Julius Lewin

Verlegeort
Otawistr. 23
Historischer Name
Otawistr. 39
Bezirk/Ortsteil
Wedding
Verlegedatum
2008
Geboren
13. August 1896
Beruf
Maler
Deportation
am 10. Januar 1944 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 29. September 1944 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Julius Lewin © OTFW
    Julius Lewin © OTFW

    Julius Lewin © OTFW

Julius Lewin wurde am 15. Januar 1896 als Joel Lewin in Zgierz geboren, einer kleinen Stadt in der Nähe von Łódź, die zu diesem Zeitpunkt zum Russischen Kaiserreich gehörte. Sein Vater Reb Joschke Lewin betrieb einen Handel für jüdische Zeitungen. 1917 ging Joel Lewin nach Berlin, um dort Arbeit zu finden. Er hatte eine Malerausbildung absolviert. Durch seine Auswanderung verlor er die russische Staatsangehörigkeit, ohne dass er die deutsche erhielt. Daraufhin galt er als staatenlos. In Berlin lernte Joel Lewin die aus Pankow stammende Verkäuferin und Schneiderin Gertrud Tarrey kennen und die beiden verliebten sich. Da Joel Lewin in Berlin zunächst keine Arbeit fand, zogen sie kurz darauf nach Hamborn am Rhein, wo Gertrud Tarrey Verwandtschaft hatte. Am 16. April 1921 ließen sie sich auf dem Standesamt Hamborn trauen. Kurz darauf muss Joel Lewin seinen Vornamen in Julius geändert und den Behörden auch ein anderes Geburtsdatum angegeben haben, nämlich den 13. August 1896. So steht es in einem Ausweis, der im Jahr 1922 ausgestellt wurde, und diese Angaben finden sich auch in später datierten Dokumenten. Julius und Gertrud Lewin bekamen insgesamt fünf gemeinsame Kinder: Horst, Jenny, Edith, Ingeborg und Bernhard. Horst und Edith starben jedoch bereits im Kindesalter.<br />
<br />
1927 zog die Familie zurück nach Berlin. Dort machte sich Julius Lewin im März 1932 als Maler selbstständig. Sein Betrieb befand sich in der Otawistraße 23 im Berliner Wedding. Das Geschäft ging sehr gut, sodass er bereits 1934 drei Gesellen beschäftigte.<br />
<br />
Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, war die Familie Lewin bald von antisemitischen Verordnungen und Gesetzen betroffen. Nach der nationalsozialistischen Rassenlehre galt Julius Lewin, der zum evangelischen Glauben übergetreten war, als Jude, seine Frau als „Arierin“. Immer wieder wurden die Eheleute von den Behörden gedrängt, sich scheiden zu lassen. Im Februar 1938 ließen Julius und Gertrud Lewin ihre beiden Töchter in der Evangelischen Kapernaumgemeinde taufen, in der Hoffnung, sie dadurch vor weiterer Ausgrenzung zu schützen. Während die ältere Tochter Jenny die Schule 1938 noch beenden konnte, erhielt die damals zehnjährige Ingeborg im selben Jahr ein Schulverbot. Auch die berufliche Existenz von Julius Lewin war bedroht. Am 12. November 1938 hatten die Nationalsozialisten ein Gesetz erlassen, nach dem Juden kein selbstständiges Handwerk betreiben durften. Julius Lewin musste seinen Malerbetrieb schließen. Anschließend wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet, zuletzt bei dem Kohlehändler Max Miersch in Berlin-Steglitz. Am 9. August 1940 erließ die Berliner Polizei auf Grundlage der Ausländerpolizeiverordnung ein Aufenthaltsverbot für das Reichsgebiet gegen den staatenlosen Julius Lewin und seine Familie. Auf ein Gesuch der Ehefrau Gertrud Lewin wurde die achtwöchige Abzugsfrist bis zum Ende des Jahres 1941 verlängert. Doch der Druck auf die Eheleute ließ nicht nach. Im Oktober 1941 wurde Gertrud Lewin vor die Entscheidung gestellt, entweder umgehend die Wohnung in der Otawistraße zu räumen oder sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Sie gab schließlich nach und am 15. Februar 1942 erfolgte die erzwungene Scheidung. Julius Lewin fand zunächst in Berlin-Steglitz ein Zimmer zur Untermiete in der Frohnhofer Straße. Ab September 1943 wohnte er in der Bautzener Straße 13 in Berlin-Schöneberg. Auch nach der unfreiwilligen Trennung besuchte Julius Lewin seine Familie regelmäßig, nahm an Festen teil und unterstützte seine geschiedene Frau bei der Pflege ihres kranken Vaters.<br />
<br />
Am 7. Januar 1944 nahm die Gestapo Julius Lewin vor der Kohlenhandlung, in der er Zwangsarbeit leisten musste, fest. Man brachte ihn in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26. Von dort wurde er am 10. Januar 1944 mit dem „99. Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert.<br />
<br />
Julius Lewin hielt über Briefe mit seiner Familie Kontakt. So bekam er die Nachricht, dass sein erstes Enkelkind Dagmar im Juli 1944 geboren worden war. Der letzte Brief von Julius Lewin stammt vom 14. August 1944. Darin gratulierte er seiner Tochter zur Geburt des Kindes, sendete Grüße an die weitere Verwandtschaft und bedankte sich für den Erhalt eines Päckchens mit Lebensmitteln, das seine geschiedene Frau ihm geschickt hatte. <br />
<br />
Wenig später, am 29. September 1944, kam Julius Lewin auf einen Transport, der in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz ging. Von den insgesamt 1500 Jüdinnen und Juden dieses Transportes wurden 1343 in Auschwitz ermordet, darunter auch Julius Lewin. Das genaue Datum seines Todes ist nicht bekannt. <br />

Julius Lewin wurde am 15. Januar 1896 als Joel Lewin in Zgierz geboren, einer kleinen Stadt in der Nähe von Łódź, die zu diesem Zeitpunkt zum Russischen Kaiserreich gehörte. Sein Vater Reb Joschke Lewin betrieb einen Handel für jüdische Zeitungen. 1917 ging Joel Lewin nach Berlin, um dort Arbeit zu finden. Er hatte eine Malerausbildung absolviert. Durch seine Auswanderung verlor er die russische Staatsangehörigkeit, ohne dass er die deutsche erhielt. Daraufhin galt er als staatenlos. In Berlin lernte Joel Lewin die aus Pankow stammende Verkäuferin und Schneiderin Gertrud Tarrey kennen und die beiden verliebten sich. Da Joel Lewin in Berlin zunächst keine Arbeit fand, zogen sie kurz darauf nach Hamborn am Rhein, wo Gertrud Tarrey Verwandtschaft hatte. Am 16. April 1921 ließen sie sich auf dem Standesamt Hamborn trauen. Kurz darauf muss Joel Lewin seinen Vornamen in Julius geändert und den Behörden auch ein anderes Geburtsdatum angegeben haben, nämlich den 13. August 1896. So steht es in einem Ausweis, der im Jahr 1922 ausgestellt wurde, und diese Angaben finden sich auch in später datierten Dokumenten. Julius und Gertrud Lewin bekamen insgesamt fünf gemeinsame Kinder: Horst, Jenny, Edith, Ingeborg und Bernhard. Horst und Edith starben jedoch bereits im Kindesalter.

1927 zog die Familie zurück nach Berlin. Dort machte sich Julius Lewin im März 1932 als Maler selbstständig. Sein Betrieb befand sich in der Otawistraße 23 im Berliner Wedding. Das Geschäft ging sehr gut, sodass er bereits 1934 drei Gesellen beschäftigte.

Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, war die Familie Lewin bald von antisemitischen Verordnungen und Gesetzen betroffen. Nach der nationalsozialistischen Rassenlehre galt Julius Lewin, der zum evangelischen Glauben übergetreten war, als Jude, seine Frau als „Arierin“. Immer wieder wurden die Eheleute von den Behörden gedrängt, sich scheiden zu lassen. Im Februar 1938 ließen Julius und Gertrud Lewin ihre beiden Töchter in der Evangelischen Kapernaumgemeinde taufen, in der Hoffnung, sie dadurch vor weiterer Ausgrenzung zu schützen. Während die ältere Tochter Jenny die Schule 1938 noch beenden konnte, erhielt die damals zehnjährige Ingeborg im selben Jahr ein Schulverbot. Auch die berufliche Existenz von Julius Lewin war bedroht. Am 12. November 1938 hatten die Nationalsozialisten ein Gesetz erlassen, nach dem Juden kein selbstständiges Handwerk betreiben durften. Julius Lewin musste seinen Malerbetrieb schließen. Anschließend wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet, zuletzt bei dem Kohlehändler Max Miersch in Berlin-Steglitz. Am 9. August 1940 erließ die Berliner Polizei auf Grundlage der Ausländerpolizeiverordnung ein Aufenthaltsverbot für das Reichsgebiet gegen den staatenlosen Julius Lewin und seine Familie. Auf ein Gesuch der Ehefrau Gertrud Lewin wurde die achtwöchige Abzugsfrist bis zum Ende des Jahres 1941 verlängert. Doch der Druck auf die Eheleute ließ nicht nach. Im Oktober 1941 wurde Gertrud Lewin vor die Entscheidung gestellt, entweder umgehend die Wohnung in der Otawistraße zu räumen oder sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Sie gab schließlich nach und am 15. Februar 1942 erfolgte die erzwungene Scheidung. Julius Lewin fand zunächst in Berlin-Steglitz ein Zimmer zur Untermiete in der Frohnhofer Straße. Ab September 1943 wohnte er in der Bautzener Straße 13 in Berlin-Schöneberg. Auch nach der unfreiwilligen Trennung besuchte Julius Lewin seine Familie regelmäßig, nahm an Festen teil und unterstützte seine geschiedene Frau bei der Pflege ihres kranken Vaters.

Am 7. Januar 1944 nahm die Gestapo Julius Lewin vor der Kohlenhandlung, in der er Zwangsarbeit leisten musste, fest. Man brachte ihn in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26. Von dort wurde er am 10. Januar 1944 mit dem „99. Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Julius Lewin hielt über Briefe mit seiner Familie Kontakt. So bekam er die Nachricht, dass sein erstes Enkelkind Dagmar im Juli 1944 geboren worden war. Der letzte Brief von Julius Lewin stammt vom 14. August 1944. Darin gratulierte er seiner Tochter zur Geburt des Kindes, sendete Grüße an die weitere Verwandtschaft und bedankte sich für den Erhalt eines Päckchens mit Lebensmitteln, das seine geschiedene Frau ihm geschickt hatte.

Wenig später, am 29. September 1944, kam Julius Lewin auf einen Transport, der in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz ging. Von den insgesamt 1500 Jüdinnen und Juden dieses Transportes wurden 1343 in Auschwitz ermordet, darunter auch Julius Lewin. Das genaue Datum seines Todes ist nicht bekannt.