- Verlegeort
- Meinekestr. 7
- Bezirk/Ortsteil
- Charlottenburg
- Verlegedatum
-
24. Oktober 2008
- Geboren
- 04. Juni 1879 in Kreuzburg
- Deportation
- am 04. März 1943 nach Auschwitz
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Ermordet
- in Auschwitz
Hans G. Bernhardt wurde als Günther Hans Bernhardt am 4. Juni 1879 in Kreuzburg (Kluczbork, Polen) in Oberschlesien geboren. Seine Eltern waren der jüdische Buchhalter Alfred Bernhardt und dessen jüdische Ehefrau Klara Bernhardt geborene Breinersdorf. Sein Vater Alfred Bernhardt machte sich später als Kaufmann für Getreide und Futtermittel in Breslau selbstständig.
Hans wurde Bankbeamter von Beruf und ging nach Charlottenburg.
Wann und wo er seine spätere Ehefrau, die aus Brustawe (Brzostowo, Polen) im Kreis Militsch in Niederschlesien stammende Gertrud Hedwig Maria Lachnit (*10. Mai 1877), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 2. August 1913 in Charlottenburg. Hans’ Mutter und Gertruds Eltern, Franz Lachnit und Pauline Lachnit geborene Langer, waren bei der Hochzeit schon verstorben. Trauzeugen waren Gertruds 44-jähriger Bruder, der Kaufmann Fedor Lachnit und dessen 33-jährige Ehefrau Luise Lachnit geborene Kinzer.
Auf der Heiratsurkunde gab Hans als Religion evangelisch und Gertrud katholisch an. Hans und Gertrud wohnten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zusammen mit Fedor und Luise Lachnit in der Reichsstraße 104 in Charlottenburg. Hans’ Vater Alfred fiel im Ersten Weltkrieg 1918.
Die Ehe mit Gertrud blieb kinderlos. Hans machte Karriere als Bankdirektor und Bankvorsteher.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war er 54 und Gertrud 56 Jahre alt. Das erste rassistisch begründete Gesetz im Deutschen Reich war der sogenannte „Arierparagraph“ im Gesetz „Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933. Als „arisch“ galt nur der, der eine Abstammung von nichtjüdischen Großeltern beweisen konnte. Hans war zwar evangelisch getauft, aber seine Eltern waren Juden, somit war er im Sinne des Nationalsozialisten „Nichtarier“ und „Volljude“. Gertrud konnte ihre „arische Abstammung“ nachweisen.
Mit den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 mussten alle Bürger des Deutschen Reichs einen „Ariernachweis" vorlegen was den Juden jegliche staatsbürgerlichen Rechte nahm und zu ihrer wirtschaftlichen Ausgrenzung führte.
Hans verlor seine Stelle als Bankdirektor und lebte im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten mit seiner Ehefrau in einer „Mischehe".
Als Hans und Gertrud 1937 in die Meinekestraße 7 in Berlin-Charlottenburg zogen, führte ihn das Berliner Adressbuch 1938 als „Bankvorsteher a. D.“ Auch bei der „Minderheiten - Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wurden sie hier registriert. Das Berliner Adressbuch 1940 führte dann anstatt von Hans Bernhardt „Gertrud Bernhardt, Frau“ in der Meinekestraße 7.
Wann genau die beiden in die Erdgeschosswohnung des Hinterhauses der Prager Straße 29 (heute Grainauer Straße 13) in Berlin-Wilmersdorf zogen, konnte nicht recherchiert werden. Gertrud Bernhardt geborene Lachnit starb höchstwahrscheinlich hier. Durch den Tod seiner „arischen" Frau verlor Hans Günther Bernhardt den Schutz einer „Mischehe". Vermutlich musste er ab 1940/41 Zwangsarbeit leisten. Er zog zur Untermiete in die Spichernstraße 8 in die „Zwangswohnung“ des Hauptmieters Leo Hirsch, der mit seiner Ehefrau Marta Hirsch geborene Handwerg ebenfalls in einer „Mischehe" lebte. Bei der sogenannten Fabrikaktion am 27. Februar 1943 wurde Hans Günther Bernhardt bei der Arbeit festgesetzt und in einem Sammellager interniert.
Am 4. März 1943 deportierte ihn die Gestapo, ohne dass er eine Vermögenserklärung ausgefüllt hatte, mit dem 34. Osttransport zusammen mit 1.159 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz, wo sie ihn ermordeten. Hans Günther Bernhard starb mit 63 Jahren aufgrund von Verschwörungstheorien und antisemitischen Rassenwahn.
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