Dr. Gerti Rubensohn geb. Will

Verlegeort
Vinetastr. 61
Historischer Name
Vinetastraße 61
Bezirk/Ortsteil
Pankow
Verlegedatum
30. Juli 2021
Geboren
13. Oktober 1902
Beruf
Chemikerin
Flucht in den Tod
21. August 1942 in Berlin
  • Stolperstein für Dr. Gerti Rubensohn, geb. Will
    Stolperstein für Dr. Gerti Rubensohn, geb. Will (Quelle: Stolpersteingruppe Alt Pankow)

    Stolperstein für Dr. Gerti Rubensohn, geb. Will (Quelle: Stolpersteingruppe Alt Pankow)

Gerti Will wurde am 13. Oktober 1902 in Neustettin (heute Szczecinek) als Tochter des Arztes Dr. med. Benno Will und seiner Frau Rosa, geb. Conrad, geboren. Über das Leben der Familie ist wenig bekannt. 1908 zogen sie nach Berlin in die Kopenhagener Straße 16. Dort hatte der Vater eine Arztpraxis bis Mitte der dreißiger Jahre.<br />
Gerti besuchte die Sophien-Töchterschule in der Weinmeisterstraße 16/17, in der es einen besonders hohen Anteil von jüdischen Schülerinnen gab. Dort machte sie 1922 an der 2. Städtischen Studienanstalt ihr Abitur. Danach studierte sie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Chemie, eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung, wenn auch inzwischen immer mehr Frauen die Universitäten besuchten und promovierten. Nach dem Abschluss des Chemiestudiums im Jahre 1927 arbeitete Gerti Will an ihrer Dissertation zum Thema „Über die Konstitution des Glykogens“, die sie 1928 zusammen mit ihrem Professor Hans Pringsheim (1876–1940) publizierte (Beiträge zur Chemie der Stärke, XXI.) <br />
Am 5. März 1929 wurde Gerti Will zur Dr. phil. promoviert (den Titel „rer. nat.“ gab es damals noch nicht). 1932 heiratete sie den Studienassessor Erich Rubensohn.<br />
Sie fand Arbeit im Redaktionsteam des berühmten „Beilstein“, dem bis heute weltweit bedeutenden Handbuch der Organischen Chemie. Nachweislich gehörte sie zum Redaktionsstab für den Band 17 von 1934. <br />
Wie ihr Doktorvater, Prof. Hans Pringsheim, der gleich 1933 nach Paris und 1937 nach Genf emigriert war, geriet auch Dr. Gerti Rubensohn in den Sog der nationalsozialistischen Rassenvorstellungen. Auch beim Redaktionsstab des „Beilstein“ vollzogen sich die Prozesse von Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen. Es kam zur Entlassung von Führungskräften und Mitarbeiter*innen, so auch von Dr. Gerti Rubensohn.<br />
Als kinderloses Ehepaar lebte Dr. Gerti Rubensohn mit ihrem Mann Erich Rubensohn seit Mitte der dreißiger Jahre in Berlin-Pankow in der Vinetastraße 61. Über ihr weiteres Leben ist leider nur das tragische Ende bekannt.<br />
Am 21. August 1942 nahmen sich Gerti und Erich Rubensohn angesichts der drohenden Deportation das Leben. Sie wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben.<br />
<br />
<br />

Gerti Will wurde am 13. Oktober 1902 in Neustettin (heute Szczecinek) als Tochter des Arztes Dr. med. Benno Will und seiner Frau Rosa, geb. Conrad, geboren. Über das Leben der Familie ist wenig bekannt. 1908 zogen sie nach Berlin in die Kopenhagener Straße 16. Dort hatte der Vater eine Arztpraxis bis Mitte der dreißiger Jahre.
Gerti besuchte die Sophien-Töchterschule in der Weinmeisterstraße 16/17, in der es einen besonders hohen Anteil von jüdischen Schülerinnen gab. Dort machte sie 1922 an der 2. Städtischen Studienanstalt ihr Abitur. Danach studierte sie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Chemie, eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung, wenn auch inzwischen immer mehr Frauen die Universitäten besuchten und promovierten. Nach dem Abschluss des Chemiestudiums im Jahre 1927 arbeitete Gerti Will an ihrer Dissertation zum Thema „Über die Konstitution des Glykogens“, die sie 1928 zusammen mit ihrem Professor Hans Pringsheim (1876–1940) publizierte (Beiträge zur Chemie der Stärke, XXI.)
Am 5. März 1929 wurde Gerti Will zur Dr. phil. promoviert (den Titel „rer. nat.“ gab es damals noch nicht). 1932 heiratete sie den Studienassessor Erich Rubensohn.
Sie fand Arbeit im Redaktionsteam des berühmten „Beilstein“, dem bis heute weltweit bedeutenden Handbuch der Organischen Chemie. Nachweislich gehörte sie zum Redaktionsstab für den Band 17 von 1934.
Wie ihr Doktorvater, Prof. Hans Pringsheim, der gleich 1933 nach Paris und 1937 nach Genf emigriert war, geriet auch Dr. Gerti Rubensohn in den Sog der nationalsozialistischen Rassenvorstellungen. Auch beim Redaktionsstab des „Beilstein“ vollzogen sich die Prozesse von Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen. Es kam zur Entlassung von Führungskräften und Mitarbeiter*innen, so auch von Dr. Gerti Rubensohn.
Als kinderloses Ehepaar lebte Dr. Gerti Rubensohn mit ihrem Mann Erich Rubensohn seit Mitte der dreißiger Jahre in Berlin-Pankow in der Vinetastraße 61. Über ihr weiteres Leben ist leider nur das tragische Ende bekannt.
Am 21. August 1942 nahmen sich Gerti und Erich Rubensohn angesichts der drohenden Deportation das Leben. Sie wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben.