Bertha Birnbaum geb. Fischer

Verlegeort
Waldemarstr. 23
Historischer Name
Waldemarstraße 34
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
23. März 2021
Geboren
11. Juli 1872
Deportation
am 26. Mai 1944 nach Theresienstadt
Verstorben an den Folgen von Haft und Folter
11. August 1945 in Theresienstadt
  • Stolperstein für Bertha Birnbaum © OTFW
    Stolperstein für Bertha Birnbaum © OTFW

    Stolperstein für Bertha Birnbaum © OTFW

Bertha Birnbaum kam am 11. Juli 1872 im böhmischen Komotau (heute Chomutov in Tschechien), das damals zum Habsburgerreich gehörte, mit dem Mädchennamen Fischer zur Welt. Am südlichen Fuß des Erzgebirges gelegen, war Komotau zum Zeitpunkt ihrer Geburt eine aufblühende Industriestadt. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Bertha Fischer haben sich keine Zeugnisse erhalten. Sicher ist, dass sie einer jüdischen Familie entstammte. Es ist nicht bekannt, ob sie einen Beruf erlernte und wann sie nach Berlin übersiedelte.<br />
Im Berliner Adressbuch des Jahres 1919 ist sie als Geschäftsreisende verzeichnet und wohnte in der Landwehrstraße 15, die sich östlich des Alexanderplatzes befand.<br />
Am 19. Oktober 1925, im Alter von 53 Jahren, heiratete sie den Behördenangestellten im Ruhestand Willy Birnbaum, geboren 1864 in Magdeburg. Für beide war es die erste Ehe. Das Ehepaar lebte in den folgenden Jahren weiterhin in der Nähe des Alexanderplatzes: in der Alten Schönhauser Straße 14–15 und in der Lietzmannstraße 10. <br />
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 begann die schrittweise Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Bertha Birnbaum war davor zunächst geschützt, weil sie in einer „privilegierten Mischehe“ lebte – ihr Mann war nichtjüdisch. So war sie von der im September 1941 erlassenen „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ ausgenommen und musste keinen „Judenstern“ tragen. Andere Diskriminierungen blieben Bertha Birnbaum und ihrem Ehemann wahrscheinlich nicht erspart.<br />
Seit 1939 lebte das Ehepaar in einer 1-Zimmer-Wohnung in der Waldemarstraße 34 (heute Nr. 23) im zweiten Stock des Seitenflügels. Willy Birnbaum starb dort am 9. März 1944 an Alters- und Herzschwäche. Bertha Birnbaum musste nun nicht nur den Tod ihres Ehemanns verarbeiten, sie verlor auch den Schutz, den ihr die „Mischehe“ bis dahin geboten hatte.<br />
Am 20. März 1944 wurde sie in das Sammellager Schulstraße 78 gebracht, das sich in der ehemaligen Pathologie des Jüdischen Krankenhauses im Wedding befand. Von dort wurde sie am 26. Mai 1944 mit dem „106. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Bertha Birnbaum erlebte zwar noch die Befreiung des Ghettos am 8. Mai 1945 durch die Rote Armee, sie war aber wahrscheinlich durch die unmenschlichen Lebensbedingungen so geschwächt, dass sie am 11. August 1945 im Alter von 73 Jahren in Theresienstadt verstarb.<br />

Bertha Birnbaum kam am 11. Juli 1872 im böhmischen Komotau (heute Chomutov in Tschechien), das damals zum Habsburgerreich gehörte, mit dem Mädchennamen Fischer zur Welt. Am südlichen Fuß des Erzgebirges gelegen, war Komotau zum Zeitpunkt ihrer Geburt eine aufblühende Industriestadt. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Bertha Fischer haben sich keine Zeugnisse erhalten. Sicher ist, dass sie einer jüdischen Familie entstammte. Es ist nicht bekannt, ob sie einen Beruf erlernte und wann sie nach Berlin übersiedelte.
Im Berliner Adressbuch des Jahres 1919 ist sie als Geschäftsreisende verzeichnet und wohnte in der Landwehrstraße 15, die sich östlich des Alexanderplatzes befand.
Am 19. Oktober 1925, im Alter von 53 Jahren, heiratete sie den Behördenangestellten im Ruhestand Willy Birnbaum, geboren 1864 in Magdeburg. Für beide war es die erste Ehe. Das Ehepaar lebte in den folgenden Jahren weiterhin in der Nähe des Alexanderplatzes: in der Alten Schönhauser Straße 14–15 und in der Lietzmannstraße 10.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 begann die schrittweise Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Bertha Birnbaum war davor zunächst geschützt, weil sie in einer „privilegierten Mischehe“ lebte – ihr Mann war nichtjüdisch. So war sie von der im September 1941 erlassenen „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ ausgenommen und musste keinen „Judenstern“ tragen. Andere Diskriminierungen blieben Bertha Birnbaum und ihrem Ehemann wahrscheinlich nicht erspart.
Seit 1939 lebte das Ehepaar in einer 1-Zimmer-Wohnung in der Waldemarstraße 34 (heute Nr. 23) im zweiten Stock des Seitenflügels. Willy Birnbaum starb dort am 9. März 1944 an Alters- und Herzschwäche. Bertha Birnbaum musste nun nicht nur den Tod ihres Ehemanns verarbeiten, sie verlor auch den Schutz, den ihr die „Mischehe“ bis dahin geboten hatte.
Am 20. März 1944 wurde sie in das Sammellager Schulstraße 78 gebracht, das sich in der ehemaligen Pathologie des Jüdischen Krankenhauses im Wedding befand. Von dort wurde sie am 26. Mai 1944 mit dem „106. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Bertha Birnbaum erlebte zwar noch die Befreiung des Ghettos am 8. Mai 1945 durch die Rote Armee, sie war aber wahrscheinlich durch die unmenschlichen Lebensbedingungen so geschwächt, dass sie am 11. August 1945 im Alter von 73 Jahren in Theresienstadt verstarb.