Erich Cohn

Verlegeort
Rudolstädter Str. 120
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
12. Juni 2009
Geboren
29. August 1891 in Kolmar (Posen) / Chodzież
Deportation
am 17. März 1943 nach Theresienstadt
Ermordet
17. November 1943 in Theresienstadt
Biografie

Erich Cohn wurde am 29. August 1891 in Chodziez (heute Chodzież, Polen), zwischen 1878 und 1920 Kolmar genannt, im Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen im Deutschen Reich geboren. Für seine Eltern, den Rechtsanwalt und Notar Moritz Cohn (*15. Juli 1855) und seine aus Preußisch Stargard, Westpreußen stammende Ehefrau Fanny Cohn geborene Brann (*4. Januar 1864), war er der einzige Sohn.

Während der Jahre 1913/14 und 1916/17 studierte Erich Cohn Architektur an der Technischen Hochschule in Berlin und wurde Architekt und Diplomingenieur von Beruf. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, wo er als Offizier mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse (E K II) ausgezeichnet wurde.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau Mathilde Baehr (*19. Mai 1892) aus Köln kennenlernte, ist nicht bekannt. Als sie 1923 heirateten, war Erich 32 und Mathilde 31 Jahre alt. Ihr erster Sohn Hans wurde am 23. Juni 1925 geboren. Drei Jahre nach ihm kam ihr zweiter Sohn Werner am 17. März 1928 zur Welt. Hans wurde nur vier Jahre alt und starb am 2. Dezember 1929. Zwei Tage später, am 4. Dezember 1929, starb mit 74 Jahren auch Erichs Vater Moritz Cohn. Seine Mutter wurde mit 65 Jahren Witwe. Damals wohnte Erichs Familie schon in der Rudolstädter Straße 120. Als Werner 1934 sechs Jahre alt war, bekam er einen kleinen Bruder, Herbert (*11. August 1934).

Vermutlich konnte Erich noch bis 1936 seinen Beruf als Architekt ausüben. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde er im amtlichen Fernsprechbuch unter der Bezeichnung Architekt geführt. In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurde er von der Gestapo festgesetzt und bis zum 14. Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war die 4-köpfige Familie weiterhin in der Rudolstädter Straße 120 gemeldet. Einen Monat später schickten sie ihren 11-jährigen Sohn Werner mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit. Sie sollten einander nie wieder sehen. Der 4-jährige Herbert blieb bei den Eltern.

Ab 1940 wurde Erich für 45 RM wöchentlich zur Zwangsarbeit in der Berliner Färberei und Druckerei R. Wolff KG in der Köpenicker Str. 18-20 in Berlin-Kreuzberg verpflichtet.

Die Wohnung in der Rudolstädter Straße 120 wurde ihnen gekündigt. Da seine Mutter Fanny am 17. März 1940 mit 76 Jahren starb, zogen sie in deren Wohnung in der Nauheimer Straße 27. Ihre bzw. die Wohnungseinrichtung und Hausrat der Mutter packten sie in 9 Kisten und lagerten diese in den Verschlag einer Speditionsfirma ein. 

Am Samstag, den 27. Februar 1943 verließ Erich seine Wohnung, um wie gewohnt zur Arbeit zu gehen, ohne zu wissen, dass er niemals wieder zurückkehren würde. Bei der Arbeit setzte ihn die Gestapo, wie viele anderen Juden und Jüdinnen, im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“ fest und brachte ihn höchstwahrscheinlich in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße in Berlin-Mitte. 

Seine Ehefrau Mathilde, die auch bei der Arbeit festgesetzt wurde, musste noch am gleichen Tag die 16-seitige Vermögenserklärung ausfüllen, um danach ihren 9-jährigen Sohn Herbert in das Sammellager zu holen. Er unterschrieb seine Vermögenserklärung am 28. Februar 1943. Die drei Cohns waren für den 33. Osttransport nach Auschwitz am 3. März 1943 vorgesehen, aber im letzten Augenblick noch von der Liste gestrichen worden. 

Bei der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 war beschlossen worden, dass neben alten Juden auch kriegsversehrte Juden und Juden mit Kriegsauszeichnungen in das Ghetto nach Theresienstadt deportiert werden sollten. Diesen Juden wurden Heimeinkaufsverträge angeboten, in denen ihnen angemessene Unterbringung, Verpflegung und ärztliche Versorgung zugesichert wurden. Durch diese falsche Zusage gelangte die NSDAP auf vorgeblich legalem Weg in den Besitz des Vermögens der Deportierten. 

Erich Cohn stand als ehemaligem Frontkämpfer mit Auszeichnung ein Heimplatz im Ghetto Theresienstadt zu. Am 8. März 1943 unterschrieben Erich und Mathilde gegen Zahlung von 6.480 RM einen solchen Heimeinkaufsvertrag. Ihr gesamtes Vermögen und Erlöse aus Versicherungen gingen damit an das Deutsche Reich über. Mit dem 4. großen Alterstransport wurden Erich, Mathilde und Herbert zusammen mit 1.200 Leidensgenossen am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert. Auf der Deportationsliste war hinter ihren Namen "Offizier E K II, Ehemann Offizier und Vater Offizier" vermerkt. Am 24. März, als die Familie schon längst im Ghetto war, wurde der Vertrag von dem Vorsitzenden der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Moritz Israel Henschel, und Dr. Israel Braun unterzeichnet. Erich Cohn überlebte das Ghetto aufgrund der unmenschlichen Bedingungen nur ein halbes Jahr. Er starb am 14. November 1943 mit 52 Jahren.

Aus Angst vor Aufständen im Ghetto begann die Gestapo am 28. September 1944 mit der Deportation von rund 18.500 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt nach Auschwitz. Auf einem der letzten Transporte am 9. Oktober 1944 befanden sich auch Mathilde Cohn und ihr Sohn Herbert. Kurz nach der Ankunft in dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden sie in den Gaskammern ermordet. Mathilde Cohn geborene Baehr starb mit 52 Jahren. Ihr Sohn Herbert wurde nur 10 Jahre alt.