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Sigismund Basch

Stolperstein für Herta Basch. Copyright: MTS
Familie Basch: Sigismund Basch (2. Reihe, vierter von links). Copyright: Barbara Loftus
LOCATION
Keithstr. 14

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
06/18/2010

BORN
06/13/1883 in Wollstein (Posen) / Wolsztyn
OCCUPATION
Fabrikant für landwirtschaftliche Maschinen
DEPORTATION
on the 14th of December 1942 to Auschwitz
MISSING
in Auschwitz

Sigismund Basch wurde am 13. Juni 1883 im südwestlich von Posen gelegenen Wollstein (heute Wolsztyn) geboren. Er war Fabrikant für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte in Posen. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrigs heiratete er die aus einer Fabrikantenfamilie stammende Herta Berlowitz aus Elbing. Das Paar lebte in Posen und hatte zwei Kinder, die 1915 geborene Tochter Hildegard und den 1920 geborenen Sohn Heinz Hermann. Die Stadt Posen war gegen Ende des Ersten Weltkriegs ein Zentrum der polnischen Bewegung und wurde im Versailler Vertrag dem wieder gegründeten Polnischen Staat zugesprochen. Vermutlich aus diesem Grund zog die deutsche Familie Basch bald nach der Geburt des Sohnes Heinz von Posen nach Berlin. Dort wohnte sie ab Juli 1921 in einer komfortablen Fünfzimmer-Wohnung mit Balkon in der heutigen Keithstraße 14 (früher Lutherstr.51), unweit von KadeWe und Zoo gelegen.

Sigismund Basch war zu dieser Zeit nicht mehr als Fabrikant sondern als Handelsvertreter für Landmaschinen tätig und versuchte alles, um den bürgerlichen Lebensstil der Familie zu erhalten auf den seine Frau Herta großen Wert legte. In Folge der Inflation der frühen zwanziger Jahre ging die Firma, für die Sigismund tätig war, in den Bankrott und er war arbeitslos. Er versuchte alles, um eine neue Tätigkeit zu finden. Nach vielen Mühen wurde er Vertreter für Minimax-Feuerlöscher. Er verdiente weit weniger als zuvor, dazu kam das geringere soziale Ansehen. Immer wieder kam es wegen der schwierigen Verhältnisse zu Spannungen mit seiner Frau Herta und mehrfach griff ihm sein Schwiegervater Felix Berlowitz finanziell unter die Arme.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde es für Sigismund noch schwieriger, geschäftlich erfolgreich zu sein, dazu kam nun auch die Sorge um die Zukunft der beiden Kinder. Die Tochter Hildegard konnte zwar noch ihr Abitur ablegen, doch studieren durfte sie nicht. Der Sohn Heinz durfte wegen seiner jüdischen Herkunft nicht auf dem Gymnasium bleiben.

Fieberhaft suchten Sigismund Basch und seine Frau nach Möglichkeiten für die Kinder, aus Deutschland heraus zu kommen. Für seine Tochter fand er schließlich einen befreundeten englischen Landmaschinenproduzenten, der die Bürgschaft übernahm. Der Sohn Heinz erhielt im Herbst 1938 ein Affidavit für die USA, allerdings noch kein Visum. Im Frühjahr 1939 reiste die Tochter Hildegard nach England aus. Sie hat mit ihrer späteren Familie kaum über ihre Herkunft gesprochen und erst kurz vor ihrem Tod gelang es ihrer Tochter Barbara Loftus, die Geschichte der Mutter und ihrer im Holocaust ermordeten Familie zu rekonstruieren.

Seit 1940 lebten Sigismund Basch und seine Familie nicht mehr alleine in ihrer Wohnung, da ihnen die vierköpfige Familie Loewenstein als Untermieter zugewiesen worden war. Sigismund Basch wurde zur Zwangsarbeit herangezogen, sein letzter Einsatzort war der Rüstungsbetrieb Hermann Henseler, Hollmannstraße 32, Berlin S.W.68.

Am 13. Dezember 1942 füllte Sigismund Basch seine Vermögenserklärung aus, er besaß nur noch ein Girokonto mit ca. 200,-- RM. Das Inventar seiner Wohnung wurde auf 4.085,20 RM geschätzt, doch zu diesem Zeitpunkt war er bereits deportiert. Dieses „Vermögen“ gehörte nun dem Deutschen Reich.

Am 14. Dezember 1942 wurde Sigismund Basch zusammen mit seiner Frau Herta und dem Sohn Heinz vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße nach Auschwitz deportiert. Es gibt keine weiteren Lebensspuren von ihm.


Biographical Compilation

Dr. Ruth Federspiel

Additional Sources

Recherchen der Patin (Enkelin Barbara Loftus)
Diess., Biografisches Album Hildegard Basch in der Ausstellung "Wir waren Nachbarn" (seit 2010), darin auch: Brief der Tochter Hildegard an ihre Tante Lucie, 1938 und Brief der Tochter Hildegard an ihren Großvater, 1938

Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Rep. 36 A (II) Akten des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg; Karteikarten der Vermögensverwertungsstelle.