Otto Grünberg

Verlegeort
Pariser Str. 5
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
24. Februar 2020
Geboren
28. Juni 1890
Beruf
Landwirt
Deportation
am 03. Oktober 1942 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz
Ermordet
1944 in Auschwitz
  • Stolperstein Otto Grünberg, Foto: OTFW
    Stolperstein Otto Grünberg, Foto: OTFW

    Stolperstein Otto Grünberg, Foto: OTFW

Otto Grünberg wurde am 28. Juni 1890 im ostpreußischen Eydtkuhnen (heute: Tschernyschewskoje / Russland) geboren. Seine Eltern waren der Bankier Otto Anton Grünberg (1845–1930) und Dorothea Grünberg, geb. Bloch (1862–1942). Die Mutter stammte aus Wirballen in Ostpreußen, heute zu Litauen gehörend. Otto Anton Grünberg war Bankier in Königsberg, 1907 ist er im Adressbuch von Eydtkuhnen mit der Bezeichnung „Otto Grünberg Speditions- und Bankgeschäfte“ eingetragen. Er scheint auch Ländereien besessen zu haben, in einigen Dokumenten wird er als Gutsbesitzer bezeichnet. Eydtkuhnen, an der „Königlichen Ostbahn“ Berlin–Königsberg gelegen, erhielt als Grenzbahnhof Preußens zu Russland große Bedeutung. Es ließen sich dort zahlreiche Kaufleute und Spediteure nieder, so auch Otto Anton Grünberg. <br />
Otto Grünberg hatte sechs Geschwister, vier ältere – Olga Helene (1882–1945), Paul (1883–1933), Alexander (1885–1943) und Anton (1887–1945) – und zwei jüngere Alice (1892–1941) und Eugen (1889–1950). Die Eltern ließen sich am 3. Juli 1888 in Königsberg zusammen mit ihren vier ältesten Kindern protestantisch taufen. Auch Otto und seine Schwester Alice erhielten die Taufe, einzig über eine Taufe des jüngsten Sohn Eugen (1889–1950) gibt es keine Dokumente. Das frühe Bekenntnis zum Protestantismus hat der Familie zwischen 1933 und 1945 keine Sicherheit gebracht. Nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten galten sie als Juden. Otto, Alexander, Alice und ihre Mutter Dorothea wurden im Holocaust ermordet.<br />
Otto und zwei seiner Geschwister zog es nach Berlin. Eugen wurde Facharzt für Inneres in Berlin-Moabit, Alice Grünberg lebte bei ihrer Tante Elisabeth Zellermayer in der Bamberger Straße 18. Sie war als Stenotypistin im Büro des Pfarrers Grüber tätig. Otto Grünberg zog in die Pariser Straße 5, er blieb ledig und wohnte bei einem der anderen Mieter des Hauses zur Untermiete. Seinen Beruf gab er mit „Landwirt“ an, vielleicht hat er als Erbe die Ländereien seines Vaters in Ostpreußen verwaltet. Sein Bruder Alexander heiratete 1918 die protestantische Maria Feiser in Königsberg. Sie zogen zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Hamburg. 1942 ließen sie sich – ebenfalls in Königsberg – wieder scheiden. Das geschah sicherlich unter dem Zwang der nationalsozialistischen Rassegesetze.<br />
Otto Grünberg wurde auf Grund des „Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden“ vom April 1939 gezwungen, sein Zimmer in der Pariser Straße 5 zu verlassen. Ab September 1940 wohnte er zur Untermiete bei Sontheim in der Meineckestr. 12/13.<br />
Wenige Tage vor seiner Deportation nach Theresienstadt am 3. Oktober 1942 musste er eine „Vermögenserklärung“ gegenüber der Oberfinanzdirektion abgeben. Hierin erklärte er, bei der Schering A.G. für einen Monatslohn von 150 RM tätig gewesen zu sein, wovon er 50 RM als Miete abgeben musste. Es kann sich hierbei nur um Zwangsarbeit gehandelt haben. <br />
Ihm waren in seiner letzten Bleibe wenige Habseligkeiten geblieben: Ein Koffer und eine Holzkiste mit Kleidungsstücken, Wirtschafts- und Büroartikeln mit dem geschätzten Wert von 160 RM. Der Besitz eines schweren Stadtmantels, eines Ulsters, sowie eines Gehrockanzugs, einer weißen Jacke und 20 Oberhemden, die er in der Inventarliste angab, zeugten von gepflegtem Äußerem und einem gehobenen Lebensstil Otto Grünbergs in besseren Zeiten.<br />
Am 3. Oktober 1942 wurde Otto Grünberg zusammen mit 1021 weiteren Menschen mit dem „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt verschleppt. Er musste dort zwei Jahre unter den unmenschlichen Bedingungen des Gettos leben, bevor er am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort nach Ankunft ermordet wurde.<br />
Von den 1022 Deportierten dieses Transports nach Theresienstadt stammten 946 aus Berlin, unter ihnen 24 Bewohner des Siechenheims in der Auguststr. 14/16.<br />
Dorothea Grünberg, Ottos Mutter, wurde von Königsberg aus im August 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 12. Dezember 1942 ums Leben gebracht. Vielleicht ist Otto seiner Mutter im Getto noch einmal begegnet.<br />
Sein Bruder Alexander wurde am 1. März 1943 in Hamburg-Winterhude verhaftet und kam am 1943 in das KZ Fuhlsbüttel. Am 22. April 1943 deportierte man ihn nach Auschwitz, wo er am 20. September 1943 ermordet wurde. Für ihn liegt in Hamburg vor dem Haus Jean-Paul-Weg 10 ein Stolperstein.<br />
Alice Grünberg, Ottos jüngere Schwester, wurde am 29. November 1941 nach Riga deportiert und einen Tag darauf bei dem Massaker in Riga-Rumbula ermordet. Für sie liegt seit 2010 ein „Denkstein“ vor dem Haus Bamberger Straße 18.<br />
Eugen Grünberg überlebte den Holocaust und starb 1950 in Völklingen. <br />
Paul starb am 16. August 1933 in Königsberg. <br />
Antons Schicksal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist ungeklärt; Olgas letztes Lebenszeichen stammt von der Insel Rügen im Jahr 1945. Es wird vermutet, dass beide Geschwister auf der Flucht aus Ostpreußen ums Leben kamen.<br />

Otto Grünberg wurde am 28. Juni 1890 im ostpreußischen Eydtkuhnen (heute: Tschernyschewskoje / Russland) geboren. Seine Eltern waren der Bankier Otto Anton Grünberg (1845–1930) und Dorothea Grünberg, geb. Bloch (1862–1942). Die Mutter stammte aus Wirballen in Ostpreußen, heute zu Litauen gehörend. Otto Anton Grünberg war Bankier in Königsberg, 1907 ist er im Adressbuch von Eydtkuhnen mit der Bezeichnung „Otto Grünberg Speditions- und Bankgeschäfte“ eingetragen. Er scheint auch Ländereien besessen zu haben, in einigen Dokumenten wird er als Gutsbesitzer bezeichnet. Eydtkuhnen, an der „Königlichen Ostbahn“ Berlin–Königsberg gelegen, erhielt als Grenzbahnhof Preußens zu Russland große Bedeutung. Es ließen sich dort zahlreiche Kaufleute und Spediteure nieder, so auch Otto Anton Grünberg.
Otto Grünberg hatte sechs Geschwister, vier ältere – Olga Helene (1882–1945), Paul (1883–1933), Alexander (1885–1943) und Anton (1887–1945) – und zwei jüngere Alice (1892–1941) und Eugen (1889–1950). Die Eltern ließen sich am 3. Juli 1888 in Königsberg zusammen mit ihren vier ältesten Kindern protestantisch taufen. Auch Otto und seine Schwester Alice erhielten die Taufe, einzig über eine Taufe des jüngsten Sohn Eugen (1889–1950) gibt es keine Dokumente. Das frühe Bekenntnis zum Protestantismus hat der Familie zwischen 1933 und 1945 keine Sicherheit gebracht. Nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten galten sie als Juden. Otto, Alexander, Alice und ihre Mutter Dorothea wurden im Holocaust ermordet.
Otto und zwei seiner Geschwister zog es nach Berlin. Eugen wurde Facharzt für Inneres in Berlin-Moabit, Alice Grünberg lebte bei ihrer Tante Elisabeth Zellermayer in der Bamberger Straße 18. Sie war als Stenotypistin im Büro des Pfarrers Grüber tätig. Otto Grünberg zog in die Pariser Straße 5, er blieb ledig und wohnte bei einem der anderen Mieter des Hauses zur Untermiete. Seinen Beruf gab er mit „Landwirt“ an, vielleicht hat er als Erbe die Ländereien seines Vaters in Ostpreußen verwaltet. Sein Bruder Alexander heiratete 1918 die protestantische Maria Feiser in Königsberg. Sie zogen zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Hamburg. 1942 ließen sie sich – ebenfalls in Königsberg – wieder scheiden. Das geschah sicherlich unter dem Zwang der nationalsozialistischen Rassegesetze.
Otto Grünberg wurde auf Grund des „Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden“ vom April 1939 gezwungen, sein Zimmer in der Pariser Straße 5 zu verlassen. Ab September 1940 wohnte er zur Untermiete bei Sontheim in der Meineckestr. 12/13.
Wenige Tage vor seiner Deportation nach Theresienstadt am 3. Oktober 1942 musste er eine „Vermögenserklärung“ gegenüber der Oberfinanzdirektion abgeben. Hierin erklärte er, bei der Schering A.G. für einen Monatslohn von 150 RM tätig gewesen zu sein, wovon er 50 RM als Miete abgeben musste. Es kann sich hierbei nur um Zwangsarbeit gehandelt haben.
Ihm waren in seiner letzten Bleibe wenige Habseligkeiten geblieben: Ein Koffer und eine Holzkiste mit Kleidungsstücken, Wirtschafts- und Büroartikeln mit dem geschätzten Wert von 160 RM. Der Besitz eines schweren Stadtmantels, eines Ulsters, sowie eines Gehrockanzugs, einer weißen Jacke und 20 Oberhemden, die er in der Inventarliste angab, zeugten von gepflegtem Äußerem und einem gehobenen Lebensstil Otto Grünbergs in besseren Zeiten.
Am 3. Oktober 1942 wurde Otto Grünberg zusammen mit 1021 weiteren Menschen mit dem „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt verschleppt. Er musste dort zwei Jahre unter den unmenschlichen Bedingungen des Gettos leben, bevor er am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort nach Ankunft ermordet wurde.
Von den 1022 Deportierten dieses Transports nach Theresienstadt stammten 946 aus Berlin, unter ihnen 24 Bewohner des Siechenheims in der Auguststr. 14/16.
Dorothea Grünberg, Ottos Mutter, wurde von Königsberg aus im August 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 12. Dezember 1942 ums Leben gebracht. Vielleicht ist Otto seiner Mutter im Getto noch einmal begegnet.
Sein Bruder Alexander wurde am 1. März 1943 in Hamburg-Winterhude verhaftet und kam am 1943 in das KZ Fuhlsbüttel. Am 22. April 1943 deportierte man ihn nach Auschwitz, wo er am 20. September 1943 ermordet wurde. Für ihn liegt in Hamburg vor dem Haus Jean-Paul-Weg 10 ein Stolperstein.
Alice Grünberg, Ottos jüngere Schwester, wurde am 29. November 1941 nach Riga deportiert und einen Tag darauf bei dem Massaker in Riga-Rumbula ermordet. Für sie liegt seit 2010 ein „Denkstein“ vor dem Haus Bamberger Straße 18.
Eugen Grünberg überlebte den Holocaust und starb 1950 in Völklingen.
Paul starb am 16. August 1933 in Königsberg.
Antons Schicksal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist ungeklärt; Olgas letztes Lebenszeichen stammt von der Insel Rügen im Jahr 1945. Es wird vermutet, dass beide Geschwister auf der Flucht aus Ostpreußen ums Leben kamen.