- Location
- Ansbacher Straße 70
- District
- Schöneberg
- Stone was laid
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10 June 2022
- Born
- 28 May 1877 in Posen / Poznań
- Deportation
- on 29 October 1942 from Ansbacher Straße 70, Berlin-Schöneberg to Theresienstadt
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Murdered
- 16 February 1943 in Theresienstadt
Clara Imberg kam am 28.5.1877 als Tochter des Kaufmanns Heinrich Reimann
und seiner Ehefrau Jenny, geb. Asch, in Posen zur Welt. Von ihrer Kindheit und Jugend wissen wir leider nichts.
Am 4. April 1897 heiratete die 20-jährige Clara den 31-jährigen Rechtsanwalt Franz Imberg. Clara hatte vor ihrer Eheschließung mit ihren Eltern in Berlin-Tiergarten in der Lützowstr. 74 gewohnt. Zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit war ihr Vater bereits verstorben.
Am 21. Juni 1899 brachte Clara in Berlin in der ersten gemeinsamen Wohnung des Ehepaars in der Potsdamer Str. 23a ihr erstes Kind, die Tochter Hilde, zur Welt. Kurze Zeit danach lebte die Familie bereits in einer vermutlich deutlich größeren Wohnung in der Potsdamer Str. 136/137. Nachdem sie 1905 bereits bei der Geburt ihren ersten Sohn verloren hatte, brachte sie gut zwei Jahre später, am 7.11.1907 den Sohn Heinz (später Henry) Louis Imberg zur Welt.
Ihr Mann machte beruflich Karriere. 1912 wurde er zum Notar ernannt und ab 1913 durfte er sich „Justizrat“ nennen. Praxis und Wohnung befanden sich inzwischen in einer Elfzimmerwohnung in der Potsdamer Str. 113. Dem steigenden gesellschaftlichen Ansehen ihres Mannes entsprach, dass die Wohnadressen von Mal zu Mal vornehmer wurden. Die Familie konnte sich inzwischen ein sorgloses, gutbürgerliches Leben leisten – bis 1933.
Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten begann für die Familie der gesellschaftliche Abstieg. Claras Mann musste um seine berufliche Existenz kämpfen. Sohn Heinz wurde nach erfolgreichem Jurastudium und nach Ablegen der Zweiten Juristischen Staatsprüfung durch die antisemitische Gesetzgebung ab 1933 daran gehindert, seine juristische Laufbahn fortzusetzen. Er versuchte, sich ab 1934 in Spanien eine berufliche Existenz als Importvertreter aufzubauen. Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, musste er seine Pläne aufgeben. Er floh weiter nach England.
Tochter Hilde war seit 1921 mit Dr. Eduard Liepmann verheiratet, der eine Tapetenfabrik besaß. Clara bekam aus dieser Verbindung zwei Enkeltöchter, Ruth (*1923) und Lisa (*1926). Im Jahre 1938 konnten Ruth nach Palästina und 1939 Lisa mit einem Kindertransport nach England gerettet werden. Im selben Jahr verließ auch Claras Tochter mit ihrem Mann Deutschland in Richtung Palästina.
Claras enge Familie hatte Deutschland verlassen und ihr Mann den Kampf um seine berufliche Existenz bereits nahezu verloren. Sie mussten die große Wohnung in der Potsdamer Straße 113 aufgeben und in eine Vierzimmerwohnung in der Neuen Ansbacher Straße 17 (heute Ansbacher Straße 70) umziehen. Das Haus gehörte der Familie Imberg.
1938 verlor Frank Imberg endgültig seine Zulassung als Anwalt. Die Familie war gezwungen, das Haus zu verkaufen und fortan als Mieter im eigenen Haus zu leben. Die Nazis zwangen sie, den Vornamen „Sara“ anzunehmen und ab September 1941 den entwürdigenden „Judenstern“ zu tragen.
Mit Datum vom 1. Februar 1942 wurde das Vermögen ihres Mannes als angeblichem „Reichsfeind“ zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Zwei Tage später war Franz Imberg tot. Auf der Sterbeurkunde ist als Todesursache „Arteriosklerose der Herzkranzarterien“ vermerkt.
Clara war nun allein, durfte aber in ihrer Wohnung nur noch ein Zimmer bewohnen. In die anderen drei Zimmer wurden zwangsweise drei Jüdinnen einquartiert. Die Frauen bewohnten bis zu ihrer eigenen Deportation je ein Zimmer in der Wohnung von Clara.
Am 29. Oktober 1942 wurde Clara Imberg mit dem „69. Alterstransport“ und insgesamt 100 Menschen nach Theresienstadt deportiert. Clara traf in Theresienstadt auf ihren älteren, bereits verwitweten Bruder Hugo Reimann, Landgerichtsrat a.D.. Hugo war bereits seit Juli 1942 in Theresienstadt. Am 3. Februar 1943 starb er dort.
Clara überlebte ihren Bruder nur um zwei Wochen. Am 16. Februar 1943 starb auch sie. Die kaum erträglichen Lebensbedingungen in Theresienstadt und die zahlreichen persönlichen Verluste in Claras Leben werden dazu beigetragen haben, dass ihr Leben bereits mit 66 Jahren endete.
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