Bernhard Merkin

Verlegeort
Templiner Straße 17
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
12. Dezember 2007
Geboren
18. April 1922
Deportation
am 04. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolperstein für Bernhard Merkin.
    Stolperstein für Bernhard Merkin. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Bernhard Merkin. Foto: OTFW.

Bernhard Merkin wurde am 18. April 1922 in Berlin geboren. Er war der Sohn der Erna Merkin, geborene Simonsohn, die aus dem damals westpreußischen Dirschau bei Danzig (dem heutigen Tczew) stammte, und ihres Ehemanns, von dem sich keine Informationen erhalten haben. 1924 wurde Bernhards jüngerer Bruder Arno Merkin im russischen Baku (heute Aserbaischan) geboren. Ein Jahr später ließ sich Erna von ihrem Ehemann scheiden und zog mit den beiden Kleinkindern nach Berlin. Um den Jüngsten, Arno Merkin, kümmerten sich wohl ab Ende der 1920er-Jahre seine Großeltern mütterlicherseits, der Kaufmann und Rohproduktenhändler Emil Simonsohn und dessen Ehefrau Johanna Simonsohn, geborene Levy. Sie lebten Mitte der 1920er-Jahre in Danzig (Gdańsk) und ab den 1930er-Jahren in dem kleinen Dorf Ließau an der Weichsel (heute Lisewo Malborskie) nahe der polnischen Grenze, südlich der Danziger Bucht gelegen.<br />
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Bernhards Mutter war im Berlin der Weimarer Republik als Hutmacherin tätig, später sollte sie in den 1930er-Jahren auch als Verkäuferin arbeiten und schlug sich zuletzt – als jüdisch Verfolgte bereits aus ihren Berufen gedrängt und zunehmend entrechtet wurden – als Wirtschafterin in der Betreuung und der Haushaltsführung durch. Bernhard wuchs im Prenzlauer Berg auf. Er lebte mit seiner Mutter in der Choriner Straße 31 und ab 1936 in der Templiner Straße 17/Ecke Zionskirchstraße am Teutoburger Platz. Ebenfalls in Berlin in der Georgenkirchstraße im Friedrichshain lebte seine Tante Irmgard Fink, geborene Simonsohn, mit ihrem Ehemann Hermann und ihren beiden Kindern: Der im September 1921 geborene Arno Fink war mit Bernhard in etwa im gleichen Alter, seine 1926 geborene Cousine Edeltraut vier Jahre jünger. Außer diesem Zweig der Familie gab es noch Verwandte im westpreußischen Ließau. Bernhards Onkel Gershon Georg Simonsohn lebte hier mit seiner Ehefrau Johanna, geborene Zöllner und den in den frühen 1930er-Jahren geborenen Kindern Rudi Rafael und Margot.<br />
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Über die Kindheit und Jugend von Bernhard Merkin im Prenzlauer Berg haben sich kaum Informationen erhalten. So ist nicht bekannt, welche Schule er besuchte und wie sein Leben als Kind und Jugendlicher in dem Arbeiterviertel aussah, das vor allem zum Ende der Weimarer Republik hin, wie ganz Berlin, immer offener zum Schauplatz von politischen Aufmärschen, Saalschlachten und Straßenkämpfen, aber auch antisemitisch motivierter Gewalt und Ausschreitungen wurde. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Merkin. Arno Merkin konnte in Ließau seine Ausbildung nicht beenden. Er war nach der Schule in der Forstwirtschaft beschäftigt und bereitete sich Ende der 1930er-Jahre in Hachschara-Lagern im brandenburgischen Kaisermühl und Beerfelde bei Fürstenwalde auf die Auswanderung nach Palästina vor. Von Bernhard ist nicht bekannt, ob es ihm gelang, in Berlin einen Abschluss zu machen. Im November 1938 wurden jüdische Schüler von staatlichen Schulen ausgeschlossen, da war Bernhard gerade 16 Jahre alt. Danach hätte er nur noch Bildungseinrichtungen der jüdischen Gemeinde besuchen können. Im Jahr 1938 gaben die Großeltern von Bernhard außerdem ihren Wohnsitz in Ließau auf und zogen in die 1½-Zimmer-Wohnung in der Templiner Straße, in der außer Erna und Bernhard auch noch zwei jüdische Untermieter aufgenommen werden mussten. Spätestens ab 1941 mussten die 45-jährige Erna Merkin und ihr Sohn bei in Berlin ansässigen Betrieben Zwangsarbeit leisten; Bernhard zuletzt in einer Bautruppe der Deutschen Reichsbahn, seine Mutter in der Metallwarenfabrik „Vermata“ in der Michaelkirchstraße 15 in Kreuzberg. Ab September 1941 konnten sich die Merkins nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Im August 1942 wurde die Familie gewaltsam auseinandergerissen, als die Großeltern von Bernhard – beide weit über 70 Jahr alt – den Deportationsbescheid erhielten. Sie mussten sich im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26, dem ehemaligen Altenheim der Jüdischen Gemeinde, einfinden. Am 12. August 1942 wurden sie über den Güterbahnhof Moabit in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Bernhard und seine Mutter lebten noch bis März 1943 in Berlin. Dann wurden sie im Zuge der „Fabrik-Aktion“, mit der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert wurden, verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verbracht. Bernhards 47-jährige Mutter wurde am 3. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach der Ankunft – ermordet. Bernhard Merkin wurde einen Tag später, am 4. März 1943, ebenfalls nach Auschwitz deportiert und im Vernichtungslager ermordet. Zum Zeitpunkt der Deportation war Bernhard 20 Jahre alt.<br />
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Von den Familienangehörigen von Bernhard Merkin überlebten nur sein Cousin Rudi Rafael, seine Cousine Margot und seine Tante Johanna die NS-Verfolgung. Sein Onkel Gershon Georg Simonsohn war bereits im Januar 1940 unter ungeklärten Umständen im besetzten Polen ums Leben gekommen. Seine Tante Irmgard Fink war mit ihrem Ehemann, ihrem damals 21-jährigen Sohn Arno und ihrer 17-jährigen Tochter Edeltraut im Februar 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden. Bernhards Bruder Arno Merkin wurde im April 1942 in Beerfelde bei Fürstenwalde verhaftet und in das polnisch besetzte Gebiet deportiert, wo er vermutlich in einem der Vernichtungslager in Bełżec, Sobibór oder Treblinka ermordet wurde. Bernhards Großeltern wurden Opfer der katastrophalen Lebensbedingungen im Ghetto Theresienstadt. Bernhards Großvater Emil Simonsohn überlebte im Ghetto bis zum 3. April 1943, seine Großmutter Johanna Simonsohn bis zum 15. November 1944.

Bernhard Merkin wurde am 18. April 1922 in Berlin geboren. Er war der Sohn der Erna Merkin, geborene Simonsohn, die aus dem damals westpreußischen Dirschau bei Danzig (dem heutigen Tczew) stammte, und ihres Ehemanns, von dem sich keine Informationen erhalten haben. 1924 wurde Bernhards jüngerer Bruder Arno Merkin im russischen Baku (heute Aserbaischan) geboren. Ein Jahr später ließ sich Erna von ihrem Ehemann scheiden und zog mit den beiden Kleinkindern nach Berlin. Um den Jüngsten, Arno Merkin, kümmerten sich wohl ab Ende der 1920er-Jahre seine Großeltern mütterlicherseits, der Kaufmann und Rohproduktenhändler Emil Simonsohn und dessen Ehefrau Johanna Simonsohn, geborene Levy. Sie lebten Mitte der 1920er-Jahre in Danzig (Gdańsk) und ab den 1930er-Jahren in dem kleinen Dorf Ließau an der Weichsel (heute Lisewo Malborskie) nahe der polnischen Grenze, südlich der Danziger Bucht gelegen.

Bernhards Mutter war im Berlin der Weimarer Republik als Hutmacherin tätig, später sollte sie in den 1930er-Jahren auch als Verkäuferin arbeiten und schlug sich zuletzt – als jüdisch Verfolgte bereits aus ihren Berufen gedrängt und zunehmend entrechtet wurden – als Wirtschafterin in der Betreuung und der Haushaltsführung durch. Bernhard wuchs im Prenzlauer Berg auf. Er lebte mit seiner Mutter in der Choriner Straße 31 und ab 1936 in der Templiner Straße 17/Ecke Zionskirchstraße am Teutoburger Platz. Ebenfalls in Berlin in der Georgenkirchstraße im Friedrichshain lebte seine Tante Irmgard Fink, geborene Simonsohn, mit ihrem Ehemann Hermann und ihren beiden Kindern: Der im September 1921 geborene Arno Fink war mit Bernhard in etwa im gleichen Alter, seine 1926 geborene Cousine Edeltraut vier Jahre jünger. Außer diesem Zweig der Familie gab es noch Verwandte im westpreußischen Ließau. Bernhards Onkel Gershon Georg Simonsohn lebte hier mit seiner Ehefrau Johanna, geborene Zöllner und den in den frühen 1930er-Jahren geborenen Kindern Rudi Rafael und Margot.

Über die Kindheit und Jugend von Bernhard Merkin im Prenzlauer Berg haben sich kaum Informationen erhalten. So ist nicht bekannt, welche Schule er besuchte und wie sein Leben als Kind und Jugendlicher in dem Arbeiterviertel aussah, das vor allem zum Ende der Weimarer Republik hin, wie ganz Berlin, immer offener zum Schauplatz von politischen Aufmärschen, Saalschlachten und Straßenkämpfen, aber auch antisemitisch motivierter Gewalt und Ausschreitungen wurde. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Merkin. Arno Merkin konnte in Ließau seine Ausbildung nicht beenden. Er war nach der Schule in der Forstwirtschaft beschäftigt und bereitete sich Ende der 1930er-Jahre in Hachschara-Lagern im brandenburgischen Kaisermühl und Beerfelde bei Fürstenwalde auf die Auswanderung nach Palästina vor. Von Bernhard ist nicht bekannt, ob es ihm gelang, in Berlin einen Abschluss zu machen. Im November 1938 wurden jüdische Schüler von staatlichen Schulen ausgeschlossen, da war Bernhard gerade 16 Jahre alt. Danach hätte er nur noch Bildungseinrichtungen der jüdischen Gemeinde besuchen können. Im Jahr 1938 gaben die Großeltern von Bernhard außerdem ihren Wohnsitz in Ließau auf und zogen in die 1½-Zimmer-Wohnung in der Templiner Straße, in der außer Erna und Bernhard auch noch zwei jüdische Untermieter aufgenommen werden mussten. Spätestens ab 1941 mussten die 45-jährige Erna Merkin und ihr Sohn bei in Berlin ansässigen Betrieben Zwangsarbeit leisten; Bernhard zuletzt in einer Bautruppe der Deutschen Reichsbahn, seine Mutter in der Metallwarenfabrik „Vermata“ in der Michaelkirchstraße 15 in Kreuzberg. Ab September 1941 konnten sich die Merkins nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Im August 1942 wurde die Familie gewaltsam auseinandergerissen, als die Großeltern von Bernhard – beide weit über 70 Jahr alt – den Deportationsbescheid erhielten. Sie mussten sich im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26, dem ehemaligen Altenheim der Jüdischen Gemeinde, einfinden. Am 12. August 1942 wurden sie über den Güterbahnhof Moabit in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Bernhard und seine Mutter lebten noch bis März 1943 in Berlin. Dann wurden sie im Zuge der „Fabrik-Aktion“, mit der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert wurden, verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verbracht. Bernhards 47-jährige Mutter wurde am 3. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach der Ankunft – ermordet. Bernhard Merkin wurde einen Tag später, am 4. März 1943, ebenfalls nach Auschwitz deportiert und im Vernichtungslager ermordet. Zum Zeitpunkt der Deportation war Bernhard 20 Jahre alt.

Von den Familienangehörigen von Bernhard Merkin überlebten nur sein Cousin Rudi Rafael, seine Cousine Margot und seine Tante Johanna die NS-Verfolgung. Sein Onkel Gershon Georg Simonsohn war bereits im Januar 1940 unter ungeklärten Umständen im besetzten Polen ums Leben gekommen. Seine Tante Irmgard Fink war mit ihrem Ehemann, ihrem damals 21-jährigen Sohn Arno und ihrer 17-jährigen Tochter Edeltraut im Februar 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden. Bernhards Bruder Arno Merkin wurde im April 1942 in Beerfelde bei Fürstenwalde verhaftet und in das polnisch besetzte Gebiet deportiert, wo er vermutlich in einem der Vernichtungslager in Bełżec, Sobibór oder Treblinka ermordet wurde. Bernhards Großeltern wurden Opfer der katastrophalen Lebensbedingungen im Ghetto Theresienstadt. Bernhards Großvater Emil Simonsohn überlebte im Ghetto bis zum 3. April 1943, seine Großmutter Johanna Simonsohn bis zum 15. November 1944.