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Lilly Lewandowsky

Stolperstein für Lilly Lewandowsky. Copyright: MTS
LOCATION
Tempelhofer Damm 84

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Tempelhof
STONE WAS LAID
03/07/2009

BORN
12/25/1889 in Santomischel (Posen) / Zaniemyśl
OCCUPATION
Prokuristin und Einkäuferin
DEPORTATION
on the 28th of March 1942 to Piaski-Trawniki
MURDERED
in Piaski

Lilly Lewandowsky wurde am 25. Dezember 1889 in der Kleinstadt Santomischel im Kreis Schroda/Posen (heute Zaniemysi in Polen) geboren. Ihre Eltern waren der Kantor Max Lewandowsky (gestorben am 20.10.1920 in Posen) und seine Ehefrau Maria, geborene Silberstein (gestorben am 5.12. 1939 in Berlin). Sie hatte einen älteren Bruder (Hugo, geboren 1885) und eine jüngere Schwester (Irma, geboren 1894).
Zum Zeitpunkt ihrer Geburt lebten im Kreis Schroda in der weitaus größten Mehrzahl Polen. Das heißt die Mehrzahl der Bevölkerung war katholisch. Es gab nur wenige Juden.
Lilly Lewandowsky besuchte Volksschule, Lyzeum und eine Handelsschule in Posen. Danach arbeitete sie bei dem Posener Getreidehandel Georg Bernhardt, machte in der Firma Karriere und wurde schließlich Prokuristin.
Im Juni 1919 fiel Posen an Polen. Wie viele Deutsche zog die Firma Bernhardt von Posen nach Berlin. Lilly Lewandowsky folgte ihrem Arbeitgeber. Nach dessen Tod und der Auflösung der Firma arbeitete sie für kurze Zeit bei der Firma Hugo Mottek/Landesprodukte und dann in der Getreide- und Futtermittelgroßhandlung Sigismund Marcus, dessen Sohn Martin (1872-1935) nach dem Tod des Vaters im Jahr 1902 das Geschäft übernommen hatte. Beide Firmen (und Familien) stammten ebenfalls aus der Provinz Posen. Nach dem Tod von Martin Marcus wurde Lilly Lewandowsky Einkäuferin bei Butter Nordstern, einem Filialbetrieb für Butter und Lebensmittel. Ihre selbständige Tätigkeit als Handelsvertreterin (unklar seit wann) musste sie nach dem Novemberprogrom 1938 aufgegeben.
Lilly Lewandowsky war ledig geblieben und lebte mit ihrer verwitweten Mutter in einer gemeinsamen Wohnung Mitte der 1920er Jahre wohnten Mutter und Tochter in der Wallstraße 41 (heute: Zillestraße) in Berlin-Charlottenburg. Dann zogen sie in eine Erdgeschosswohnung in der Berliner Straße 33b (heute: Tempelhofer Damm 84) in Tempelhof. Als die Mutter Marie Lewandowsky im Dezember 1939 starb, war eine Emigration kaum noch möglich. - Die Schwester Irma, verheiratete Simon, war schon früh nach Palästina ausgewandert. Der Bruder Hugo Lewandowsky, der zuletzt als Handelsvertreter in Berlin-Moabit gelebt hatte, wurde am 15. Januar 1943 im KZ Mauthausen ermordet.
Lilly Lewandowsky wurde am 28. März 1942 mit dem 11. Osttransport in den Kreis Lublin deportiert. Als Ziel war Trawniki angegeben, die Züge mit dieser Zielangabe wurden aber zu den
Ghettos anderer, nicht weit entfernter Orte geleitet. Die Deportierten aus dem Transport vom 28. März 1942 kamen in das (Durchgangs-) Ghetto Piaski im Landkreis Lublin, das ohne eigenen Bahnhof war. Der Zug hielt in Trawniki und die erschöpften Menschen mussten zu Fuß ca. 12 km nach Piaski gehen. Wer nicht auf der Fahrt gestorben war oder den grauenhaften Lebensbedingungen im Ghetto erlag, wurde von dort in die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und auch Treblinka weitertransportiert. Auf welche Weise Lilly Lewandowsky umgekommen ist, ist unbekannt.


Biographical Compilation

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen

Additional Sources

Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 - 1945, Wiesbaden 2005, Kurt Schilde, Erinnern und nicht vergessen, Berlin 1988, LBI New York, Bibliothek und Archiv, Katalog Bd. 1, 1970