- Verlegeort
- Marburger Str. 12
- Bezirk/Ortsteil
- Charlottenburg
- Verlegedatum
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19. Juni 2012
- Geboren
- 18. Januar 1856 in Znin (Posen) / Żnin
- Deportation
- am 14. Januar 1943 nach Theresienstadt
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Ermordet
- 24. Januar 1943 in Theresienstadt
Johanna Jacobsohn wurde als Johanna Chaim am 18. Januar 1858 in Znin (Żnin, Polen) in der Nähe von Bromberg geboren. Für ihre Eltern Hirsch Chaim und Pauline Chaim geborene Kaiser war sie das erste von ingesamt vier Kindern. Nach ihr wurden Chaim (*1862), Rosina Rosa (*5. April 1867) und Dora Ina (*19. Februar 1873) geboren.
Wann und wo Johanna, die sich Anna nannte, ihren späteren Ehemann Neumann Jacobsohn (*1857), den Sohn von Samuel und Justine Jacobsohn geborene Kaiser, kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten 1883 in Znin. Johanna war damals 25 Jahre und Neumann 26 Jahre alt. Ihr Sohn Jacob wurde am 24. Oktober 1884 in Pakosch (Pakość, Polen) in der Nähe von Hohensalza geboren. Da ihr erstes Enkelkind Paula 1916 ebenfalls in Znin geboren wurde, ist anzunehmen, dass Anna bis zum Ende des Poseners Aufstandes 1919 in Znin lebte. Als nach dem Versailler Vertrag die Stadt Znin am 10. Januar 1920 an Polen abgetreten werden musste, ging die kleine Familie ihres Sohnes Jacob nach Berlin und Neumann und Anna zogen nach Küstrin. Das Todesdatum von Johannas Ehemann konnte nicht recherchiert werden.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war die Witwe Johanna Jacobson noch in Küstrin am Moltkemarkt 9 und gleichzeitig auch in der Marburger Straße 12 in Berlin bei ihrem Sohn Jacob gemeldet. Von ihren drei Enkelkindern Paula (*1916), Heinz (*1922) und Phili (*1927) war nur noch Paula in Berlin. Sie konnte noch im August 1939, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, nach Großbritannien flüchten. Heinz und Phili hatten die Chance gehabt, mit einem Kindertransport das Deutsche Reich zu verlassen. Heinz kam am 31. März 1939 und Phili am 21. April 1939 in Großbritannien in Sicherheit an.
Am 29. Juni 1939 starb Johannas Schwager Jacob Hirsch Chaim, Ehemann ihrer Schwester Rosa, in Berlin. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, im September 1939, lebte ihr mittlerweile 17-jähriger Enkel Heinz im Kitchener Camp, einem Durchgangslager (Transmigration Camp) für jüdische Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich. Er arbeitete dort als Büroangestellter.
Die Situation in Berlin verschlechterte sich für Juden dramatisch. Ab 1940 wurde Johannas Sohn Jacob, der damals 55 Jahre alt war, zur Zwangsarbeit verpflichtet. Ab September 1941 mussten sie den gelben Stern mit der Aufschrift „Jude“ tragen. Die Gestapo hatte die Jüdische Gemeinde gezwungen, die Sterne für 10 Pfennig das Stück zu kaufen. Der Gang auf die Straße kam nun einem Spießrutenlauf gleich. Ihre Schwester Rosa lebte anfangs bei ihrer Tochter in der Großen Frankfurter Str. 58 (heute Karl-Marx-Allee) in Berlin - Friedrichshain und ihre Schwester Dora bei deren Kindern in der Weinmeisterstraße 13 in Berlin-Mitte.
Rosa war die erste der Familie, die von der Gestapo aus dem jüdischen Altersheim, dem Olga-Stern-Heim in der Iranischen Straße 2, am 14. Juli 1942 in das Ghetto nach Theresienstadt deportiert und dann am 19. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka transportiert wurde. Dort wurde sie umgehend ermordet. Sie starb mit 75 Jahren.
Johanna wurde ein halbes Jahr später zusammen mit ihrer jüngsten Schwester Dora und deren Ehemann Lesser Pinkus am 14. Januar 1943 vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt deportiert. Johanna überlebte die unmenschlichen Bedingungen im Ghetto zehn Tage lang. Sie starb am 24. Januar 1943 kurz nach ihrem 85. Geburtstag. Als Todesursache wurde auf dem Totenschein Altersschwäche angegeben.
Ihre jüngste Schwester Dora, die auf Johannas Totenschein als Verwandte in Theresienstadt angegeben war, starb ein Jahr nach ihr, am 14. März 1944 mit 71 Jahren. Ihr Witwer Lesser Leiser Pinkus (*27. November 1867) überlebte das Ghetto Theresienstadt und ging nach der Befreiung des Ghettos durch die Rote Armee zurück nach Berlin. Seine drei Kinder waren in Auschwitz ermordet worden. Er lebte noch neun Jahre und starb am 3. März 1954 mit 86 Jahren.
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