Dr. Julius Blumenthal

Verlegeort
Oranienburger Str. 1
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2007
Geboren
17. März 1900
Beruf
Rechtsanwalt
Ermordet
03. Dezember 1942 im KZ Sachsenhausen
  • Stolperstein für Julius Blumenthal.
    Stolperstein für Julius Blumenthal. Foto: D. Janke.

    Stolperstein für Julius Blumenthal. Foto: D. Janke.

Julius Blumenthal wurde am 17. März 1900 in Danzig (heute: Gdańsk / Polen) geboren. Seine Eltern waren der Rabbiner Dr. Louis Blumenthal, geboren 1866 in Samotschin (Szamocin), und die Lehrerin Flora Blumenthal, geb. 1877 als Flora Hollander in Wreschen (Wrzesnia). Noch vor dem ersten Geburtstag von Julius Blumenthal zog die Familie nach Berlin in eine Wohnung am Monbijouplatz 4. In Berlin war sein Vater als Rabbiner und Prediger in den Synagogen in der Oranienburger Straße und in der Lindenstraße tätig.<br />
Im Sommer 1917 legte Julius Blumenthal, bedingt durch den Ersten Weltkrieg, das Notabiturientenexamen ab und trat danach in den Vaterländischen Hilfsdienst ein. Nach Ende des Krieges begann er sein Studium der Rechtswissenschaften. Am 15. Oktober 1921 bestand er das erste juristisches Staatsexamen und begann daraufhin den drei Jahre dauernden Vorbereitungsdienst für den höheren juristischen Staatsdienst in Berlin-Pankow. 1923 promovierte er mit einer Arbeit über die „Die Ansprüche des Eigentümers bei eigenmächtigem oder strafbarem Besitzerwerb (§ 992 BGB)“ an der Universität Breslau. Die Zulassung als Rechtsanwalt bei den Berliner Landgerichten und beim Amtsgericht Berlin-Mitte erhielt er 1925. Daraufhin eröffnete er eine eigene Kanzlei in der Oranienburger Str. 1 in Berlin-Mitte.<br />
1930 heiratete er die aus Wuppertal-Barmen stammende Herta Wertheim. Das Paar war zunächst auch am Monbijouplatz 4 gemeldet und lebte vermutlich bei den Eltern von Julius Blumenthal. Herta Blumenthal arbeitete im Büro ihres Mannes. Soweit bekannt, blieb das Ehepaar kinderlos. Wie sein Vater Louis Blumenthal, der in verschiedenen Vereinen aktiv war, engagierte sich auch Julius Blumenthal sozial, unter anderem für das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde. Mittellosen bot er kostenlosen Rechtsbeistand an. <br />
Die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten unmittelbar einsetzende Ausgrenzung der Juden aus bestimmten Berufsgruppen traf auch den Rechtsanwalt Dr. Julius Blumenthal. Die anfangs noch geltenden Ausnahmeregelungen für jüdische Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges und sogenannte Alt-Anwälte trafen für ihn nicht zu. So blieben seine Anträge auf Aufhebung des gegen ihn erlassenen Vertretungsverbotes ohne Erfolg. Ende Mai 1933 wurde ihm die Zulassung als Rechtsanwalt endgültig entzogen und er musste seine Praxis aufgeben. Mitte der 1930er-Jahre verließ die Familie Blumenthal auch die Wohnung am Monbijouplatz. Der letzte Wohnsitz von Julius Blumenthal und seiner Frau war in der Rosenthaler Straße 40/41. Seine Eltern zogen in die Oranienburgerstraße 17.<br />
Nach dem Verlust seiner Praxis engagierte sich Dr. Julius Blumenthal intensiv für die Jüdische Gemeinde. Ab 1939 war er Leiter der Rechtsabteilung und wirkte außerdem als juristischer Berater in der Redaktion des „Jüdischen Nachrichtenblatts“ mit. Er verfasste an die 200 Artikel in der Rubrik „Aus Recht und Wirtschaft“, in denen er sich mit den immer zahlreicheren antisemitischen Gesetzen befasste, die die Nationalsozialisten erließen.<br />
Am 19. Oktober 1942 erteilte die Berliner Gestapo die Anweisung, dass sämtliche Angestellten der Jüdischen Gemeinde am folgenden Morgen anzutreten hätten. Bei dieser sogenannten Gemeindeaktion selektierte die Gestapo aus den Reihen der Angestellten eine Gruppe, die kurz darauf mit ihren Familien deportiert werden sollte. Einige der zum Transport bestimmten Angestellten tauchten jedoch unter. Die Gestapo nahm daraufhin 20 führende Gemeindemitglieder als Geiseln in Haft, darunter auch Dr. Julius Blumenthal. Er wurde zusammen mit sieben anderen Geiseln am 3. Dezember 1942 um 11.30 Uhr im KZ Sachsenhausen erschossen.<br />
Wenige Tage später, am 9. Dezember 1942, wurde seine Frau Herta Blumenthal zusammen mit weiteren Angehörigen sowie den übrigen Geiseln nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.<br />
Die Eltern von Dr. Julius Blumenthal wurden am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert und kamen dort ebenfalls ums Leben. <br />

Julius Blumenthal wurde am 17. März 1900 in Danzig (heute: Gdańsk / Polen) geboren. Seine Eltern waren der Rabbiner Dr. Louis Blumenthal, geboren 1866 in Samotschin (Szamocin), und die Lehrerin Flora Blumenthal, geb. 1877 als Flora Hollander in Wreschen (Wrzesnia). Noch vor dem ersten Geburtstag von Julius Blumenthal zog die Familie nach Berlin in eine Wohnung am Monbijouplatz 4. In Berlin war sein Vater als Rabbiner und Prediger in den Synagogen in der Oranienburger Straße und in der Lindenstraße tätig.
Im Sommer 1917 legte Julius Blumenthal, bedingt durch den Ersten Weltkrieg, das Notabiturientenexamen ab und trat danach in den Vaterländischen Hilfsdienst ein. Nach Ende des Krieges begann er sein Studium der Rechtswissenschaften. Am 15. Oktober 1921 bestand er das erste juristisches Staatsexamen und begann daraufhin den drei Jahre dauernden Vorbereitungsdienst für den höheren juristischen Staatsdienst in Berlin-Pankow. 1923 promovierte er mit einer Arbeit über die „Die Ansprüche des Eigentümers bei eigenmächtigem oder strafbarem Besitzerwerb (§ 992 BGB)“ an der Universität Breslau. Die Zulassung als Rechtsanwalt bei den Berliner Landgerichten und beim Amtsgericht Berlin-Mitte erhielt er 1925. Daraufhin eröffnete er eine eigene Kanzlei in der Oranienburger Str. 1 in Berlin-Mitte.
1930 heiratete er die aus Wuppertal-Barmen stammende Herta Wertheim. Das Paar war zunächst auch am Monbijouplatz 4 gemeldet und lebte vermutlich bei den Eltern von Julius Blumenthal. Herta Blumenthal arbeitete im Büro ihres Mannes. Soweit bekannt, blieb das Ehepaar kinderlos. Wie sein Vater Louis Blumenthal, der in verschiedenen Vereinen aktiv war, engagierte sich auch Julius Blumenthal sozial, unter anderem für das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde. Mittellosen bot er kostenlosen Rechtsbeistand an.
Die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten unmittelbar einsetzende Ausgrenzung der Juden aus bestimmten Berufsgruppen traf auch den Rechtsanwalt Dr. Julius Blumenthal. Die anfangs noch geltenden Ausnahmeregelungen für jüdische Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges und sogenannte Alt-Anwälte trafen für ihn nicht zu. So blieben seine Anträge auf Aufhebung des gegen ihn erlassenen Vertretungsverbotes ohne Erfolg. Ende Mai 1933 wurde ihm die Zulassung als Rechtsanwalt endgültig entzogen und er musste seine Praxis aufgeben. Mitte der 1930er-Jahre verließ die Familie Blumenthal auch die Wohnung am Monbijouplatz. Der letzte Wohnsitz von Julius Blumenthal und seiner Frau war in der Rosenthaler Straße 40/41. Seine Eltern zogen in die Oranienburgerstraße 17.
Nach dem Verlust seiner Praxis engagierte sich Dr. Julius Blumenthal intensiv für die Jüdische Gemeinde. Ab 1939 war er Leiter der Rechtsabteilung und wirkte außerdem als juristischer Berater in der Redaktion des „Jüdischen Nachrichtenblatts“ mit. Er verfasste an die 200 Artikel in der Rubrik „Aus Recht und Wirtschaft“, in denen er sich mit den immer zahlreicheren antisemitischen Gesetzen befasste, die die Nationalsozialisten erließen.
Am 19. Oktober 1942 erteilte die Berliner Gestapo die Anweisung, dass sämtliche Angestellten der Jüdischen Gemeinde am folgenden Morgen anzutreten hätten. Bei dieser sogenannten Gemeindeaktion selektierte die Gestapo aus den Reihen der Angestellten eine Gruppe, die kurz darauf mit ihren Familien deportiert werden sollte. Einige der zum Transport bestimmten Angestellten tauchten jedoch unter. Die Gestapo nahm daraufhin 20 führende Gemeindemitglieder als Geiseln in Haft, darunter auch Dr. Julius Blumenthal. Er wurde zusammen mit sieben anderen Geiseln am 3. Dezember 1942 um 11.30 Uhr im KZ Sachsenhausen erschossen.
Wenige Tage später, am 9. Dezember 1942, wurde seine Frau Herta Blumenthal zusammen mit weiteren Angehörigen sowie den übrigen Geiseln nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Die Eltern von Dr. Julius Blumenthal wurden am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert und kamen dort ebenfalls ums Leben.