Thomas Forres geb. Grünbaum

Verlegeort
Kurfürstendamm 160
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
09. November 2021
Geboren
1926
Flucht
1939 Kindertransport nach England
Überlebt
  • Stolperstein Thomas Grünbaum (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

    Stolperstein Thomas Grünbaum (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

Thomas Grünbaum wurde 1926 geboren. Mit seiner ein Jahr älteren Schwester Marianne und den Eltern wohnte er seit Mitte 1938 zur Untermiete bei dem Landgerichtsdirektor Dr. Max Rippner am Kurfürstendamm 160. Die Kinder gingen in die private jüdische Kaliski-Schule in Dahlem, ein reformpädagogisch orientiertes Tagesinternat für Mädchen und Jungen. Zitat Berliner Gedenktafel: „Ausgeschlossen aus den öffentlichen Schulen fanden hier viele jüdische Schüler und Lehrer ein letzte Möglichkeit zu lernen und zu lehren …“. Der Vater Max Grünbaum wurde 1880 in Budapest geboren. Von Beruf war er Schneidermeister für Damenkleider. Seine Frau Hildegard, Jahrgang 1888, war eine geborene Sachs und gebürtige Breslauerin.<br />
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Zusätzlich zu den beengten Wohnverhältnissen, zu Berufsverbot, Geldnot und Verfolgung durch die Nazis traf die Familie ein schwerer Schlag. Max Grünbaum erlitt im September 1938 im Alter von 52 Jahren einen Herzinfarkt und starb. Die alltäglichen Unruhen und Zerstörungen jüdischer Geschäfte auf dem Kurfürstendamm wurden immer bedrohlicher. Im Alter von zwölf Jahren musste Thomas mitansehen, wie Dr. Rippner, bei dem die Familie wohnte, während des Pogroms am 9. November 1938 von der Gestapo verhaftet wurde. Nach sechswöchiger Haft im KZ Sachsenhausen wurde Rippner nach Hause entlassen – als menschliches Wrack.<br />
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Immer dringender wurde die Frage, wie man wenigstens die Kinder retten könnte. Der Onkel von Marianne und Thomas, bis 1933 Richter am Oberlandesgericht Berlin, erinnerte Hildegard an ihren Schulbesuch 1908 in England, wo sie eine enge Freundin hatte, die einer einflussreichen Familie angehörte. Die bange Frage war, so Thomas: „würde sich die Freundin noch an sie erinnern und wenn ja, würde sie bereit und in der Lage sein für uns zu bürgen?“ Dank einer fernen Cousine gelang es, nach 31 Jahren die Freundin – inzwischen verheiratet – ausfindig zu machen. Sie bot sofort eine 18 Jahre währende Bürgschaft für Thomas und Marianne an, die Voraussetzung für den Aufenthalt. Am 15. März 1939 gelangten die beiden mit einem Kindertransport nach England.<br />
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Die ferne Verwandte über eine Urgroßmutter war Lady Frieda Forres, die Tochter von Lord Farrer Herschell, dem ehemaligen Lord Chancellor of England. Ihr und ihrer gesellschaftlichen Stellung war es zu verdanken, dass auch Hildegard Grünbaum zwei Monate nach ihren Kindern nach England reisen und so einem grausamen Schicksal entkommen konnte. 1948 bat Hildegard die Familie Forres, in großer Dankbarkeit und in Erinnerung an die Hilfe in höchster Not, den Namen Forres annehmen zu dürfen, was auch geschah.<br />
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Thomas und Marianne wuchsen behütet in Kent auf. Hildegard machte eine Ausbildung als Kinderpsychologin, promovierte und blieb in England. Thomas war vier Jahre Dolmetscher in englischen Kriegsgefangenenlagern, wurde Ingenieur, arbeitete in London und wanderte 1990 mit Frau und vier Kindern nach Australien aus. Marianne wurde Krankenschwester und Hebamme, arbeitete im Auslandseinsatz in Afrika, Indien und Malaysia, heiratete und kehrte nach England zurück.

Thomas Grünbaum wurde 1926 geboren. Mit seiner ein Jahr älteren Schwester Marianne und den Eltern wohnte er seit Mitte 1938 zur Untermiete bei dem Landgerichtsdirektor Dr. Max Rippner am Kurfürstendamm 160. Die Kinder gingen in die private jüdische Kaliski-Schule in Dahlem, ein reformpädagogisch orientiertes Tagesinternat für Mädchen und Jungen. Zitat Berliner Gedenktafel: „Ausgeschlossen aus den öffentlichen Schulen fanden hier viele jüdische Schüler und Lehrer ein letzte Möglichkeit zu lernen und zu lehren …“. Der Vater Max Grünbaum wurde 1880 in Budapest geboren. Von Beruf war er Schneidermeister für Damenkleider. Seine Frau Hildegard, Jahrgang 1888, war eine geborene Sachs und gebürtige Breslauerin.

Zusätzlich zu den beengten Wohnverhältnissen, zu Berufsverbot, Geldnot und Verfolgung durch die Nazis traf die Familie ein schwerer Schlag. Max Grünbaum erlitt im September 1938 im Alter von 52 Jahren einen Herzinfarkt und starb. Die alltäglichen Unruhen und Zerstörungen jüdischer Geschäfte auf dem Kurfürstendamm wurden immer bedrohlicher. Im Alter von zwölf Jahren musste Thomas mitansehen, wie Dr. Rippner, bei dem die Familie wohnte, während des Pogroms am 9. November 1938 von der Gestapo verhaftet wurde. Nach sechswöchiger Haft im KZ Sachsenhausen wurde Rippner nach Hause entlassen – als menschliches Wrack.

Immer dringender wurde die Frage, wie man wenigstens die Kinder retten könnte. Der Onkel von Marianne und Thomas, bis 1933 Richter am Oberlandesgericht Berlin, erinnerte Hildegard an ihren Schulbesuch 1908 in England, wo sie eine enge Freundin hatte, die einer einflussreichen Familie angehörte. Die bange Frage war, so Thomas: „würde sich die Freundin noch an sie erinnern und wenn ja, würde sie bereit und in der Lage sein für uns zu bürgen?“ Dank einer fernen Cousine gelang es, nach 31 Jahren die Freundin – inzwischen verheiratet – ausfindig zu machen. Sie bot sofort eine 18 Jahre währende Bürgschaft für Thomas und Marianne an, die Voraussetzung für den Aufenthalt. Am 15. März 1939 gelangten die beiden mit einem Kindertransport nach England.

Die ferne Verwandte über eine Urgroßmutter war Lady Frieda Forres, die Tochter von Lord Farrer Herschell, dem ehemaligen Lord Chancellor of England. Ihr und ihrer gesellschaftlichen Stellung war es zu verdanken, dass auch Hildegard Grünbaum zwei Monate nach ihren Kindern nach England reisen und so einem grausamen Schicksal entkommen konnte. 1948 bat Hildegard die Familie Forres, in großer Dankbarkeit und in Erinnerung an die Hilfe in höchster Not, den Namen Forres annehmen zu dürfen, was auch geschah.

Thomas und Marianne wuchsen behütet in Kent auf. Hildegard machte eine Ausbildung als Kinderpsychologin, promovierte und blieb in England. Thomas war vier Jahre Dolmetscher in englischen Kriegsgefangenenlagern, wurde Ingenieur, arbeitete in London und wanderte 1990 mit Frau und vier Kindern nach Australien aus. Marianne wurde Krankenschwester und Hebamme, arbeitete im Auslandseinsatz in Afrika, Indien und Malaysia, heiratete und kehrte nach England zurück.