Ida Spitz wurde 1897 in Wien in eine jüdische Familie geboren und zeigte schon früh musikalisches Talent. Sie nahm in ihrer Heimatstadt Unterricht beim selben Klavierlehrer wie ihr späterer Ehemann Fritz Schönthal. Nach langer Kriegsgefangenschaft von Fritz Schönthal heiratete das Paar 1920 noch in Wien und zog kurz darauf nach Hamburg. Dort absolvierte Idas Mann eine Ausbildung zum Kaufmann. Ida gebar 1924 ihre Tochter Ruth, die später eine international anerkannte Pianistin und Komponistin wurde. Um das Jahr 1925 ging die junge Familie nach Berlin, wo Fritz Schönthal ein erfolgreicher Unternehmer mit einem Löt- und Schweißbetrieb wurde. 1926 bekam Ida Schönthal noch ein Kind, das Peter genannt wurde.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das Leben der Schönthals drastisch. Ida Schönthals Tochter erinnerte sich später an den Terror vorbeiziehender Nazi-Schlägertruppen in der Oranienburger Straße, die die Familie immer stärker ängstigten. Wie alle jüdischen Kaufmänner wird auch Fritz Schönthal die wirtschaftlichen Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus zu spüren bekommen haben. Früh muss Ida und ihrem Mann klar gewesen sein, dass ein Leben in Deutschland keine Zukunft mehr hat.
Der letzte Berliner Wohnort der Familie in der Wielandstr. 18 in Berlin-Charlottenburg steht in Zusammenhang damit, dass Fritz Schönthal seine Geschäfte nach 1933 immer weiter einschränken musste. Ida und ihr Mann hatten sich offenbar zur Flucht entschieden. Es liegt kein genaues Umzugsjahr vor, auch bleibt unbekannt, ob es ein Zufall war, dass die Schönthals ausgerechnet in dieses Haus zogen, in dem es nicht feindlich zuging:
Am Haus in der Wielandstr. 18 erinnert eine Berliner Gedenktafel an den Hausmeister Otto Jogmin (1894-1989), der jüdischen Bewohnern und Bewohnerinnen couragiert half, indem er ihre Religionszugehörigkeit aus den Hausbüchern strich und einen Kellerdurchbruch für die spontane Flucht bei Durchsuchungen machte. Später wurde er als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Da die Wohnung der Schönthals noch nach ihrer Flucht bis 1939 unter deren Namen geführt wurde, besteht die Möglichkeit, dass der Hausmeister – wie in anderen, nachgewiesenen Fällen – weiteren Verfolgten einen temporären Schutz in der Wohnung vermitteln konnte.
Im Juni 1938 tarnten die Schönthals ihre Flucht aus Deutschland als Urlaubsreise. Ida Schönthal und ihre Familie zogen zunächst zum Bruder ihres Mannes nach Stockholm und dann in eine eigene Wohnung im Großraum der Stadt.
Ihre Tochter Ruth Schönthal berichtete in Interviews, dass ihr Vater angesichts der Nähe des nationalsozialistischen Deutschlands vergeblich versuchte, Visa für die U.S.A. zu erlangen. Letztlich erhielt er Ende März 1941 Visa für Mexiko.
Eine abenteuerliche und anstrengende, mehrmonatige Reise führte die Familie zunächst mit dem Flugzeug nach Moskau, dann mit der transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok und darauf mit dem Schiff nach Yokohama. Nach mehrwöchiger Wartezeit in Japan ging die Reise von Tokio nach Mexiko.
In Mexiko-Stadt baute Ida Schönthal mit ihrem Mann eine Manufaktur für mexikanisches Kunstgewerbe auf, an die ein Geschäft angegliedert war. Sie musste erleben, wie ihr Sohn Peter zunehmend an den erlittenen Traumata der Entwurzelung und Flucht litt, psychisch schwer erkrankte und 1942 starb. Ihre Tochter Ruth hingegen setzte das musikalische Erbe ihrer Eltern fort und konnte ihre Ausbildung zu einer Konzertpianistin und Komponistin fortsetzen.
Ida unterstütze ihre Tochter sehr und kümmerte sich nach deren ersten kurzen Ehe um ihren ersten Enkel, als Ruth 1946 mit einem Stipendium für Komposition an die Yale University ging. Nach dem Tod ihres Mannes 1953 zog Ida Schönthal sie zu ihrer Tochter Ruth und ihrer Familie in die USA.
Ida Schönthal starb 1988 in New Rochelle, U.S.A.
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