Erna Merkin geb. Simonsohn

Verlegeort
Templiner Straße 17
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
12. Dezember 2007
Geboren
24. Januar 1896
Deportation
am 03. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolperstein für Erna Merkin.
    Stolperstein für Erna Merkin. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Erna Merkin. Foto: OTFW.

Erna Simonsohn wurde am 24. Januar 1896 im damals westpreußischen Dirschau (dem heutigen Tczew in Polen) geboren. Sie war die Tochter des aus Krusch (Krucz) stammenden Rohproduktenhändlers Emil Simonsohn und der Johanna Simonsohn, geborene Levy. Erna hatte zwei jüngere Geschwister: Ihre Schwester Irmgard wurde ein Jahr nach ihr in Dirschau geboren, ihr jüngerer Bruder Gershon (oder Gerson) Georg im Jahr 1905 in Danzig (Gdańsk). Über die Kindheit und Jugend von Erna Simonsohn und ihrer Geschwister haben sich keine Informationen erhalten. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde der Kleinstadt Dirschau, zu der zum Zeitpunkt der Geburt von Erna etwas mehr als 300 Personen zählten. Als Folge der Wirtschaftskrise zum Ende des 19. Jahrhunderts und um die Jahrhundertwende herum verließ ein großer Anteil der jüdischen Bevölkerung Dirschau, um in größeren Städten Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Die Familie Simonsohn zog ins unweit gelegene Danzig, wo Ernas Vater in den 1920er-Jahren in der Gralathstraße (heute Józefa Hoene-Wrońskiego) im bürgerlichen Danziger Vorort Langfuhr als Vertreter gemeldet war. Später lebten Ernas Eltern bis 1938 in dem kleinen Grenzdorf Ließau (heute Lisewo Malborskie) an der östlichen Weichselseite von Dirschau (Tczew).<br />
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Erna Simonsohn heiratete als junge Frau – vermutlich Ende der 1910er-Jahre – einen Mann namens Merkin, zu dem leider weder sein Vorname noch andere Informationen bekannt sind. Am 18. April 1922 kam ihr erstes Kind, ihr Sohn Bernhard, in Berlin zur Welt. Knapp zwei Jahre später wurde am 13. Februar 1924 ihr zweiter Sohn Arno im damals russischen Baku (heute Aserbaidschan) geboren. 1925 ließ sich Erna Simonsohn von ihrem Mann scheiden und ging mit den beiden Kleinkindern zurück nach Berlin. Über das Leben von Erna Merkin im Berlin der Weimarer Republik haben sich kaum Informationen erhalten. Sie war in der Hauptstadt als Hutmacherin tätig, später ab Mitte der 1930er-Jahre arbeitete sie als Verkäuferin. Um ihren Sohn Arno kümmerten sich ihre Großeltern. Er wuchs bei Emil und Johanna Simonsohn in Ließau auf. Erna wohnte mit ihrem Sohn Bernhard im Prenzlauer Berg, zunächst in der Choriner Straße 31 und ab 1936 in der Templiner Straße 17 / Ecke Zionskirchstraße am Teutoburger Platz. In Berlin lebte auch ihre Schwester Irmgard, inzwischen verheiratete Fink, mit ihrem Ehemann Hermann und ihren 1921 und 1926 geborenen Kindern Arno und Edeltraud. Sie wohnten in einer Wohnung in der Georgenkirchstraße 18 in Friedrichshain. Ernas Bruder Gershon lebte mit seiner Ehefrau Johanna, geborene Zöllner, und den gemeinsamen Kindern Rudi Rafael und Margot in Ließau.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Erna Merkin und ihre Familienangehörigen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Ernas Kinder trafen zunächst vor allem Diskriminierungen und rassistische Verfolgung im Schul- und Bildungswesen. Arno konnte seine Ausbildung nicht beenden. Er war nach der Schule in der Forstwirtschaft beschäftigt und bereitete sich Ende der 1930er-Jahre in Hachschara-Lagern im brandenburgischen Kaisermühl und Beerfelde bei Fürstenwalde auf die Auswanderung nach Palästina vor. Ende 1938 verließen Ernas Eltern, Emil und Johanna Simonsohn, Ließau und zogen in die 1½-Zimmer-Wohnung ihrer Tochter in die Templiner Straße, in der Erna außerdem noch zwei Untermieter aufnehmen musste. Ab Oktober 1941 mussten die 45-jährige Erna Merkin und ihr Sohn bei in Berlin ansässigen Betrieben Zwangsarbeit leisten; Erna in der Metallwarenfabrik „Vermata“ in der Michaelkirchstraße 15 in Kreuzberg, Bernhard in einer Bautruppe der Deutschen Reichsbahn. Im August 1942 wurde die Familie gewaltsam auseinandergerissen, als Ernas 76-jähriger Vater und ihre 73-jährige Mutter aus der Wohnung in der Templiner Straße in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Erna und ihr Sohn Bernhard lebten noch bis März 1943 in Berlin, dann wurden sie im Zuge der „Fabrik-Aktion“, mit der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert wurden, verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verbracht. Erna Merkin wurde am 3. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Sie wurde 47 Jahre alt. Ihr 20-jähriger Sohn Bernhard wurde einen Tag später ebenfalls nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.<br />
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Von den Familienangehörigen von Erna Merkin überlebte nur ihr Neffe Rudi Rafael, ihre Nichte Margot und ihre Schwägerin Johanna die NS-Verfolgung. Ihr Bruder Gershon Simonsohn war bereits im Januar 1940 unter ungeklärten Umständen im besetzten Polen ums Leben gekommen. Ihre Schwester Irmgard Fink war mit ihrem Ehemann, ihrem 21-jährigen Sohn Arno und ihrer 17-jährigen Tochter Edeltraut im Februar 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Arno Merkin wurde im April 1942 in Beerfelde bei Fürstenwalde verhaftet und in das polnisch besetzte Gebiet deportiert, wo er vermutlich in einem der Vernichtungslager in Bełżec, Sobibór oder Treblinka ermordet wurde, in jedem Fall aber die NS-Zeit nicht überlebte. Ernas Eltern wurden Opfer der katastrophalen Lebensbedingungen in Theresienstadt. Emil Simonsohn überlebte im Ghetto bis zum 3. April 1943, Johanna Simonsohn bis zum 15. November 1944.

Erna Simonsohn wurde am 24. Januar 1896 im damals westpreußischen Dirschau (dem heutigen Tczew in Polen) geboren. Sie war die Tochter des aus Krusch (Krucz) stammenden Rohproduktenhändlers Emil Simonsohn und der Johanna Simonsohn, geborene Levy. Erna hatte zwei jüngere Geschwister: Ihre Schwester Irmgard wurde ein Jahr nach ihr in Dirschau geboren, ihr jüngerer Bruder Gershon (oder Gerson) Georg im Jahr 1905 in Danzig (Gdańsk). Über die Kindheit und Jugend von Erna Simonsohn und ihrer Geschwister haben sich keine Informationen erhalten. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde der Kleinstadt Dirschau, zu der zum Zeitpunkt der Geburt von Erna etwas mehr als 300 Personen zählten. Als Folge der Wirtschaftskrise zum Ende des 19. Jahrhunderts und um die Jahrhundertwende herum verließ ein großer Anteil der jüdischen Bevölkerung Dirschau, um in größeren Städten Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Die Familie Simonsohn zog ins unweit gelegene Danzig, wo Ernas Vater in den 1920er-Jahren in der Gralathstraße (heute Józefa Hoene-Wrońskiego) im bürgerlichen Danziger Vorort Langfuhr als Vertreter gemeldet war. Später lebten Ernas Eltern bis 1938 in dem kleinen Grenzdorf Ließau (heute Lisewo Malborskie) an der östlichen Weichselseite von Dirschau (Tczew).

Erna Simonsohn heiratete als junge Frau – vermutlich Ende der 1910er-Jahre – einen Mann namens Merkin, zu dem leider weder sein Vorname noch andere Informationen bekannt sind. Am 18. April 1922 kam ihr erstes Kind, ihr Sohn Bernhard, in Berlin zur Welt. Knapp zwei Jahre später wurde am 13. Februar 1924 ihr zweiter Sohn Arno im damals russischen Baku (heute Aserbaidschan) geboren. 1925 ließ sich Erna Simonsohn von ihrem Mann scheiden und ging mit den beiden Kleinkindern zurück nach Berlin. Über das Leben von Erna Merkin im Berlin der Weimarer Republik haben sich kaum Informationen erhalten. Sie war in der Hauptstadt als Hutmacherin tätig, später ab Mitte der 1930er-Jahre arbeitete sie als Verkäuferin. Um ihren Sohn Arno kümmerten sich ihre Großeltern. Er wuchs bei Emil und Johanna Simonsohn in Ließau auf. Erna wohnte mit ihrem Sohn Bernhard im Prenzlauer Berg, zunächst in der Choriner Straße 31 und ab 1936 in der Templiner Straße 17 / Ecke Zionskirchstraße am Teutoburger Platz. In Berlin lebte auch ihre Schwester Irmgard, inzwischen verheiratete Fink, mit ihrem Ehemann Hermann und ihren 1921 und 1926 geborenen Kindern Arno und Edeltraud. Sie wohnten in einer Wohnung in der Georgenkirchstraße 18 in Friedrichshain. Ernas Bruder Gershon lebte mit seiner Ehefrau Johanna, geborene Zöllner, und den gemeinsamen Kindern Rudi Rafael und Margot in Ließau.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Erna Merkin und ihre Familienangehörigen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Ernas Kinder trafen zunächst vor allem Diskriminierungen und rassistische Verfolgung im Schul- und Bildungswesen. Arno konnte seine Ausbildung nicht beenden. Er war nach der Schule in der Forstwirtschaft beschäftigt und bereitete sich Ende der 1930er-Jahre in Hachschara-Lagern im brandenburgischen Kaisermühl und Beerfelde bei Fürstenwalde auf die Auswanderung nach Palästina vor. Ende 1938 verließen Ernas Eltern, Emil und Johanna Simonsohn, Ließau und zogen in die 1½-Zimmer-Wohnung ihrer Tochter in die Templiner Straße, in der Erna außerdem noch zwei Untermieter aufnehmen musste. Ab Oktober 1941 mussten die 45-jährige Erna Merkin und ihr Sohn bei in Berlin ansässigen Betrieben Zwangsarbeit leisten; Erna in der Metallwarenfabrik „Vermata“ in der Michaelkirchstraße 15 in Kreuzberg, Bernhard in einer Bautruppe der Deutschen Reichsbahn. Im August 1942 wurde die Familie gewaltsam auseinandergerissen, als Ernas 76-jähriger Vater und ihre 73-jährige Mutter aus der Wohnung in der Templiner Straße in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Erna und ihr Sohn Bernhard lebten noch bis März 1943 in Berlin, dann wurden sie im Zuge der „Fabrik-Aktion“, mit der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert wurden, verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verbracht. Erna Merkin wurde am 3. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Sie wurde 47 Jahre alt. Ihr 20-jähriger Sohn Bernhard wurde einen Tag später ebenfalls nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Von den Familienangehörigen von Erna Merkin überlebte nur ihr Neffe Rudi Rafael, ihre Nichte Margot und ihre Schwägerin Johanna die NS-Verfolgung. Ihr Bruder Gershon Simonsohn war bereits im Januar 1940 unter ungeklärten Umständen im besetzten Polen ums Leben gekommen. Ihre Schwester Irmgard Fink war mit ihrem Ehemann, ihrem 21-jährigen Sohn Arno und ihrer 17-jährigen Tochter Edeltraut im Februar 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Arno Merkin wurde im April 1942 in Beerfelde bei Fürstenwalde verhaftet und in das polnisch besetzte Gebiet deportiert, wo er vermutlich in einem der Vernichtungslager in Bełżec, Sobibór oder Treblinka ermordet wurde, in jedem Fall aber die NS-Zeit nicht überlebte. Ernas Eltern wurden Opfer der katastrophalen Lebensbedingungen in Theresienstadt. Emil Simonsohn überlebte im Ghetto bis zum 3. April 1943, Johanna Simonsohn bis zum 15. November 1944.