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Alfons Friedrich Ilgner

Stolpersteine für Alfons, Malvine und Ellen Ilgner © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
LOCATION
Woelckpromenade 7

DISTRICT
Pankow – Weißensee
STONE WAS LAID
06/09/2009

BORN
08/27/1888 in Posen / Poznań
ESCAPE
1936 Flucht in die Niederlande
DEPORTATION
on the 6th of July 1943 from Westerbork to Sobibor
MURDERED
07/09/1943 in Sobibór

Alfons Friedrich Ilgner wurde am 27. August 1888 als Sohn jüdischer Eltern in Posen (heute Poznań in Polen) geboren. In jungen Jahren absolvierte er eine Lehre als Kaufmann und lernte bei seinem Vater, der in der Geflügelbranche tätig war. Im Jahr 1914 heiratete er Malvine Leiser, die aus ihrer Familie eine reiche Mitgift in die Ehe mitbrachte. Während des Ersten Weltkriegs diente Alfons Ilgner als Unteroffizier in der deutschen Armee. Es lässt sich nicht genau nachvollziehen, wann er mit seiner Frau Malvine nach Berlin gekommen ist. Allerdings wurden beide Kinder des Ehepaares in Berlin geboren, Ruth am 5. April 1915 und Ellen am 21. Dezember 1919.

Vor 1933 lebte die Familie Ilgner in der Woelckpromenade 7 in Berlin-Weißensee. In dieser Zeit war Alfons Ilgner vorübergehend Mitbetreiber des Kabaretts Fledermaus. Aufgrund des Scheiterns der Partnerschaft musste er die Beteiligung an dem Kabarett aufgeben und arbeitete eine Zeit lang mit seinem Schwiegervater Sally Leiser in dessen Geflügel-Import-Geschäft. Als Sally Leiser aufgrund einer Erkrankung sein Geschäft nicht weiterführen konnte, gründete Ilgner sein eigenes in der Großen Frankfurter Straße 142. Es verfügte über einen großen Ladenraum mit Balkon sowie Werkstatt- und Lagerräume im Kellergeschoss. Im Sommer war das Geschäft eine Eisdiele und in der übrigen Jahreszeit eine Geflügel-Ausschlachterei. Für sein Eis verwendete Alfons Ilgner ein Geheimrezept und er führte schon bald eine der bekanntesten Eiskonditoreien der Gegend, deren Eis als besonders gut galt. Das Geschäft war so erfolgreich, dass nicht nur Malvine Ilgner aushalf, sondern darüber hinaus noch vier Angestellte beschäftigt wurden. Dadurch ermöglichte Ilgner seinen beiden Töchtern eine gute Schulbildung. Die ältere Tochter Ruth wurde schließlich Volksschullehrerin an einer jüdischen Schule in Berlin und heiratete später ihren Lehrer Walter Feilchenfeld (später Fales).

Nach der Machtergreifung Hitlers begannen die Nationalsozialisten vor Alfons Ilgners Geschäft zu demonstrieren, inszenierten Massenaufläufe und hinderten Menschen daran, das Geschäft zu betreten. Dies geschah ab 1935 im Rahmen einer allgemeinen Aktion der Nazis gegen jüdische Eisdielen. Sie drangen wiederholt in Alfons Ilgners Geschäft, wurden tätlich und zerstörten einen Teil des Inventars. Der Laden musste während der Hauptgeschäftszeiten geschlossen bleiben und jede Hilfe durch die Polizei wurde verweigert. Aufgrund dieser systematischen Angriffe der Nazis sah Alfons Ilgner sich gezwungen, das Geschäft zu einem Spottpreis an einen seiner Angestellten zu verkaufen; aus diesem Zwangsverkauf erhielt er jedoch nur einen Bruchteil der insgesamt vereinbarten Summe.

Nachweislich zog die Familie Ilgner 1936 in die Knesebeckstraße 32. Im selben Jahr entschieden sie sich zu der Flucht nach Amsterdam, wodurch sie all ihr Kapital verloren. Alfons Ilgner verließ das Land im Sommer, vermutlich zusammen mit Ellen; Malvine folgte ihnen im Dezember nach, nachdem sie noch als Trauzeugin auf der Hochzeit ihrer Tochter Ruth teilgenommen hatte.

Nach einiger Zeit eröffnete Alfons Ilgner mit einem Partner wieder einen Eisladen in der Rijnstraat 71-73 in Amsterdam, dem er den Namen „Koco“ gab. Schon vor dem Einmarsch der Deutschen störten bereits holländische Nazis den Betrieb des Geschäfts. Anfang 1942 wurde der Laden dann während der deutschen Besatzung des Landes von den Nazis überfallen und Alfons Ilgner sah sich zum zweiten Mal zur Aufgabe seines Geschäfts gezwungen. Danach lebte er mit seiner Frau und der Tochter in ärmlichen Verhältnissen.

Am 12. Juni 1943 wurde Alfons Ilgner zusammen mit seiner Ehefrau in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort aus wurden beide am 6. Juli desselben Jahres weiter nach Sobibor in Polen gebracht und dort drei Tage später, am 9. Juli 1943, vergast. Die Tochter Ellen, die im Durchgangslager Westerbork noch am 6. August 1942 den Niederländer Joseph Heiman de Leuw geheiratet hatte, ereilte das gleiche Schicksal. Sie starb noch vor ihren Eltern, am 28. Mai 1943. Die einzige Überlebende der Familie ist Ruth, der am 1. Februar 1939 die Flucht über die Schweiz und Italien in die USA gelang, wo ihre zahlreiche Nachkommenschaft lebt.


Biographical Compilation

Seda Mimaroğlu-Seitz und Felix von Haselberg

Additional Sources