Sali Max Fraenkel

Verlegeort
Markgraf-Albrecht-Str. 5
Bezirk/Ortsteil
Halensee
Verlegedatum
08. Mai 2012
Geboren
21. Februar 1878
Beruf
Bankvorsteher
Deportation
am 14. Juli 1942 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 16. Mai 1944 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Foto: A. Bukschat & C. Flegel
    Foto: A. Bukschat & C. Flegel

    Foto: A. Bukschat & C. Flegel

  • Sali Max Fraenkel, Quelle: Familienbesitz
    Sali Max Fraenkel, Quelle: Familienbesitz

    Sali Max Fraenkel, Quelle: Familienbesitz

  • Martha Fraenkel geb. Plessner, Quelle: Familienbesitz
    Martha Fraenkel geb. Plessner, Quelle: Familienbesitz

    Martha Fraenkel geb. Plessner, Quelle: Familienbesitz

  • Stefan (Stephen) Joseph Fraenkel, Quelle: Familienbesitz
    Stefan (Stephen) Joseph Fraenkel, Quelle: Familienbesitz

    Stefan (Stephen) Joseph Fraenkel, Quelle: Familienbesitz

  • Wartenummer 66870 des amerikanischen Generalkonsulats in Berlin, Quelle: Familienbesitz
    Wartenummer 66870 des amerikanischen Generalkonsulats in Berlin, Quelle: Familienbesitz

    Wartenummer 66870 des amerikanischen Generalkonsulats in Berlin, Quelle: Familienbesitz

  • Nachricht von Sali Fraenkel über das DRK, Quelle: Familienbesitz
    Nachricht von Sali Fraenkel über das DRK, Quelle: Familienbesitz

    Nachricht von Sali Fraenkel über das DRK, Quelle: Familienbesitz

Nach neueren Recherchen (2021) hätte der Stolperstein für Sali Max Fraenkel vor dem Haus Nr. 13 verlegt werden müssen, in dem er von 1933 bis 1941 freiwillig wohnte.<br />
<br />
Sali Max Fraenkel, er selbst nannte sich privat stets Max, wurde am 21. Februar 1878 im oberschlesischen Zülz, Kreis Neustadt, geboren. Der Stammbaum seiner Familie väterlicherseits kann bis in das späte 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Max lernte seinen Vater, den Getreidekaufmann Simon Fraenkel nie wirklich kennen. Er starb am 8. August 1882, als Max noch ein Kleinkind war. Seine Mutter Anna zog mit ihm und seinen Geschwistern in das nur 7 Kilometer entfernte Neustadt. Dort machte er seinen Schulabschluss und in den späten 1890ern zog er nach Breslau, wo er eine Banklehre begann. Danach ging er nach Berlin, er hatte eine Anstellung bei der Disconto Gesellschaft bekommen. Später in den 20ern wurde er Depositen–Vorsteher bei der Deutschen Bank, er selbst gab seinen Beruf mit Bankvorsteher an. Sein Lebensmittelpunkt war bis zu seiner Deportation ununterbrochen in Berlin.<br />
Max hatte acht Geschwister: Rosa *1861, Klara *1864, Eugen *1866, Hedwig * 1869, Fritz *1871, Paul *1875 und Olga und Jenny, die beide im Kleinkindalter starben. Die Mutter Anna geb. Kaufmann verstarb 1918 in Breslau. <br />
Am 5. März 1916 hatte er, inzwischen schon 38 Jahre alt, in Breslau seine Frau Martha geb. Plessner geheiratet. Sie war am 5. Oktober 1888 in Kattowitz als Tochter von Emanuel Plessner, einem Kohlengroßhändler und dessen erster Ehefrau Friederike Landau geboren worden. Ihren Unterhalt verdiente sich Martha in Breslau als Klavierlehrerin. Ihr Sohn erinnerte sich später daran, wie sie mit ihrem wunderschönen Mezzosopran deutsche Lieder sang und sich selbst am Klavier begleitete.<br />
<br />
Am 18. November 1917 kam im Jüdischen Krankenhaus im Wedding der einzige Sohn Stefan Joseph auf die Welt. Die Familie wohnte damals und für lange Jahre in der Wielandstraße 5. Es war zunächst eine glückliche Zeit für die Fraenkels. Sie lebten in Wohlstand in der großen Wohnung mit Hausmädchen. An den Wochenenden machten sie gemeinsam Ausflüge zu den Seen in der Umgebung Berlins und die Urlaube wurden gern an der Ostseeküste oder zum Wandern am Tegernsee verbracht. Beeinträchtigt wurde das Leben einzig durch die rasante Inflation, Max‘ regelmäßiges Einkommen brachte die Familie jedoch einigermaßen durch die schwierigen Jahre.<br />
1929 erkrankte Martha Fraenkel an Lymphdrüsenkrebs. Am 22. Dezember 1932 erlag sie der heimtückischen Krankheit. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee bestattet.<br />
Das Kapitel eines relativ unbeschwerten Familienlebens war mit dem Tod der Mutter beendet.<br />
Max beschloss, die große Wohnung in der Wielandstraße aufzugeben und zog mit seinem inzwischen 15jährigen Sohn Stefan in eine 3-Zimmerwohnung in die Markgraf–Albrecht–Straße 13. Diese blieb seine Adresse bis kurz vor der Deportation. Der Eintrag auf der Sonderkartei für Juden, angelegt im Rahmen der Volkszählung 1939, nach dem Max Fraenkel in der Markgraf–Albrecht–Straße 5 gewohnt haben soll, kann nur auf einem Schreibfehler beruhen. In sämtlichen Dokumenten, die Max Fraenkel bis 1941 handschriftlich angefertigt hat, sowie allen Einträgen in den Berliner Adressbüchern bis 1940 ist die Markgraf–Albrecht–Straße 13 seine Wohnadresse gewesen.<br />
Max und sein Sohn Stefan versuchten das Leben ohne die Ehefrau und Mutter so gut es ging zu gestalten. Max kaufte 1933 einen Dachshundwelpen, den er „Männe“ nannte und der ihn treu begleitete, bis im Mai 1942 die Verordnung erging, dass Juden das Halten von Haustieren verboten sei. Kummervoll ließ er 4 Wochen vor seiner eigenen Deportation Männe einschläfern und schrieb unter die Tötungsbescheinigung „Am 2.6.42 habe ich meinen lieben treuen Hund Männe durch den Tierarzt Oelhorn töten lassen. In Trauer Sali Fraenkel“. <br />
Ab 1935 mussten Max und sein Sohn von der Pension leben, die ihm zunächst noch durch die Deutsche Bank regelmäßig ausgezahlt wurde. Später wurden große Teile der Pension willkürlich konfisziert und die Fraenkels gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. Das Hausmädchen musste entlassen werden und die Ausgaben für Ernährung, Kleidung und Sonstiges wurden drastisch gekürzt. <br />
Stefan machte 1936 das Abitur an der damaligen Kaiser Friedrich Schule in der Knesebeckstraße, eine Immatrikulation an einer Universität war für ihn als jüdischem Jungen ausgeschlossen. So begann er im April 1936 eine Textilkaufmannslehre bei Sternberg & Salomon, verließ die Firma aber schon im Juli nach 3monatiger Probezeit. Max‘ und Stefans Leben stand von nun an einzig unter der Frage „Wie können wir physisch und finanziell überleben?“ Stefan konnte noch eine Ausbildung an der Technischen Hochschule in Hannover abschließen, bevor die jüdischen Studenten insgesamt exmatrikuliert wurden. Er kehrte zurück nach Berlin zu seinem Vater. Durch Vermittlung des jüdischen Mathematikprofessors Otto Toeplitz erhielt Stefan 3 Affidavits und ein Studentenvisum für die Universität in Lincoln, Nebraska, USA. Im Januar 1938 brach er nach Hamburg auf, von wo sein Schiff in die USA ablegen sollte. <br />
<br />
Max lag in diesen Tagen nach einer Prostataoperation im Krankenhaus. Sein Sohn verabschiedete sich von ihm am Krankenbett mit dem Versprechen, ihn in die USA nachzuholen.<br />
Im den folgenden Jahren spielte sich ein nervenaufreibendes Drama um die Ausreise von Max in die USA ab.<br />
Im Februar 1939 erhielt Max eine Bescheinigung des amerikanischen Generalkonsulats in Berlin, wonach sein Ausreiseantrag mit der Wartenummer 66870 vermerkt sei. (Insgesamt haben die Vereinigten Staaten zwischen 1933 und dem Beginn des 2. Weltkriegs 95000 Juden aus Österreich und Deutschland aufgenommen.)<br />
<br />
Sein Sohn – er hatte seinen Vornamen inzwischen in Stephen geändert – war inzwischen mit der Finanzierung der Ausreise beschäftigt. Max durfte in Deutschland über sein zum großen Teil in Aktien angelegtes Vermögen nicht verfügen. Die Aktien, wie auch andere Vermögenswerte, sind nach seiner Vermögenserklärung 1942 „dem Reich verfallen“.<br />
Da das bürokratische Verfahren sich immer länger hinzog und eine offizielle Einreise in die USA anhand der enormen Warteliste immer aussichtsloser erschien, versuchte Stephen mit Hilfe eines Kuba Touristen Visums den Weg über Havanna in die USA zu organisieren. Auch hier ergaben sich zahllose Schwierigkeiten, die sich bis 1941 hinzogen. <br />
Die Verfolgung der Juden in Deutschland war in dieser Zeit immer gnadenloser geworden und eine offizielle Ausreise war ihnen längst nicht mehr gestattet. <br />
Max Fraenkel war 1941 die Wohnung in der Markgraf–Albrecht–Straße 13 gekündigt worden und er bewohnte ein Zimmer in der Droysenstraße 5 zur Untermiete – zusammen mit seiner Schwägerin Recha Schaub, der Schwester seiner Frau Martha. Das Mobiliar der 3-Zimmerwohnung hatte weit unter Wert verschleudert werden müssen oder war irgendwo in der Nürnberger Straße eingelagert worden. Einige Wertsachen, darunter 2 goldene Uhren und ein Armband wurden im Garten einer Villa in der Stallupöner Allee 52 vergraben.<br />
Trotz allem hatte Max offenbar seinen Glauben daran nicht verloren, dass ein Regime, das ihn verfolgte, entrechtete und töten würde, ihm einen letzten Willen gestattete. Er verfasste am 12. Juli 1940 ein Testament, in dem er nach seinem Tod seinen Sohn als Alleinerben einsetzte, die Jüdische Gemeinde mit der Pflege des Grabes seiner Frau beauftragte, seine Schwägerin Recha Schaub finanziell bedachte und ihr die Versorgung seines Hundes Männe übertrug. Im Oktober 1941 änderte er es noch einmal ab und setzte nun Stephens Ehefrau Josephine als Haupterbin ein.<br />
Im Juni 1942, zwei Wochen vor seiner Deportation nach Theresienstadt, führte er in einer 16seitigen Vermögenserklärung akribisch auf, was sein Eigentum war. Die Geheime Staatspolizei protokollierte: „ Der Jude Sally Fraenkel ist am 14.7.42 nach dem Osten außerhalb der Reichsgrenze evakuiert worden. Sein Vermögen ist mit dem gleichen Tag dem Reich verfallen.“<br />
Über das Deutsche Rote Kreuz konnte Max Sali Fraenkel am 18. Juni 1942 seinem Sohn noch eine letzte Nachricht aus Berlin zukommen lassen.<br />
<br />
Nach fast zwei Jahren im völlig überfüllten Ghetto Theresienstadt ist der einst geachtete Berliner Bankkaufmann Max Sali Fraenkel entrechtet und ausgeraubt am 16. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz weiterverschleppt und dort ermordet worden.

Nach neueren Recherchen (2021) hätte der Stolperstein für Sali Max Fraenkel vor dem Haus Nr. 13 verlegt werden müssen, in dem er von 1933 bis 1941 freiwillig wohnte.

Sali Max Fraenkel, er selbst nannte sich privat stets Max, wurde am 21. Februar 1878 im oberschlesischen Zülz, Kreis Neustadt, geboren. Der Stammbaum seiner Familie väterlicherseits kann bis in das späte 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Max lernte seinen Vater, den Getreidekaufmann Simon Fraenkel nie wirklich kennen. Er starb am 8. August 1882, als Max noch ein Kleinkind war. Seine Mutter Anna zog mit ihm und seinen Geschwistern in das nur 7 Kilometer entfernte Neustadt. Dort machte er seinen Schulabschluss und in den späten 1890ern zog er nach Breslau, wo er eine Banklehre begann. Danach ging er nach Berlin, er hatte eine Anstellung bei der Disconto Gesellschaft bekommen. Später in den 20ern wurde er Depositen–Vorsteher bei der Deutschen Bank, er selbst gab seinen Beruf mit Bankvorsteher an. Sein Lebensmittelpunkt war bis zu seiner Deportation ununterbrochen in Berlin.
Max hatte acht Geschwister: Rosa *1861, Klara *1864, Eugen *1866, Hedwig * 1869, Fritz *1871, Paul *1875 und Olga und Jenny, die beide im Kleinkindalter starben. Die Mutter Anna geb. Kaufmann verstarb 1918 in Breslau.
Am 5. März 1916 hatte er, inzwischen schon 38 Jahre alt, in Breslau seine Frau Martha geb. Plessner geheiratet. Sie war am 5. Oktober 1888 in Kattowitz als Tochter von Emanuel Plessner, einem Kohlengroßhändler und dessen erster Ehefrau Friederike Landau geboren worden. Ihren Unterhalt verdiente sich Martha in Breslau als Klavierlehrerin. Ihr Sohn erinnerte sich später daran, wie sie mit ihrem wunderschönen Mezzosopran deutsche Lieder sang und sich selbst am Klavier begleitete.

Am 18. November 1917 kam im Jüdischen Krankenhaus im Wedding der einzige Sohn Stefan Joseph auf die Welt. Die Familie wohnte damals und für lange Jahre in der Wielandstraße 5. Es war zunächst eine glückliche Zeit für die Fraenkels. Sie lebten in Wohlstand in der großen Wohnung mit Hausmädchen. An den Wochenenden machten sie gemeinsam Ausflüge zu den Seen in der Umgebung Berlins und die Urlaube wurden gern an der Ostseeküste oder zum Wandern am Tegernsee verbracht. Beeinträchtigt wurde das Leben einzig durch die rasante Inflation, Max‘ regelmäßiges Einkommen brachte die Familie jedoch einigermaßen durch die schwierigen Jahre.
1929 erkrankte Martha Fraenkel an Lymphdrüsenkrebs. Am 22. Dezember 1932 erlag sie der heimtückischen Krankheit. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee bestattet.
Das Kapitel eines relativ unbeschwerten Familienlebens war mit dem Tod der Mutter beendet.
Max beschloss, die große Wohnung in der Wielandstraße aufzugeben und zog mit seinem inzwischen 15jährigen Sohn Stefan in eine 3-Zimmerwohnung in die Markgraf–Albrecht–Straße 13. Diese blieb seine Adresse bis kurz vor der Deportation. Der Eintrag auf der Sonderkartei für Juden, angelegt im Rahmen der Volkszählung 1939, nach dem Max Fraenkel in der Markgraf–Albrecht–Straße 5 gewohnt haben soll, kann nur auf einem Schreibfehler beruhen. In sämtlichen Dokumenten, die Max Fraenkel bis 1941 handschriftlich angefertigt hat, sowie allen Einträgen in den Berliner Adressbüchern bis 1940 ist die Markgraf–Albrecht–Straße 13 seine Wohnadresse gewesen.
Max und sein Sohn Stefan versuchten das Leben ohne die Ehefrau und Mutter so gut es ging zu gestalten. Max kaufte 1933 einen Dachshundwelpen, den er „Männe“ nannte und der ihn treu begleitete, bis im Mai 1942 die Verordnung erging, dass Juden das Halten von Haustieren verboten sei. Kummervoll ließ er 4 Wochen vor seiner eigenen Deportation Männe einschläfern und schrieb unter die Tötungsbescheinigung „Am 2.6.42 habe ich meinen lieben treuen Hund Männe durch den Tierarzt Oelhorn töten lassen. In Trauer Sali Fraenkel“.
Ab 1935 mussten Max und sein Sohn von der Pension leben, die ihm zunächst noch durch die Deutsche Bank regelmäßig ausgezahlt wurde. Später wurden große Teile der Pension willkürlich konfisziert und die Fraenkels gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. Das Hausmädchen musste entlassen werden und die Ausgaben für Ernährung, Kleidung und Sonstiges wurden drastisch gekürzt.
Stefan machte 1936 das Abitur an der damaligen Kaiser Friedrich Schule in der Knesebeckstraße, eine Immatrikulation an einer Universität war für ihn als jüdischem Jungen ausgeschlossen. So begann er im April 1936 eine Textilkaufmannslehre bei Sternberg & Salomon, verließ die Firma aber schon im Juli nach 3monatiger Probezeit. Max‘ und Stefans Leben stand von nun an einzig unter der Frage „Wie können wir physisch und finanziell überleben?“ Stefan konnte noch eine Ausbildung an der Technischen Hochschule in Hannover abschließen, bevor die jüdischen Studenten insgesamt exmatrikuliert wurden. Er kehrte zurück nach Berlin zu seinem Vater. Durch Vermittlung des jüdischen Mathematikprofessors Otto Toeplitz erhielt Stefan 3 Affidavits und ein Studentenvisum für die Universität in Lincoln, Nebraska, USA. Im Januar 1938 brach er nach Hamburg auf, von wo sein Schiff in die USA ablegen sollte.

Max lag in diesen Tagen nach einer Prostataoperation im Krankenhaus. Sein Sohn verabschiedete sich von ihm am Krankenbett mit dem Versprechen, ihn in die USA nachzuholen.
Im den folgenden Jahren spielte sich ein nervenaufreibendes Drama um die Ausreise von Max in die USA ab.
Im Februar 1939 erhielt Max eine Bescheinigung des amerikanischen Generalkonsulats in Berlin, wonach sein Ausreiseantrag mit der Wartenummer 66870 vermerkt sei. (Insgesamt haben die Vereinigten Staaten zwischen 1933 und dem Beginn des 2. Weltkriegs 95000 Juden aus Österreich und Deutschland aufgenommen.)

Sein Sohn – er hatte seinen Vornamen inzwischen in Stephen geändert – war inzwischen mit der Finanzierung der Ausreise beschäftigt. Max durfte in Deutschland über sein zum großen Teil in Aktien angelegtes Vermögen nicht verfügen. Die Aktien, wie auch andere Vermögenswerte, sind nach seiner Vermögenserklärung 1942 „dem Reich verfallen“.
Da das bürokratische Verfahren sich immer länger hinzog und eine offizielle Einreise in die USA anhand der enormen Warteliste immer aussichtsloser erschien, versuchte Stephen mit Hilfe eines Kuba Touristen Visums den Weg über Havanna in die USA zu organisieren. Auch hier ergaben sich zahllose Schwierigkeiten, die sich bis 1941 hinzogen.
Die Verfolgung der Juden in Deutschland war in dieser Zeit immer gnadenloser geworden und eine offizielle Ausreise war ihnen längst nicht mehr gestattet.
Max Fraenkel war 1941 die Wohnung in der Markgraf–Albrecht–Straße 13 gekündigt worden und er bewohnte ein Zimmer in der Droysenstraße 5 zur Untermiete – zusammen mit seiner Schwägerin Recha Schaub, der Schwester seiner Frau Martha. Das Mobiliar der 3-Zimmerwohnung hatte weit unter Wert verschleudert werden müssen oder war irgendwo in der Nürnberger Straße eingelagert worden. Einige Wertsachen, darunter 2 goldene Uhren und ein Armband wurden im Garten einer Villa in der Stallupöner Allee 52 vergraben.
Trotz allem hatte Max offenbar seinen Glauben daran nicht verloren, dass ein Regime, das ihn verfolgte, entrechtete und töten würde, ihm einen letzten Willen gestattete. Er verfasste am 12. Juli 1940 ein Testament, in dem er nach seinem Tod seinen Sohn als Alleinerben einsetzte, die Jüdische Gemeinde mit der Pflege des Grabes seiner Frau beauftragte, seine Schwägerin Recha Schaub finanziell bedachte und ihr die Versorgung seines Hundes Männe übertrug. Im Oktober 1941 änderte er es noch einmal ab und setzte nun Stephens Ehefrau Josephine als Haupterbin ein.
Im Juni 1942, zwei Wochen vor seiner Deportation nach Theresienstadt, führte er in einer 16seitigen Vermögenserklärung akribisch auf, was sein Eigentum war. Die Geheime Staatspolizei protokollierte: „ Der Jude Sally Fraenkel ist am 14.7.42 nach dem Osten außerhalb der Reichsgrenze evakuiert worden. Sein Vermögen ist mit dem gleichen Tag dem Reich verfallen.“
Über das Deutsche Rote Kreuz konnte Max Sali Fraenkel am 18. Juni 1942 seinem Sohn noch eine letzte Nachricht aus Berlin zukommen lassen.

Nach fast zwei Jahren im völlig überfüllten Ghetto Theresienstadt ist der einst geachtete Berliner Bankkaufmann Max Sali Fraenkel entrechtet und ausgeraubt am 16. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz weiterverschleppt und dort ermordet worden.