Martha Dornblatt geb. Buchholz

Verlegeort
Prager Straße 5
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
10. April 2024
Geboren
04. Februar 1871 in Berlinchen (Brandenburg) / Barlinek
Flucht in den Tod
04. September 1942 in Berlin
Biografie

Martha Dornblatt wurde als Martha Buchholz am 4. Februar 1871 in Berlinchen (Barlinek, Polen) im Kreis Soldin in der preußischen Provinz Brandenburg geboren. Für ihre Eltern, den aus Unruhstadt (Kargowa, Polen) stammenden Schneider Michael Max Buchholz (*1844) und dessen Ehefrau Ernestine Ester Buchholz geborene Gumpert (*1845), war sie die ältere von zwei Töchtern. Ihre Schwester Anna (*1873) kam zwei Jahre nach Martha zur Welt.

Wann und wo Martha ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Martin Albert Dornblatt (*15. Mai 1857), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 26. Oktober 1893. Martin war damals 36 und Martha 22 Jahre alt. Die Familie Buchholz wohnte zu der Zeit in der Elsasser Straße 19 (ab 1940 Elsässer Straße) in Berlin-Mitte und die Familie Dornblatt in der Lichterfelder Straße 5 in Berlin-Lichterfelde. Am 10. September 1894 wurde ihr erster Sohn geboren. Sie nannten ihn Bernhard, in Erinnerung an Marthas Großvater Bernhard. Die kleine Familie Dornblatt wohnte anfangs bei Marthas Eltern in der Elsasser Straße 19 in Berlin-Mitte. Der zweite Sohn Albert Georg kam am 19. Januar 1899 in der Elsasser Straße 7 zur Welt.

Zehn Tage vor der Geburt von Albert Georg war Marthas Schwester Anna im 25. Lebensjahr nach langem schweren Leiden gestorben. Die Söhne wuchsen in der Klopstockstraße 52 im Berliner Hansaviertel auf.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, war Martin 57 Jahre, der Sohn Bernhard 20 Jahre und der jüngste Sohn Albert Georg 15 Jahre alt. Vermutlich wurde Bernhard zum Militär eingezogen.

Bernhard reiste 1928 in die USA, wo er an der University of Georgia Bauingenieurwesen studierte und mit dem Bachelor abschloss.

Von 1921 bis 1938 arbeitete Martin laut Handelsregister als selbstständiger Vertreter für auswärtige Angelegenheiten und Fabrikanten. In dieser Zeit wohnte er zusammen mit Martha und Albert Georg in der Würzburger Straße 6 in Berlin-Schöneberg. 

Noch 1938 zogen Martha und Martin in die Prager Straße 22 (heute Nr. 5). 1939 und 1940 war Martin Dornblatt unter dieser Anschrift im Berliner Adressbuch zu finden. 

Kurz nach der Pogromnacht im November 1938 wurde ihr Sohn Bernhard von den Nationalsozialisten festgesetzt und im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Vermutlich wurde er Anfang 1939 mit der Auflage, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen, freigelassen. Am 3. März 1939 gelang ihm mit seiner Ehefrau Dr. Alice Dornblatt geborene Schneider (*4. September 1907), die er 1937 geheiratet hatte, die Flucht nach Santiago de Chile. Der jüngste Sohn Albert Georg heiratete noch 1939 Agathe Regina Lewy (*1896). Sie flüchteten 1939 nach La Paz in Bolivien.

Martha und Martin waren vollkommen mittellos. Die Zuwendungen Ihrer Kinder wurden von der Gestapo beschlagnahmt. Vermutlich verkauften sie Möbel und Hausrat, um leben zu können.

Anfang September 1942 erreichte Martha und Martin der Deportationsbefehl in das Altersghetto Theresienstadt. Vom 3. bis 9. September 1942 gingen die 56. bis 60. Alterstransporte mit jeweils 100 Personen vom Anhalter Bahnhof in Berlin ab. Martin und Martha hatten sich für diesen Fall schon Schlafmittel besorgt, um ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Die 70-jährige Martha Dornblatt geborene Buchholz wurde am 4. September 1942 morgens um 8 Uhr tot in ihrer Wohnung in der Prager Straße 22 aufgefunden. Die genaue Todesstunde konnte nicht festgestellt werden. 

Der 85-jährige Martin Dornblatt wurde nach dem Auffinden umgehend in das Jüdische Krankenhaus in die Iranische Straße in Berlin-Wedding eingeliefert, wo er einen Tag später, am 5. September 1942, um 4 Uhr verstarb. Als Todesursache wurde „Schlafmittelvergiftung, Selbstmord“ angegeben. Martha und Martin wurden auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.