Fritz Wolff

Verlegeort
Suarezstraße 46
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Verlegedatum
07. April 2022
Geboren
30. Mai 1901
Beruf
Exportkaufmann
Flucht
1939 - Belgien
Verhaftet
1941 in Rivesaltes
Inhaftiert (t.b.d.)
1942 in Drancy
Deportation
am 09. September 1942 nach Auschwitz
Ermordet
1942 in Auschwitz
  • Stolperstein Fritz Wolff, Foto: OTFW
    Stolperstein Fritz Wolff, Foto: OTFW

    Stolperstein Fritz Wolff, Foto: OTFW

  • Fritz Wolff; Foto: Memorial de la Shoa, Paris
    Fritz Wolff; Foto: Memorial de la Shoa, Paris

    Fritz Wolff; Foto: Memorial de la Shoa, Paris

Fritz Wolff wurde am 30. Mai 1901 als jüngstes Kind des jüdischen Buchdruckereibesitzers Gustav Wolff und seiner Frau Emma, geb. Sielmann, in Berlin-Mitte in der Roßstraße 4 geboren. Die Mutter war 1868 in Schöneck (Skarszewy) im damaligen Westpreußen geboren, das heute polnisch ist. 1892 heiratete sie in Berlin Gustav Wolff, der 1863 in Königsberg (heute Kaliningrad) geboren war. <br />
<br />
Gustav und Emma Wolff hatten vier Kinder, die alle in Berlin geboren wurden: <br />
- Walther, den ältesten Bruder von Fritz, geb. 1893, der als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm und mit dem Eisernen Kreuz geehrt wurde.1939 wurde er wegen sog. „Rassenschande“ verurteilt, weil er mit einer katholischen Mitarbeiterin eine Beziehung eingegangen war. Nach zwei Jahren Zuchthaus kam Walther in sog. „Sicherungsverwahrung“ ins KZ Sachsenhausen, wo er im Juni 1942 ermordet wurde. <br />
<br />
- Erich, geb. 1894, der mit seinem Bruder Walther die väterliche Buchdruckerei fortgeführt hatte. Als Erich die Urne seines Bruders übergeben bekam, ging er im September 1942 in den Untergrund und konnte sich bis zur Befreiung durch die Russen zweieinhalb Jahre im ehemaligen Heizungskeller der Katholischen Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Pankow, Schönhauser Straße, erfolgreich verstecken. Seine Unterstützerin und Lebensretterin, Dr. Margarete Sommer, damalige Leiterin des Hilfswerks des Berliner Episkopats, wurde 2003 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. (Sommer Margarete yadvashem.org) Erich verstarb 1969 in Berlin.<br />
<br />
- die Schwester Wally, geb. 1898, die wenige Wochen nach ihrer Geburt verstarb<br />
<br />
- und Fritz geb. 1901.<br />
<br />
Die Mutter Emma Wolff verstarb 1911 in Berlin, als Fritz gerade 10 Jahre alt war.<br />
Fritz Wolff war beruflich als angestellter Exportkaufmann tätig, als er Hertha Perl kennenlernte, die er im September 1931 heiratete. Fritz verfolgte mit Interesse die zionistische Bewegung. Als sein einziges Kind Helga am 10. Mai 1933 geboren wurde, schrieb er überschwänglich an seinen Schwager Günther Perl in Peru: „Heute … habe ich ein neues Licht gefunden, das meinen Glauben neu belebt hat und dass sich alles zum Besseren wenden wird, nämlich in Gestalt eines wunderschönen kleinen Mädchens namens Helgachen …“<br />
<br />
Entsprechend seiner zionistischen Überzeugung vertrat er die Auffassung, dass sich Juden zukünftig auf Dauer nur in Palästina entfalten könnten. Aus diesem Grund folgte er auch nicht der Bitte seiner Frau Hertha, zu seinem Schwager Günther Perl nach Lima, Peru, zu emigrieren. Erwerbslos, mit Berufsverbot belegt, und in Kenntnis des am 28. September 1939 ergangenen Zuchthausurteils gegen seinen Bruder Walther sowie angesichts der ständigen, unerträglichen Anfeindungen, denen die Wolffs als jüdische Familie ausgesetzt waren, sah er dennoch erst spät die Notwendigkeit auszuwandern.<br />
<br />
Er entschloss sich, mit seiner Familie Ende Dezember 1939 nach Brüssel, Belgien, zu fliehen. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Belgien ab dem 10. Mai 1940 wurde Fritz Wolff - wie alle deutschen Männer - von der belgischen Polizei wg. angeblich illegalen Aufenthaltes nach Paris abgeschoben. Nach einigen Wochen fand Hertha heraus, wohin man ihren Ehemann verschleppt hatte, und zog mit Tochter Helga ebenfalls nach Paris. In Frankreich wurde die Familie in verschiedenen Lagern interniert, bevor sie im März 1941 schließlich im Lager Rivesaltes bei Perpignan in Südfrankreich getrennt untergebracht wurde. <br />
<br />
Im August 1942 erfolgte die „Umsiedlung“ von jüdischen Lagerinsassen aus Rivesaltes in das Sammellager Drancy bei Paris. Kurz vorher hatten die Wolffs ihre Tochter Helga schweren Herzens in die Obhut von Quäkern gegeben in der Hoffnung, dadurch ihr junges Leben zu retten. Am 9. September 1942 wurden Fritz und Hertha Wolff in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich im Dezember desselben Jahres ermordet. Fritz Wolff war 41 Jahre alt.<br />
<br />

Fritz Wolff wurde am 30. Mai 1901 als jüngstes Kind des jüdischen Buchdruckereibesitzers Gustav Wolff und seiner Frau Emma, geb. Sielmann, in Berlin-Mitte in der Roßstraße 4 geboren. Die Mutter war 1868 in Schöneck (Skarszewy) im damaligen Westpreußen geboren, das heute polnisch ist. 1892 heiratete sie in Berlin Gustav Wolff, der 1863 in Königsberg (heute Kaliningrad) geboren war.

Gustav und Emma Wolff hatten vier Kinder, die alle in Berlin geboren wurden:
- Walther, den ältesten Bruder von Fritz, geb. 1893, der als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm und mit dem Eisernen Kreuz geehrt wurde.1939 wurde er wegen sog. „Rassenschande“ verurteilt, weil er mit einer katholischen Mitarbeiterin eine Beziehung eingegangen war. Nach zwei Jahren Zuchthaus kam Walther in sog. „Sicherungsverwahrung“ ins KZ Sachsenhausen, wo er im Juni 1942 ermordet wurde.

- Erich, geb. 1894, der mit seinem Bruder Walther die väterliche Buchdruckerei fortgeführt hatte. Als Erich die Urne seines Bruders übergeben bekam, ging er im September 1942 in den Untergrund und konnte sich bis zur Befreiung durch die Russen zweieinhalb Jahre im ehemaligen Heizungskeller der Katholischen Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Pankow, Schönhauser Straße, erfolgreich verstecken. Seine Unterstützerin und Lebensretterin, Dr. Margarete Sommer, damalige Leiterin des Hilfswerks des Berliner Episkopats, wurde 2003 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. (Sommer Margarete yadvashem.org) Erich verstarb 1969 in Berlin.

- die Schwester Wally, geb. 1898, die wenige Wochen nach ihrer Geburt verstarb

- und Fritz geb. 1901.

Die Mutter Emma Wolff verstarb 1911 in Berlin, als Fritz gerade 10 Jahre alt war.
Fritz Wolff war beruflich als angestellter Exportkaufmann tätig, als er Hertha Perl kennenlernte, die er im September 1931 heiratete. Fritz verfolgte mit Interesse die zionistische Bewegung. Als sein einziges Kind Helga am 10. Mai 1933 geboren wurde, schrieb er überschwänglich an seinen Schwager Günther Perl in Peru: „Heute … habe ich ein neues Licht gefunden, das meinen Glauben neu belebt hat und dass sich alles zum Besseren wenden wird, nämlich in Gestalt eines wunderschönen kleinen Mädchens namens Helgachen …“

Entsprechend seiner zionistischen Überzeugung vertrat er die Auffassung, dass sich Juden zukünftig auf Dauer nur in Palästina entfalten könnten. Aus diesem Grund folgte er auch nicht der Bitte seiner Frau Hertha, zu seinem Schwager Günther Perl nach Lima, Peru, zu emigrieren. Erwerbslos, mit Berufsverbot belegt, und in Kenntnis des am 28. September 1939 ergangenen Zuchthausurteils gegen seinen Bruder Walther sowie angesichts der ständigen, unerträglichen Anfeindungen, denen die Wolffs als jüdische Familie ausgesetzt waren, sah er dennoch erst spät die Notwendigkeit auszuwandern.

Er entschloss sich, mit seiner Familie Ende Dezember 1939 nach Brüssel, Belgien, zu fliehen. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Belgien ab dem 10. Mai 1940 wurde Fritz Wolff - wie alle deutschen Männer - von der belgischen Polizei wg. angeblich illegalen Aufenthaltes nach Paris abgeschoben. Nach einigen Wochen fand Hertha heraus, wohin man ihren Ehemann verschleppt hatte, und zog mit Tochter Helga ebenfalls nach Paris. In Frankreich wurde die Familie in verschiedenen Lagern interniert, bevor sie im März 1941 schließlich im Lager Rivesaltes bei Perpignan in Südfrankreich getrennt untergebracht wurde.

Im August 1942 erfolgte die „Umsiedlung“ von jüdischen Lagerinsassen aus Rivesaltes in das Sammellager Drancy bei Paris. Kurz vorher hatten die Wolffs ihre Tochter Helga schweren Herzens in die Obhut von Quäkern gegeben in der Hoffnung, dadurch ihr junges Leben zu retten. Am 9. September 1942 wurden Fritz und Hertha Wolff in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich im Dezember desselben Jahres ermordet. Fritz Wolff war 41 Jahre alt.