Jacob Jacobsohn

Verlegeort
Marburger Str. 12
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Verlegedatum
19. Juni 2012
Geboren
24. Oktober 1884 in Pakosch (Posen) / Pakość
Deportation
am 06. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
Biografie

Jacob Jacobsohn wurde am 24. Oktober 1884 in Pakosch (Pakość, Polen) in der Nähe von Hohensalza geboren. Er war das einzige Kind von Johanna Jacobsohn geborene Chaim und Naumann Jacobsohn aus Znin (Żnin, Polen) in der Nähe von Bromberg. Jacob wurde Kaufmann von Beruf.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau Gertrud Jüdel (*14. Februar 1886) aus Samotschin (Szamocin, Polen) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten ca.1915 in Jacobs Heimatort Znin (Żnin, Polen). Jakob war damals 29 Jahre und Gertrud 27 Jahre alt. Am 16. Dezember 1916 wurde ihre erste Tochter Paula geboren. Als nach dem Versailler Vertrag Znin am 10. Januar 1920 an Polen abgetreten werden musste, ging die kleine Familie nach Berlin. Hier wurde am 13. April 1922 ihr Sohn Heinz und am 1. März 1927 ihr drittes Kind, Phili, geboren.

Als ihr Sohn Heinz im April 1928 in die Charlottenburger Schule in der Witzlebenstraße eingeschult wurde, wohnte die Familie in der Meineckestraße 18 in Berlin-Charlottenburg. Jacob arbeitete als Grundstücks- und Hypothekenberater. Im April 1933 wurde Phili in die Joachimsthaler Schule eingeschult. Heinz wechselte am 21. Dezember 1934 in die 3. Klasse des Adass Jisroel Real-Gymnasiums. Zwei Jahre später, am 27. März 1936, wurde er dort abgemeldet, da die Klassen sich auflösten, weil das Schulgeld nicht mehr zu finanzieren war und viele Schüler ins Ausland emigriert waren. Phili wurde im März 1937 in der Joachimsthaler Schule abgemeldet. Danach ist die Familie vermutlich in die Marburger Straße 12 umgezogen. Heinz und Phili hatten die Chance, mit einem Kindertransport Deutschland zu verlassen. Heinz kam am 31. März 1939 und Phili am 21. April 1939 in Großbritannien in Sicherheit an.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren nur noch Jacobs Mutter Johanna, seine Ehefrau Gertrud und seine Tochter Paula in der Marburger Straße 12 in Berlin-Charlottenburg gemeldet. Der 22-jährigen Paula gelang noch im August 1939, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, die Flucht nach Großbritannien. Ob sie ihren Ehemann mit dem Nachnamen Hess noch in Berlin heiratete oder kurz darauf in England, konnte nicht recherchiert werden. Sie arbeitete in London als Haushaltshilfe. Der 17-jährige Heinz lebte nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, im September 1939, im Kitchener Camp, einem Durchgangslager (Transmigration Camp) für jüdische Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich. Er arbeitete dort als Büroangestellter.  Philis Wohnort war 1939 Surrey in England.

Ab 1940 mussten Jacob und Gertrud in Berlin Zwangsarbeit leisten.

Jacobs Mutter Johanna wurde zusammen mit ihrer jüngsten Schwester Dora und deren Ehemann Lesser Pinkus am 14. Januar 1943 vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt deportiert. Zehn Tage überlebte sie die unmenschlichen Bedingungen im Ghetto. Johanna Jacobsohn geborene Chaim starb am 24. Januar 1943 kurz nach ihrem 85. Geburtstag. Als Todesursache wurde auf dem Totenschein Altersschwäche angegeben.

Im Rahmen der „Fabrikaktion“ wurden Jacob und Gertrud am 27. Februar 1943 an ihrem Arbeitsplatz von der Gestapo festgesetzt und anschließend in einem Sammellager bis zum 5. März 1943 interniert. Am 6. März 1943 wurden sie zusammen mit 660 weiteren Personen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Es ist anzunehmen, dass beide sofort nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in den Gaskammern den Tod fanden. Demnach starb Jacob Jacobsohn mit 58 Jahren und seine Ehefrau Gertrud mit 57 Jahren.