. Laut Karteikarte war Martha Barth für den 23. Osttransport am 29. November 1942 nach Auschwitz vorgesehen. Vermutlich konnte sie die Gestapo überzeugen, dass es notwendig sei, die schon 93-jährige Johanna Heim nach Theresienstadt zu begleiten. 

Vom Anhalter Bahnhof in Berlin wurden sie am 20. November 1942 mit 98 weiteren Menschen nach Theresienstadt transportiert. Johanna Heim starb schon nach 11 Tagen am 1. Dezember 1942. Martha Barth starb gut drei Monate später mit 76 Jahren am 13. April 1943.

Auch ihr Schwager Dr. Max Heim, ihre Schwester Margarete, ihre Nichte Alice Heim, ihre Nichte Susanne Lewinski geborene Heim und ihre Schwägerin Margarete Bloch, Ehefrau ihres Bruders Friedrich, wurden Opfer der Verfolgung unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und starben im Holocaust

Marthas Nichte Käthe Kraus, Tochter ihres Bruders Friedrich, war noch im Dezember 1939 mit ihrer Familie nach New York emigriert. Ihr Neffe Ernst Leopold Schindler, Sohn ihrer Schwester Marie, überlebte aufgrund seiner Ehe mit einer nicht-jüdischen Frau.