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Werner Burthz

Stolperstein für Werner Burthz. Foto: OTFW.
LOCATION
Eichborndamm 238

DISTRICT
Reinickendorf – Wittenau
STONE WAS LAID
05/04/2004

BORN
12/05/1929 in Berlin
MURDERED
11/10/1942 in Berlin-Hermsdorf, "Nervenklink Wiesengrund"

Werner Burthz wurde am 5. Dezember 1929 in Berlin geboren. Sein Vater war Arbeiter bei den Siemens Kabelwerken. Siebenjährig wurde Werner in die Wittenauer Heilstätten (heute Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik) aufgenommen. Begründet wurde dies mit einer körperlichen und geistigen Behinderung, jedoch scheint auch eine Rolle gespielt zu haben, dass die Eltern sich der Betreuung nicht gewachsen fühlten.

Nach den Angaben der Mutter musste Werner bereits kurz nach seiner Geburt ins Kaiserin-Auguste-Victoria-Krankenhaus; sie habe die Nahrung dorthin bringen müssen. Erst mit fünf Jahren habe er laufen gelernt. Er sei nicht schulfähig, spreche fast gar nicht. Die jüngere Schwester sei durch ihn in Gefahr, weil sie ihn immer nachmache. Nachts störe er durch seine Unruhe die Familie, die nur in einer engen Laube wohne. Die Mutter bat um eine Unterbringung des Kindes.

In Wittenau wurde festgestellt, dass der unterernährte Junge nur einige Schritte alleine gehen konnte. Bereits nach 14 Tagen wurde Werner in das Kinderheim Reitwein in Brandenburg verlegt. Die Kosten für den Aufenthalt mussten die Eltern zumindest teilweise selbst begleichen. Oft gerieten sie mit den Zahlungen in Rückstand, so dass das Jugendamt anfragte, ob Werner wieder bei der Familie leben könne. Die Ärzte lehnten dies jedoch regelmäßig ab.

In der Akte Werners findet sich ein Meldebogen des „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen
Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden“. Auf der Grundlage dieses Bogens wurde Werner als „lebensunwert“ selektiert und im März 1942 in die „Kinderfachabteilung“ der Nervenklinik „Wiesengrund“ eingewiesen. Die Station 3 der Klinik war für „Reichsausschusskinder“ reserviert, um dort die „Behandlung“/Tötung selektierter Kinder durchzuführen.

Pflegeberichte deuten darauf hin, dass Werner durchaus in der Lage war Kontakt mit seiner Umwelt aufzunehmen, Menschen freundlich zu begegnen, er beschäftigte sich mit Spielzeugen, insbesondere Hüte mochte er sehr gerne.
Außerdem finden sich in den Berichte Hinweise auf Unterernährung. In vielen der „Kinderfachabteilungen“ waren unterlassene Pflege und Nahrungsmangel an der Tagesordnung.

Im „Wiesengrund“ wurden von den Gutachtern zur Tötung frei gegebene Kinder ohne Wissen der Angehörigen auch als Probanden [Versuchsobjekte] für medizinische Forschung zur Verfügung gestellt. Die gesundheitlichen Gefährdungen, bis hin zum tödlichen Ausgang wurden kalkulierend eingeplant. Im „Wiesengrund“ war man darauf spezialisiert, Tuberkulose-Impfexperimente durchzuführen. Sie waren außerordentlich schmerzhaft, gefährlich und verliefen häufig tödlich. Auch Werner wurde Opfer dieser Experimente und ihrer Folgen. Er verstarb knapp dreizehnjährig nach fünfjährigem Heimaufenthalten und achtmonatigem Aufenthalt in der Nervenklinik für Kinder, „Wiesengrund“, am 10. November 1942 an den Folgen der Experimente. Zur Vertuschung wurde vom leitenden Arzt Dr. Hefter „akuter Magen- und Darmkatarrh bei allgemeiner Abzehrung“ als Todesursache angegeben.


Biographical Compilation

Carsten Baum