Helene Cohn geb. Klein

Verlegeort
Stargarder Straße 38 /38a
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
30. März 2013
Geboren
15. November 1891
Deportation
am 17. November 1941 nach Kowno (Kauen)
Ermordet
25. November 1941 in Kowno (Kauen)
  • Stolperstein für Helene Cohn © OTFW
    Stolperstein für Helene Cohn © OTFW

    Stolperstein für Helene Cohn © OTFW

Helene Klein wurde am 15. November 1891 in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Händlers Moses Klein und seiner aus der Kreisstadt Kalisch (dem heutigen Kalisz) an der Prosna stammenden Ehefrau Chaje Laje Klein, geborene Sandelmann. Wenige Tage nach der Geburt von Helene verstarb ihre Mutter, vermutlich infolge der Entbindung, am 22. November 1891. Helene Klein wuchs im Kreis von zwei älteren Geschwistern auf: Ihre Brüder Josef und Hirsch Klein waren am 8. Februar 1885 und am 28. Juli 1886 zur Welt gekommen. Zum Zeitpunkt der Geburt von Helene wohnte die Familie in einer Wohnung in der Strelitzer Straße 55 im Brunnenviertel. Über die Kindheit und Jugend von Helene Klein und ihren Brüdern im Berlin der Kaiserzeit haben sich keine Informationen erhalten. Ihr Vater gehörte aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde Berlins.<br />
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Nach ihrer Schulausbildung wohnte Helene Klein in den 1910er-Jahren in einer Wohnung in der Putbusser Straße 54 und arbeitete als Lageristin in Berlin. In dieser Zeit lernte sie den drei Jahre älteren, aus Wronke (dem heutigen Wronki) stammenden Kaufmann Hermann Cohn kennen. Das Paar heiratete am 26. Juni 1919. Am 9. Mai 1920 kam ihr Sohn zur Welt, dem sie den Namen Fritz gaben. Im selben Jahr heiratete auch Helenes Bruder Josef Klein, die aus Kassel stammende Frieda Hahn. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie Cohn im Berlin der Weimarer Republik geben könnten.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Helene Cohn und ihre Angehörigen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik war Berlin zum Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen geworden und Anfang der 1930er-Jahre nahm die sichtbare Brutalität in Form von Straßenkämpfen, Saalschlachten und SA-Aufmärschen in den Straßen zu. Ab 1933 institutionalisierte sich der Rassismus mithilfe staatlicher Autorität. In der Position von Rechtlosen wurde die Familie Cohn fast täglich durch neue Erlasse und Sondergesetze drangsaliert. Ob die Cohns in den 1930er-Jahren und vor allem nach den Gewaltexzessen der Pogrome im Mai und November 1938 konkrete Schritte verfolgten, Deutschland zu verlassen, ist nicht bekannt. Sollten Pläne bestanden haben, so scheiterten sie letztlich. Im Mai 1939 lebte das Ehepaar Cohn zusammen mit ihrem inzwischen erwachsenen Sohn Fritz in einer Wohnung in der Stargarder Straße 38 im Prenzlauer Berg. Spätestens Anfang der 1940er-Jahre war das Leben in Berlin für die Familie zum Existenzkampf geworden. Alle drei Cohns mussten Zwangsarbeit für in Berlin ansässige Unternehmen leisten und konnten sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 teilte die Gestapo der Jüdischen Gemeinde Berlins mit, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Helene Cohn, ihr Ehemann Hermann und ihr Sohn Fritz erhielten den Deportationsbescheid Anfang November 1941. Sie wurden aus ihrer Wohnung in das für diesen Zweck provisorisch hergerichtete Sammellager in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße 7–8 verbracht. Von dort wurden die drei am 17. November 1941 mit dem „6. Osttransport“ über den Bahnhof Grunewald in das Ghetto Kaunas (Kowno) im heutigen Litauen deportiert. Nach ihrer Ankunft am 25. November 1941 wurden Hermann, Helene und Fritz Cohn durch das geteilte Ghetto zum Fort IX der historischen Stadtbefestigung geführt und dort erschossen. Helene Cohn war zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt, ihr Sohn war 21.<br />
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Das Schicksal von Helenes Bruder Hirsch Klein ist ungeklärt. Ihr Bruder Josef Klein wurde mit seiner Frau Frieda am 28. Mai 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Frieda Klein, geborene Hahn, überlebte die unmenschlichen Bedingungen in Theresienstadt knapp ein Jahr. Sie wurde im April 1944 in Theresienstadt ermordet. Josef Klein wurde am 9. Oktober 1944 aus Theresienstadt weiter nach Auschwitz deportiert, wo er vermutlich unmittelbar nach seiner Ankunft am 12. Oktober 1944 ermordet wurde.

Helene Klein wurde am 15. November 1891 in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Händlers Moses Klein und seiner aus der Kreisstadt Kalisch (dem heutigen Kalisz) an der Prosna stammenden Ehefrau Chaje Laje Klein, geborene Sandelmann. Wenige Tage nach der Geburt von Helene verstarb ihre Mutter, vermutlich infolge der Entbindung, am 22. November 1891. Helene Klein wuchs im Kreis von zwei älteren Geschwistern auf: Ihre Brüder Josef und Hirsch Klein waren am 8. Februar 1885 und am 28. Juli 1886 zur Welt gekommen. Zum Zeitpunkt der Geburt von Helene wohnte die Familie in einer Wohnung in der Strelitzer Straße 55 im Brunnenviertel. Über die Kindheit und Jugend von Helene Klein und ihren Brüdern im Berlin der Kaiserzeit haben sich keine Informationen erhalten. Ihr Vater gehörte aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde Berlins.

Nach ihrer Schulausbildung wohnte Helene Klein in den 1910er-Jahren in einer Wohnung in der Putbusser Straße 54 und arbeitete als Lageristin in Berlin. In dieser Zeit lernte sie den drei Jahre älteren, aus Wronke (dem heutigen Wronki) stammenden Kaufmann Hermann Cohn kennen. Das Paar heiratete am 26. Juni 1919. Am 9. Mai 1920 kam ihr Sohn zur Welt, dem sie den Namen Fritz gaben. Im selben Jahr heiratete auch Helenes Bruder Josef Klein, die aus Kassel stammende Frieda Hahn. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie Cohn im Berlin der Weimarer Republik geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Helene Cohn und ihre Angehörigen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik war Berlin zum Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen geworden und Anfang der 1930er-Jahre nahm die sichtbare Brutalität in Form von Straßenkämpfen, Saalschlachten und SA-Aufmärschen in den Straßen zu. Ab 1933 institutionalisierte sich der Rassismus mithilfe staatlicher Autorität. In der Position von Rechtlosen wurde die Familie Cohn fast täglich durch neue Erlasse und Sondergesetze drangsaliert. Ob die Cohns in den 1930er-Jahren und vor allem nach den Gewaltexzessen der Pogrome im Mai und November 1938 konkrete Schritte verfolgten, Deutschland zu verlassen, ist nicht bekannt. Sollten Pläne bestanden haben, so scheiterten sie letztlich. Im Mai 1939 lebte das Ehepaar Cohn zusammen mit ihrem inzwischen erwachsenen Sohn Fritz in einer Wohnung in der Stargarder Straße 38 im Prenzlauer Berg. Spätestens Anfang der 1940er-Jahre war das Leben in Berlin für die Familie zum Existenzkampf geworden. Alle drei Cohns mussten Zwangsarbeit für in Berlin ansässige Unternehmen leisten und konnten sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 teilte die Gestapo der Jüdischen Gemeinde Berlins mit, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Helene Cohn, ihr Ehemann Hermann und ihr Sohn Fritz erhielten den Deportationsbescheid Anfang November 1941. Sie wurden aus ihrer Wohnung in das für diesen Zweck provisorisch hergerichtete Sammellager in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße 7–8 verbracht. Von dort wurden die drei am 17. November 1941 mit dem „6. Osttransport“ über den Bahnhof Grunewald in das Ghetto Kaunas (Kowno) im heutigen Litauen deportiert. Nach ihrer Ankunft am 25. November 1941 wurden Hermann, Helene und Fritz Cohn durch das geteilte Ghetto zum Fort IX der historischen Stadtbefestigung geführt und dort erschossen. Helene Cohn war zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt, ihr Sohn war 21.

Das Schicksal von Helenes Bruder Hirsch Klein ist ungeklärt. Ihr Bruder Josef Klein wurde mit seiner Frau Frieda am 28. Mai 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Frieda Klein, geborene Hahn, überlebte die unmenschlichen Bedingungen in Theresienstadt knapp ein Jahr. Sie wurde im April 1944 in Theresienstadt ermordet. Josef Klein wurde am 9. Oktober 1944 aus Theresienstadt weiter nach Auschwitz deportiert, wo er vermutlich unmittelbar nach seiner Ankunft am 12. Oktober 1944 ermordet wurde.