Käthe Sernau wurde am 22.11.1897 in Halle/Saale als Tochter des Kaufmanns Adolf Sernau, mosaisch und von Henriette Wolfenstein Sernau, ebenfalls mosaisch, geboren. Sie war das jüngste von sechs Kindern der Familie. Beruflich arbeitete sie als Sekretärin bzw. Korrespondentin, auf der Deportationsliste 1943 ist als ihr Beruf der einer Kontoristin vermerkt. Von 1937 bis 1942 war sie in Berlin-Wilmersdorf in der Kaiserallee 31 a (heute Bundesallee) als Hauptmieterin gemeldet. Eltern und zwei Geschwister wohnten und arbeiteten seit längerem in Berlin. Sie lernte Fritz Landsberg kennen und die beiden heirateten im November 1940. Ausschlaggebend für die Heirat war wohl der Wunsch von beiden, sich den unter Kriegsbedingungen ausufernden Schikanen der Nazis gemeinsam zu stellen. Fritz` Tochter Suzanne vermutete, dass ihr Vater vor seinem Tod aus diesem Grund noch einmal geheiratet hat.
Bis zur Eheschließung 1940 hielt Fritz Landsberg gelegentlich noch (Fach-)Vorträge, er schickte regelmäßig Geld nach Bern, wo die geschiedene Frau Ida und Tochter Suzanne inzwischen leben. Der Sohn Egon emigrierte 22-jährig im April 1939 nach England. Fritz wähnte sich kurzzeitig unbehelligt. Er lebte laut Volkszählung 1939 in der Landshuter Str. 34 als seinem letzten legalen Wohnort.
Nach der Eheschließung zog Fritz Landsberg zu seiner 2. Ehefrau in die Kaiserallee 31a, ins Gartenhaus. Hier lebte er fortan illegal und mit mehreren gefälschten Personaldokumenten. Die Eheleute wollten einem Abtransport in ein Konzentrationslager entgehen. Nun schickte die geschiedene Frau Ida Landsberg Lebensmittel von Bern nach Berlin. 1941 schrieb Fritz L. an seine Schwägerin Hedwig Landsberg nach Brasilien, dass er sonntags mit seinen Schwestern Else und Therese speist. Aber seine Unsicherheit wuchs, wohl auch wegen der Selbstmorde seiner Schwestern Else und Therese Landsberg am 13. Februar 1942. Die beiden entgingen auf diese Weise ihrer angekündigten Deportation (Stolpersteine in der Heilbronner Str. 22). 1942 wurde Fritz zur Fabrikarbeit zwangsverpflichtet, möglicherweise arbeitete er unter falschem Namen. Aber offenbar in einer kriegswichtigen Tätigkeit, darauf deutet seine relativ späte Deportation.
Wie für andere jüdische Menschen auch wurde die Situation für Fritz und Käthe Landsberg ausweglos, sie konnten ihr nicht mehr entrinnen. Sie wurden im Oktober 1943 deportiert und ermordet. Im November 1944 schreibt seine geschiedene Frau Ida an die Schwägerin Hedwig Landsberg: Fritz wurde die letzten 2 Jahre immer gehetzt, lebte unter anderem Namen und hat sich durch seinen Pass mit richtigem Namen bei der Festnahme verraten. Ein Dokument des amerikanischen Joint Distribution Komitee und eine „Transportliste“ belegen, dass Käthe und Fritz Landsberg am 14.10.1943 mit dem 44. Ost-Transport nach Auschwitz deportiert wurden, mit 71 weiteren Berliner Juden. Sie gehörten zu den letzten nach Auschwitz Deportierten. Als Deportationsgrund wird auf der Transportliste „Jude“ angegeben.
In einem Beschluss – gemäß den Sondervorschriften für Verschollenheitsfälle aus Anlass des Krieges 1939-1945 – wurde als Zeitpunkt des Todes von Fritz und Käthe Landsberg der 31.12.1944 festgestellt.
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