Erwin Anton Gutkind wurde am 20. Mai 1886 in Berlin geboren. Er war der Sohn des jüdischen Kaufmanns und Industriellen Hermann Gutkind und seiner Frau Elise und der jüngere Bruder des Philosophen Erich Gutkind. Er studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin und promovierte dort 1914.
Nach einigen Jahren im Staatsdienst machte er sich 1923 selbstständig und war bis 1933 als erfolgreicher Architekt tätig, mit zahlreichen Wohnbauprojekten in Berlin in Reinickendorf, Pankow, Tempelhof, Tegel sowie der viel beachteten Doppelhaussiedlung „Neu Jerusalem” in Berlin-Staaken. (Dieser Name für die Wohnsiedlung wurde von der örtlichen Verwaltung vergeben und stammt nicht von Erwin Gutkind, ihrem Architekten).
Erwin Gutkind heiratete 1908 die Grafikerin Margarete Jaffé. Das Paar hatte drei Kinder. Ihr Sohn Claus starb im Alter von 17 Jahren an Diphtherie, ihre Tochter Gabriele wurde 1917 und ihr Sohn Peter 1925 geboren. Gutkind floh zunächst allein nach Paris und dann nach London, während seine Frau in Berlin blieb und sich um ihre Mutter und Schwiegermutter kümmerte. Alle drei sollten später von den Nazis ermordet werden. Seinen Kindern Gabriele und Peter gelang ebenfalls die Flucht, und sie folgten ihrem Vater nach London. Gabriele auf eigene Faust und Peter mit einem Kindertransport.
Erwin Gutkind sollte nicht mehr als Architekt arbeiten. Er wurde Mitglied der Alliierten Kontrollkommission für Berlin und arbeitete anschließend als Planungsberater für die lokalen Behörden in London. 1946 nahm er eine Stelle an der University of Pennsylvania in Philadelphia, USA, an. Als renommierter Autor seiner Zeit vollendete er sechs von zehn geplanten Bänden zur internationalen Geschichte der Stadtentwicklung. Er starb am 7.8.1968 in Philadelphia.
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