Wolfgang Jacoby

Verlegeort
Oranienburger Str. 46 /47
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2010
Geboren
02. Juli 1912
Beruf
Künstler
Deportation
am 02. März 1943 nach Auschwitz
Überlebt
  • Wolfgang Jacoby © OTFW
    Wolfgang Jacoby © OTFW

    Wolfgang Jacoby © OTFW

Wolfgang Adolf Jacoby kam am 2. Juli 1912 in Berlin zur Welt. Er war das erste Kind von Ernestine Jacoby (geb. Jacoby) und Dr. Ernst Jacoby. Seine Eltern, die beide jüdisch waren, stammten aus Königsberg (heute: Kaliningrad / Russland). Wolfgang Jacoby wuchs mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Liselotte in seinem Geburtshaus in der Oranienburger Straße 46/47 auf, wo sein Vater eine Zahnarztpraxis betrieb. <br />
Ab 1918 besuchte Wolfgang Jacoby die Vorschule des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums. Im September 1930 bestand er dort das Abitur. Anschließend begann er an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität) Medizin zu studieren. Kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten meldete er sich zur ärztlichen Vorprüfung an, zog die Anmeldung aber im März 1933 zurück. Aufgrund der antijüdischen Demonstrationen an der Universität ließ er sich für das Sommersemester 1933 beurlauben, in der Hoffnung, dass sich die Lage wieder normalisieren würde. Im Herbst 1933 war es ihm dann aufgrund der antisemitischen Restriktionen nicht möglich, sein Studium fortzusetzen, und er wurde zum Jahresende exmatrikuliert. Wolfgang Jacoby nahm daraufhin Gesangsunterricht und war ab 1938 gelegentlich beim Jüdischen Kulturbund als Sänger engagiert. Damals wohnte er nach wie vor mit seinen Eltern und seiner Schwester in der Oranienburger Straße.<br />
1941 wurde Wolfgang Jacoby zu Zwangsarbeit verpflichtet und leistete zwei Jahre Arbeitsdienst bei den Metallwerken A. Laue in Reinickendorf, beim Lagerhaus Spreehof in der Köpenicker Straße und schließlich bei der Spedition Harry W. Hamacher. Mit seiner Schwester, die bei Siemens dienstverpflichtet war, wohnte er zuletzt in der Johannisstraße 8 bei Georg Selbiger zur Untermiete. Seine Eltern wurden am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert. Fünf Monate später wurde auch Wolfgang Jacoby von der Gestapo abgeholt. Während der sogenannten Fabrikaktion Ende Februar 1943 wurde er mit seiner Schwester in der gemeinsamen Wohnung verhaftet und zur Sammelstelle in der Reithalle der Kaserne Rathenower Straße gebracht. Am 2. März 1943 wurden beide vom Bahnhof Putlitzstraße (heute: Westhafen) nach Auschwitz deportiert. Nach der Ankunft wurde Wolfgang Jacoby von seiner Schwester getrennt, die er nie wieder sehen sollte. Wie seine Schwester wurden auch Wolfgang Jacobys Eltern in Auschwitz ermordet, wohin sie am 16. Mai 1944 von Theresienstadt verschleppt wurden.<br />
Wolfgang Jacoby kam nach Auschwitz-Monowitz und wurde dort zwei Jahre als Arbeitssklave der Bunawerke ausgebeutet. Als die Rote Armee näher rückte, wurde das Lager am 18. Januar 1945 evakuiert. Auf dem Abtransport Richtung Westen gelang es Wolfgang Jacoby am 21. Januar in der Nähe von Rybnik zu fliehen. Er wurde zunächst von Bauern versteckt und schlug sich nach sechs Wochen zur Roten Armee durch. Aus Sagan in Oberschlesien machte er sich nach Kriegsende auf den Rückweg nach Berlin, wo er am 11. Juni 1945 ankam. Von seiner Haftzeit behielt er schwere gesundheitliche Schäden zurück.<br />
Ab November 1945 wohnte Wolfgang Jacoby in Charlottenburg in der Mommsenstraße 7 bei Herbst zur Untermiete. Er nahm sein Gesangsstudium wieder auf und hatte 1947/48 ein festes Engagement als Opernsänger am Landestheater Schwerin. Anschließend lebte er als freier Künstler in Berlin und war ab 1950 mehrere Jahre arbeitslos. Er wohnte in der Fasanenstraße 44, dann in Neukölln in der Stuttgarter Straße 53 bei Hönicke zur Untermiete und schließlich in der Eisenacher Straße 48. Etwa von 1963 bis 1977 war er in der Musikabteilung der Amerika-Gedenkbibliothek tätig. Seinen letzten Wohnsitz hatte er im Pflegeheim Heinrich-Grüber-Haus am Teltower Damm 124 in Zehlendorf. Wolfgang Jacoby starb am 12. November 1987 im Alter von 75 Jahren in Berlin. Er ist auf dem Friedhof Zehlendorf in der Onkel-Tom-Straße beerdigt.<br />

Wolfgang Adolf Jacoby kam am 2. Juli 1912 in Berlin zur Welt. Er war das erste Kind von Ernestine Jacoby (geb. Jacoby) und Dr. Ernst Jacoby. Seine Eltern, die beide jüdisch waren, stammten aus Königsberg (heute: Kaliningrad / Russland). Wolfgang Jacoby wuchs mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Liselotte in seinem Geburtshaus in der Oranienburger Straße 46/47 auf, wo sein Vater eine Zahnarztpraxis betrieb.
Ab 1918 besuchte Wolfgang Jacoby die Vorschule des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums. Im September 1930 bestand er dort das Abitur. Anschließend begann er an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität) Medizin zu studieren. Kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten meldete er sich zur ärztlichen Vorprüfung an, zog die Anmeldung aber im März 1933 zurück. Aufgrund der antijüdischen Demonstrationen an der Universität ließ er sich für das Sommersemester 1933 beurlauben, in der Hoffnung, dass sich die Lage wieder normalisieren würde. Im Herbst 1933 war es ihm dann aufgrund der antisemitischen Restriktionen nicht möglich, sein Studium fortzusetzen, und er wurde zum Jahresende exmatrikuliert. Wolfgang Jacoby nahm daraufhin Gesangsunterricht und war ab 1938 gelegentlich beim Jüdischen Kulturbund als Sänger engagiert. Damals wohnte er nach wie vor mit seinen Eltern und seiner Schwester in der Oranienburger Straße.
1941 wurde Wolfgang Jacoby zu Zwangsarbeit verpflichtet und leistete zwei Jahre Arbeitsdienst bei den Metallwerken A. Laue in Reinickendorf, beim Lagerhaus Spreehof in der Köpenicker Straße und schließlich bei der Spedition Harry W. Hamacher. Mit seiner Schwester, die bei Siemens dienstverpflichtet war, wohnte er zuletzt in der Johannisstraße 8 bei Georg Selbiger zur Untermiete. Seine Eltern wurden am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert. Fünf Monate später wurde auch Wolfgang Jacoby von der Gestapo abgeholt. Während der sogenannten Fabrikaktion Ende Februar 1943 wurde er mit seiner Schwester in der gemeinsamen Wohnung verhaftet und zur Sammelstelle in der Reithalle der Kaserne Rathenower Straße gebracht. Am 2. März 1943 wurden beide vom Bahnhof Putlitzstraße (heute: Westhafen) nach Auschwitz deportiert. Nach der Ankunft wurde Wolfgang Jacoby von seiner Schwester getrennt, die er nie wieder sehen sollte. Wie seine Schwester wurden auch Wolfgang Jacobys Eltern in Auschwitz ermordet, wohin sie am 16. Mai 1944 von Theresienstadt verschleppt wurden.
Wolfgang Jacoby kam nach Auschwitz-Monowitz und wurde dort zwei Jahre als Arbeitssklave der Bunawerke ausgebeutet. Als die Rote Armee näher rückte, wurde das Lager am 18. Januar 1945 evakuiert. Auf dem Abtransport Richtung Westen gelang es Wolfgang Jacoby am 21. Januar in der Nähe von Rybnik zu fliehen. Er wurde zunächst von Bauern versteckt und schlug sich nach sechs Wochen zur Roten Armee durch. Aus Sagan in Oberschlesien machte er sich nach Kriegsende auf den Rückweg nach Berlin, wo er am 11. Juni 1945 ankam. Von seiner Haftzeit behielt er schwere gesundheitliche Schäden zurück.
Ab November 1945 wohnte Wolfgang Jacoby in Charlottenburg in der Mommsenstraße 7 bei Herbst zur Untermiete. Er nahm sein Gesangsstudium wieder auf und hatte 1947/48 ein festes Engagement als Opernsänger am Landestheater Schwerin. Anschließend lebte er als freier Künstler in Berlin und war ab 1950 mehrere Jahre arbeitslos. Er wohnte in der Fasanenstraße 44, dann in Neukölln in der Stuttgarter Straße 53 bei Hönicke zur Untermiete und schließlich in der Eisenacher Straße 48. Etwa von 1963 bis 1977 war er in der Musikabteilung der Amerika-Gedenkbibliothek tätig. Seinen letzten Wohnsitz hatte er im Pflegeheim Heinrich-Grüber-Haus am Teltower Damm 124 in Zehlendorf. Wolfgang Jacoby starb am 12. November 1987 im Alter von 75 Jahren in Berlin. Er ist auf dem Friedhof Zehlendorf in der Onkel-Tom-Straße beerdigt.