Peter Schönthal

Verlegeort
Oranienburger Straße 37
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
12. November 2025
Geboren
03. Mai 1926 in Berlin
Flucht
1938 nach Schweden, 1941 nach Mexiko
Tot
1942 in Mexiko-Stadt
Biografie

Peter wurde am 3. Mai 1926 in Berlin als Kind von Ida und Fritz Schönthal in eine jüdische Familie geboren. Sein Vater war begeisterter Amateurmusiker, konnte diese Leidenschaft aber aufgrund seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg und den darauffolgenden langen Jahren in Kriegsgefangenschaft nicht ausleben. So baute er stattdessen ein erfolgreiches Löt- und Schweißbetrieb auf. Auch Peters Mutter war musikalisch begabt, der junge Peter wird mit viel Musik und in Wohlstand aufgewachsen sein. Peter hatte eine zwei Jahre ältere Schwester namens Ruth, die später als Pianistin und Komponistin international bekannt werden sollte. Die Familie Schönthal lebte in einer repräsentativen Altbauwohnung der Oranienburger Str. 37 in Berlin-Mitte. 

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das Leben der Familie Schönthal drastisch. Peter erlebte den Terror vorbeiziehender Nazi-Schlägertruppen in der Oranienburger Straße, die die Familie immer stärker ängstigten. Wie alle jüdischen Kaufmänner wird auch sein Vater die wirtschaftlichen Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus zu spüren bekommen haben.

Der letzte Berliner Wohnort der Familie in der Wielandstr. 18 in Berlin-Charlottenburg steht in Zusammenhang damit, dass Fritz Schönthal seine Geschäfte nach 1933 zunehmend einschränken musste. Peters Eltern hatten sich offenbar zur Flucht entschieden. Es liegt kein genaues Umzugsjahr vor, auch bleibt unbekannt, ob es ein Zufall war, dass die Schönthals ausgerechnet in dieses Haus zogen, in dem es nicht feindlich zuging:

Am Haus in der Wielandstr. 18 erinnert eine Berliner Gedenktafel an den Hausmeister Otto Jogmin (1894-1989), der jüdischen Bewohnern und Bewohnerinnen couragiert half, indem er ihre Religionszugehörigkeit aus den Hausbüchern strich und einen Kellerdurchbruch für die spontane Flucht bei Durchsuchungen machte. Später wurde er als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Da die Wohnung der Schönthals noch nach ihrer Flucht bis 1939 unter deren Namen geführt wurde, besteht die Möglichkeit, dass der Hausmeister – wie in anderen, nachgewiesenen Fällen – weiteren Verfolgten einen temporären Schutz in der Wohnung vermitteln konnte.

Im Juni 1938 tarnten die Schönthals ihre Flucht aus Deutschland als Urlaubsreise. Peter Schönthal und seine Familie zogen zunächst zu einem Onkel nach Stockholm und dann in eine eigene Wohnung im Großraum der Stadt. Seine Schwester Ruth Schönthal berichtete in Interviews, dass ihr Vater angesichts der Nähe des nationalsozialistischen Deutschlands vergeblich versuchte, Visa für die U.S.A. zu erlangen. Letztlich erhielt er Ende März 1941 Visa für Mexiko.

Eine abenteuerliche und anstrengende, mehrmonatige Reise führte die Familie zunächst mit dem Flugzeug nach Moskau, dann mit der transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok und darauf mit dem Schiff nach Yokohama. Nach mehrwöchiger Wartezeit in Japan ging die Reise von Tokio nach Mexiko. All die Unsicherheit, die Angst und Sorge setzten dem Jungen stark zu. Peter erkrankte nach der Flucht in Mexiko-Stadt schwer an einer psychischen Krankheit und starb 1942 in Mexiko-Stadt. Da er ohne die sich über Jahre ziehende Flucht und Entwurzelung wahrscheinlich hätte besser gefördert und behandelt werden können, ist sein viel zu früher Tod auf dem Stolperstein vermerkt.